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Nase voll.

02 Mai

Ich bekomme in letzter Zeit zunehmend Anfragen für Übersetzungen aus dem Japanischen ins Deutsche, vorzugsweise von Agenturen, mit denen ich noch nie etwas zu tun hatte. Problem 1: In 80 % der Fälle wird kein Auftrag daraus. Problem 2: Bei den angefragten Dokumenten handelt es sich fast immer um Bilddateien (PDF ohne markierbaren Text, JPG, TIFF … you name it), wenn es nicht ohnehin eine schief eingescannte Vorlage in grausiger Qualität ist (eingescanntes Fax ist mein Favorit!).

Ich habe dermaßen die Nase voll davon, dass man mir solche Dateien vor den Latz knallt mit der „Bitte um Festpreis und Bearbeitungszeit“, ich mich als brave Dienstleisterin natürlich hinsetze, mir den Text genau ansehe und den Aufwand abzuschätzen versuche – kostet mich meistens eine runde halbe Stunde und oft genug bekomme ich nicht mal eine Antwort.

Was mich daran besonders aufregt: Die Agenturen wissen weder, was das überhaupt für Dokumente sind, noch, wie man so was kalkuliert. Sie werben mit Übersetzungen aus dem Japanischen und lassen mich dann ihre Arbeit machen, schlagen auf mein Angebot einfach eine Marge drauf und leiten dann alles an ihren Kunden weiter. Sie können ihm weder erklären, warum es „so viel“ kostet, noch, warum es „so lange“ dauert, weil sie eben selbst keine Ahnung haben. Warum bieten sie diese Leistung dann an?!

Aber nun ist Schluss. Ich habe eine Liste mit Preisen für Standarddokumente (Familienregister, Führerschein etc.) und Zeichenpreisen für verschiedene Arten von Dokumenten erstellt und eine Standard-Antwortmail dazu entworfen, in der ich erkläre, wie man japanische Zeichen in einem Word-Dokument zählt. Für alle nicht auszählbaren Dateien berechne ich für den Kostenvoranschlag ab sofort einen Festpreis, der natürlich im Auftragsfall mit dem Auftragswert verrechnet wird.

Fast freue ich mich auf die unbedarfte Anfrage des nächsten Umtüters, dem ich meine Liste dann kalt lächelnd um die Ohren hauen kann.

(297 Wörter)

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11 Kommentare

Verfasst von - 2. Mai 2011 in Japanisch, Umtüter

 

11 Antworten zu “Nase voll.

  1. Miriam Neidhardt

    3. Mai 2011 at 09:20

    Oh wie schön, du hast jetzt auch einen Blog!
    Ich gehe in letzter Zeit auch immer häufiger dazu über, den Kunden die Arbeit selber machen zu lassen. Früher habe ich mir die Mühe gegeben, bei Websiten jede einzelne Unterseite rauszukopieren und durchzuzählen; heute verlange ich die zu übersetzenden Texte per Worddatei. Umtüter bekommen bei mir die Standardantwort, dass ich leider bis xxx ausgebucht sei. Und Privatpersonen mittlerweile die Standardantwort, mein Mindestauftragswert läge bei xxx, ich arbeite nur gegen Vorkasse, die Bankdaten teile ich mit, wenn ich eine positive Antwort erhalte. Und die gesparte Zeit investiere ich lieber in interessante Projekte und nette Kunden!

    Ich wünsch dir einen tollen Tag und allen viel Spass mit dem neuen Blog,

    Gruß, Miriam

     
    • frenja

      3. Mai 2011 at 09:27

      Ja, den hatte ich sogar schon im letzten Sommer aufgesetzt, aber bin ums regelmäßige Schreiben irgendwie immer drumrumgeschlichen. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt, und ich hab mir ja extra die Beschränkung 300 Wörter pro Artikel gegeben, damit es nicht so ausufern kann. 🙂

      Gute Idee mit den Standardantworten – mit Privatpersonen habe ich solche Probleme eigentlich gar nicht, die kommen auch mit solchen Anfragen (v. a. Personenstandsurkunden für bevorstehende Hochzeiten), aber da sie ja vorher wissen, dass sie die Übersetzung brauchen, bekomme ich den Auftrag dann auch meistens. Und die zahlen bisher ganz überwiegend innerhalb weniger Tage oder eben bar bei Abholung.

      Bei einigen Umtütern habe ich mich inzwischen explizit streichen lassen aus der Datenbank, das hat auch gutgetan. 🙂 Dazu folgt aber demnächst noch mal ein eigener Post!

       
  2. Juliane Topka

    3. Mai 2011 at 10:55

    Willkommen unter den Bloggern! Ich bin schon sehr gespannt und habe dein Blog gleich in meine Suchroutine (ich HASSE das Wort Feedreader :-)) aufgenommen.

    Viele Grüße
    Jule

     
    • frenja

      3. Mai 2011 at 11:10

      Danke, das ist sehr optimistisch von dir. 🙂 Ich hoffe, ich schaffe es, halbwegs regelmäßig hier was reinzusetzen …

       
  3. sonnenhexer

    5. Mai 2011 at 13:07

    Klar, dass Du irgendwann die Nase voll hast. 🙂
    Denn alleine die Kalkulation kostet Dich Zeit und bringt nix ein.
    Ich freue mich auf Deine ersten Erfahrungen mit der Preisliste.

     
  4. Simone

    5. Mai 2011 at 13:22

    „Umtüter“, hihi.. Das klingt ja schon fast zu süß für das, was die Herrschaften eigentlich darstellen. Mit Agenturen hatte ich diese Probleme mit PDFs usw. zum Glück noch nicht, allerdings gehört Japanisch auch nicht zu meinem Repertoire. Aber dafür bekomme ich oft ähnlich schwachsinnige Anfragen à la „Tag, wir suchen einen Übersetzer für XXXX Wörter. Was ist Preis?“ Und das Ergebnis ist meist das gleiche: ich bringe Zeit auf für Rückfragen und kriege kleckerweise die Details zum Text, und wenn ich dann letztendlich einen Preis sage, kommt keine Antwort mehr. GRRR! Da lobe ich mir doch eine Anfrage von neulich: sämtliche Details zum Text, Thema, Wortzahl, nötige Erfahrung, Zeitrahmen usw. – aber leider musste ich nun ausgerechnet diese Anfrage terminlich bedingt ablehnen. Hmpf. :-/

     
    • frenja

      5. Mai 2011 at 13:32

      Mal ehrlich: Wie oft werden aus solchen hingeschluderten Anfragen echte, gute Aufträge? Doch eher selten bis gar nicht. Wenn eine Agentur die einfachsten Grundregeln der effektiven Zusammenarbeit mit den Übersetzern nicht beherrscht (sprich: nicht ungefragt die unwichtigen Details wie Sprachenkombination (!), Umfang, Deadline mitliefert), dann habe ich gar kein Interesse an so einer Zusammenarbeit. Es gibt ja durchaus Agenturen, die das können, und mit denen arbeite ich auch gern. Fazit: Solche Anfragen landen bei mir inzwischen gleich im Rundordner.

       
      • Simone

        5. Mai 2011 at 13:44

        Ja, wenn es Rundmails sind, dann antworte ich auf sowas auch nicht, aber wenn es über mein Website-Formular oder anderweitig direkt an mich geschickt wurde (da stimmt dann immerhin die gesuchte Sprachenkombination), dann antworte ich zumindest noch.. meistens grummelnderweise und auch standardisiert, weil ich weiß, worauf es hinauslaufen wird, aber es hat sich tatsächlich vereinzelt schon ein Auftrag und ein zufriedener Kunde daraus ergeben. Zumeist sind es allerdings Privatkunden, die es wirklich nicht besser zu wissen scheinen, welche Informationen der Übersetzer benötigt. Am besten wäre so ein kleiner E-Mail-Türsteher, der nur die guten Mails durchlässt.. 😀

         
      • frenja

        5. Mai 2011 at 13:50

        Ja, bei Privatpersonen bin ich natürlich nicht so streng. 🙂 Daraus wird dann in vielen Fällen auch was, da macht mir das Erklären auch weniger aus.

         

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