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Kleine Checkliste für Japanisch-Übersetzende

07 Sep

Wer Japanisch übersetzen möchte, braucht dazu überraschenderweise eine Reihe von Dingen, auf die Übersetzer/innen anderer Sprachen verzichten können. Als da wären:

  • ein Kanji-Lexikon (Kanji sind die sinojapanischen Zeichen, also die komplizierten, die man dauernd wieder vergisst). Ein richtig tolles hat Hans-Jörg Bibiko inzwischen auch online gestellt, aber ich persönlich komme mit dem Buchformat irgendwie immer noch besser klar.
  • Wörterbücher eigentlich nicht unbedingt. Die Auswahl an Japanisch-Deutsch-Wörterbüchern ist sehr übersichtlich und zum großen Teil entweder veraltet oder unbezahlbar. Das umfangreichste und aktuellste, das ich kenne, das WaDoKu, gibt es sowieso nur online.
  • ein Namenslexikon. In den meisten Texten taucht irgendwo auch ein Name auf, der nicht zu den häufigen wie Yamada, Ueda oder Matsumoto gehört. Nur um die arme Übersetzerin zu ärgern, denken sich manche japanische Eltern offenbar besonders perfide, sprich seltene Vornamen mit total einzigartigen Lesungen aus. Manchmal findet man sie im Namenslexikon, oft genug aber auch nicht.
  • eine Lupe zum Auszählen von Strichen in fipselig kleinen Kanji auf Papiervorlagen, gern auch in schlechter Druckqualität. Man sollte es ja nicht glauben, aber der überwiegende Teil der Übersetzungsaufträge aus dem Japanischen erreicht mich auch im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts nicht in maschinenlesbarer Form, sondern bestenfalls als Bilddatei. Die Lupe kommt wirklich bei so gut wie jedem Auftrag zum Einsatz.
  • einen Bleistift zum Notieren der mühevoll herausgesuchten Lesung über den Kanji. Diese so genannten furigana finden sich als Lesehilfe bei weniger geläufigen Wörtern auch in japanischen Texten. Wenn ich mir die Lesung nicht gleich notiere, stehen die Chancen gut, dass ich die ersten drei Wörter wieder vergessen habe, bis ich mit dem Satz durch bin.
  • viel Platz zum Ausbreiten aller nötigen Utensilien.

Englisch- und Französisch-Übersetzungen kann ich zur Not mit dem Laptop auf dem Schoß machen, bei Japanisch-Übersetzungen funktioniert das nicht. Sagt einem vorher auch keiner.

(294 Wörter)

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7 Kommentare

Verfasst von - 7. September 2011 in Übersetzeralltag, Japanisch

 

7 Antworten zu “Kleine Checkliste für Japanisch-Übersetzende

  1. Diandra

    7. September 2011 at 10:06

    Haha, das kenn ich noch aus dem Studium… um nicht aus der Übung zu kommen, schreibe ich regelmäßig Briefe nach Japan – und rätsle dann über die handgeschriebenen Antworten, auch mit Lupe und Wörterbüchern. ^^

     
    • frenja

      7. September 2011 at 11:05

      Nicht zu vergessen, dass auch das Nachschlagen von Kanji mit 17 Strichen im großen Spahn/Hadamitzky ohne Lupe nicht machbar ist. Mir fangen da immer die Augen an zu zittern. #Fliegendreck

       
  2. Diandra

    7. September 2011 at 12:40

    In Klausuren habe ich manchmal überlegt, einfach einen streifigen schwarzen Kleks an die Stellen mit den komplizierten Kanji zu machen. ^^

     
  3. Kevin Lossner

    7. September 2011 at 12:55

    O Gott. Bin ich froh, dass ich Japanisch vor 25 Jahren aufgegeben habe….

     
    • frenja

      7. September 2011 at 13:05

      Ach, du weißt ja gar nicht, was dir entgeht …

       
  4. Friederike

    15. September 2011 at 14:20

    Ich bin im Moment auch fleißig dabei, mich erstmals in japanische Literatur im Original einzulesen. Ich bedaure sehr, dass das im Zug nicht möglich ist – eben wegen den von dir aufgezählten Gründen: Da ich kein Smartphone habe und mir auch keins anschaffen will, habe ich unterwegs keine Möglichkeit zum Nachschlagen von Wörtern und Kanji. Ich komme mit dem Online.Kanjilexikon super klar, ich finde, es geht einfach schneller als zu blättern. Dass es von Langenscheidt nur dieses kleine Büchlein gibt, aber keins in mittlerer Größe, verstehe ich nicht.

     
    • frenja

      15. September 2011 at 14:37

      Ich hab mir zu Unizeiten (da war noch nicht viel mit online) mal einen Wordtank gekauft, also aus Japan importiert, der war für so was prima geeignet. Weiß gar nicht, ob es die noch gibt, und besonders günstig sind sie auch nicht, aber für unterwegs (und in der Uni) unschlagbar!

       

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