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Archiv für den Monat September 2011

Irgendwas mache ich falsch

Neulich stolperte ich über eine Website, der ich an dieser Stelle nicht noch durch neugierige Klicks zu einem besseren Ranking verhelfen möchte, daher kein Link. Man lockt mit „Stell dir vor, du würdest dafür bezahlt, online einfache Dokumente aus dem Deutschen ins Englische zu übersetzen!“ Wow, völlig neue Geschäftsidee, dachte ich. Man kann dafür bezahlt werden, Dokumente zu übersetzen? Ganz einfach von zu Hause aus? Das hätte mir mal einer sagen sollen!

Aber ich weiß ja offenbar so einiges nicht, denn einige Zeilen drunter, unter den Logos der berühmten Unternehmen, für die man über diese Seite angeblich arbeiten kann, springt es mich an: „KEINERLEI ERFAHRUNG NÖTIG!“ Ja Himmel, wozu habe ich mich bloß 6 Jahre an der Uni abgequält, hätte mich da nicht mal einer aufklären können?

Und guckt bloß mal, was die verdienen:

Spätestens jetzt ist klar: Irgendwas läuft bei mir falsch. Aber die suchen leider nur Übersetzer ins Englische, das mache ich doch gar nicht. Nicht schlimm, beruhigt man mich in den FAQ: „Nicht jeder spricht perfekt Englisch, beispielsweise 99 % der Menschen, für die Englisch nicht die Muttersprache ist. Viele der Jobs sind ganz einfach; auch wenn Ihr Englisch nicht besonders gut ist, haben Sie als auf jeden Fall die Möglichkeit, tolle Übersetzungsjobs an Land zu ziehen, die Sie einfach von zu Hause aus erledigen können.“

Na dann – wo ist der „Registrieren“-Knopf? Beim Runterscrollen dann die Ernüchterung: Für die Registrierung möchte man Geld von mir haben. Dazu die Tatsache, dass nirgendwo auf der Seite Angaben zum dahintersteckenden Unternehmen zu finden sind. Ein ganz normaler Scam also. Wie langweilig.

(258 Wörter)

 
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Verfasst von - 27. September 2011 in Übersetzeralltag

 

Buhu, keiner mag mich!

Könnt ihr gut mit Kritik umgehen? Ich nicht besonders. Meistens sind die Kunden glücklicherweise ja zufrieden mit meiner Arbeit, aber alle Jubeljahre werde ich dann doch mal mit Kritik in irgendeiner Form konfrontiert. Und was mache ich dann? Ich laufe rot an (vor Scham, nehme ich an) und in meinem Kopf schreit es: „Oh nein! Sie haben es gemerkt! Ich bin nicht gut genug!“

Völliger Blödsinn natürlich. Niemand kann es immer allen recht machen und selbstverständlich bin ich gut, ziemlich gut sogar, wenn ich das mal so schamlos behaupten darf. Zum Glück wird ja auch niemand Zeuge meiner ersten Reaktion (Freiberuflerglück), also erst mal tief durchatmen und dann professionell reagieren.

Checkliste: Ist die Kritik berechtigt? Falls ja: Wie ist es dazu gekommen? War ich nicht sorgfältig genug? Fehlten mir Informationen? Hätte ich das merken müssen? Falls nein: Wie kommt der Kunde darauf? Hatte er etwas anderes erwartet? Warum? Habe ich unklar kommuniziert?

Bei all diesen Fragen geht es weniger darum, die Schuldfrage zu klären, als darum, die Situation zu verstehen. Ich muss genau wissen, wie es dazu kommen konnte, um nicht in Selbstzerfleischung (gerechtfertigte Kritik) oder Empörung (ungerechtfertigte Kritik) stecken zu bleiben, sondern etwas Positives aus der ganzen Sache zu ziehen, denn die nächsten Fragen lauten: Wie kann ich den Konflikt so lösen, dass alle zufrieden sind? Und: Wie kann ich solche Situationen in Zukunft vermeiden? Denn mindestens eine Lehre lässt sich auch aus der unglücklichsten Erfahrung ziehen.

Also kein Grund, sich in Selbstzweifel zu stürzen. Und vor allem, ganz wichtig: nicht persönlich nehmen! Klingt banal, ist aber schwierig, gerade wenn man viel Herzblut in eine Arbeit gesteckt hat. Trotzdem, man kann mit meinem Stil nicht klarkommen und mich trotzdem nett finden. Bestimmt!

(283 Wörter)

 
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Verfasst von - 23. September 2011 in Übersetzeralltag, Unternehmeralltag

 

Höflichkeit ist eine Zier …

Ich halte mich ja für einen recht höflichen Menschen. Guten Tag, danke, bitte, auf Wiedersehen, das habe ich als Kind gelernt und es gehört für mich zum normalen Umgangston, ob privat oder geschäftlich.

Gerade im Geschäftsverkehr scheint das aber keineswegs der Standard zu sein. Sicher, Zeit ist Geld und für Höflichkeitsfloskeln hat heute keiner mehr die Nerven. Aber wenn mir eine Anfrage wie neulich ins Haus flattert mit dem Wortlaut: „Anbei ein neuer Auftrag mit Termin für Ende der Woche“, dann werde ich unwirsch. Dabei hielt der Absender das sicher für einen neutralen, sachlichen Tonfall. Bei mir kam er damit aber an wie ein Chef, der seiner Angestellten eine Weisung erteilt. Nun bin ich aber weder Angestellte noch Zulieferbetrieb, sondern verstehe mich als Geschäftspartnerin auf Augenhöhe, die gerne erst mal gefragt werden möchte, ob sie Kapazitäten für Auftrag XY hat. Das gebietet in meinen Augen einfach die Höflichkeit. Ich gehe ja auch nicht zum Schuster und sage: „Bitte diese Schuhe bis übermorgen neu besohlen“, sondern frage, wie lange das dauern würde.

Anderes Beispiel: Neulich fragte ich bei einer Kollegin an, ob sie meine Übersetzung korrekturlesen würde. Am nächsten Tag wartete ich immer noch auf eine Antwort und als ich sie schließlich anrief, sagte sie, sie dächte noch darüber nach, ob sie den Auftrag annehmen kann.

Hätte ich das vielleicht telepathisch erahnen sollen? Genau so hätte sie mir ja sofort antworten können, dann hätte ich doch gewusst, was Sache ist. Stattdessen hänge ich in der Luft und frage mich, ob sie meine Mail überhaupt bekommen hat oder ob ich mir gleich jemand anderen suchen soll.

So schwer ist das doch nicht. Die kurze Bestätigung einer Anfrage, die man am nächsten Tag beantworten wird, ein kleines Dankeschön für eine gelieferte Übersetzung – kostet nicht viel Zeit und macht den Geschäftsalltag so viel angenehmer!

(300 Wörter)

 
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Verfasst von - 14. September 2011 in Unternehmeralltag

 

Kleine Checkliste für Japanisch-Übersetzende

Wer Japanisch übersetzen möchte, braucht dazu überraschenderweise eine Reihe von Dingen, auf die Übersetzer/innen anderer Sprachen verzichten können. Als da wären:

  • ein Kanji-Lexikon (Kanji sind die sinojapanischen Zeichen, also die komplizierten, die man dauernd wieder vergisst). Ein richtig tolles hat Hans-Jörg Bibiko inzwischen auch online gestellt, aber ich persönlich komme mit dem Buchformat irgendwie immer noch besser klar.
  • Wörterbücher eigentlich nicht unbedingt. Die Auswahl an Japanisch-Deutsch-Wörterbüchern ist sehr übersichtlich und zum großen Teil entweder veraltet oder unbezahlbar. Das umfangreichste und aktuellste, das ich kenne, das WaDoKu, gibt es sowieso nur online.
  • ein Namenslexikon. In den meisten Texten taucht irgendwo auch ein Name auf, der nicht zu den häufigen wie Yamada, Ueda oder Matsumoto gehört. Nur um die arme Übersetzerin zu ärgern, denken sich manche japanische Eltern offenbar besonders perfide, sprich seltene Vornamen mit total einzigartigen Lesungen aus. Manchmal findet man sie im Namenslexikon, oft genug aber auch nicht.
  • eine Lupe zum Auszählen von Strichen in fipselig kleinen Kanji auf Papiervorlagen, gern auch in schlechter Druckqualität. Man sollte es ja nicht glauben, aber der überwiegende Teil der Übersetzungsaufträge aus dem Japanischen erreicht mich auch im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts nicht in maschinenlesbarer Form, sondern bestenfalls als Bilddatei. Die Lupe kommt wirklich bei so gut wie jedem Auftrag zum Einsatz.
  • einen Bleistift zum Notieren der mühevoll herausgesuchten Lesung über den Kanji. Diese so genannten furigana finden sich als Lesehilfe bei weniger geläufigen Wörtern auch in japanischen Texten. Wenn ich mir die Lesung nicht gleich notiere, stehen die Chancen gut, dass ich die ersten drei Wörter wieder vergessen habe, bis ich mit dem Satz durch bin.
  • viel Platz zum Ausbreiten aller nötigen Utensilien.

Englisch- und Französisch-Übersetzungen kann ich zur Not mit dem Laptop auf dem Schoß machen, bei Japanisch-Übersetzungen funktioniert das nicht. Sagt einem vorher auch keiner.

(294 Wörter)

 
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Verfasst von - 7. September 2011 in Übersetzeralltag, Japanisch

 

Stürmische Zeiten

Vielleicht hat sich der eine oder andere schon gewundert, warum ich in letzter Zeit so selten zum Bloggen kam – 300 Wörter sollten eigentlich immer drin sein, oder? Tja, der August war ganz untypisch dermaßen pickepackevoll mit Arbeit, dass mir nicht viel Zeit für anderes blieb, dazu kam noch der Schuljahresbeginn samt Einschulung und dann, weil es ja immer ganz dicke kommt, wenn es kommt, gab es auch noch einen privaten Schicksalsschlag zu verkraften, der mir ziemlich plötzlich den Boden unter den Füßen wegzog.

Ohne darauf jetzt näher eingehen zu wollen, hat mir diese Extremsituation aber auch mal wieder vor Augen geführt, wie schlecht ich darauf vorbereitet bin, dass ich mal eine Weile ausfallen könnte. Man weiß genau, man sollte einen Plan B haben und für gewisse Eventualitäten vorsorgen – aber Hand aufs Herz, wie viele Freiberufler können das von sich behaupten? Ich habe mal eine kleine Checkliste angelegt von Dingen, um die ich mich in nächster Zeit wirklich kümmern müsste werde:

  • Krankentagegeld (Derzeit um die 25 € ab dem 43. Tag – ein Witz, wenn ich tatsächlich länger ausfiele, aber mit 27 schien mir das besser als nichts. In den letzten 11 Jahren war ich tatsächlich nicht einmal richtig krank, aber will ich mich in Zukunft darauf verlassen?)
  • finanzielles Polster (Mit den Ausgaben für 3 Monate auf der hohen Kante würde ich sicher ruhiger schlafen.)
  • Instruktionen hinterlegen für die Benachrichtigung von Kunden etc., falls ich vorübergehend nicht an den Schreibtisch kann
  • Liste von KollegInnen aufstellen, denen ich im Notfall mit gutem Gewissen aktuelle Projekte überlassen kann
  • Unfallversicherung abschließen (Ich fahre schließlich täglich mit dem Fahrrad durch die Großstadt!)

Habe ich was vergessen? Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr das alles geregelt?

(278 Wörter)

 
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Verfasst von - 2. September 2011 in Alltag, Unternehmeralltag