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Höflichkeit ist eine Zier …

14 Sep

Ich halte mich ja für einen recht höflichen Menschen. Guten Tag, danke, bitte, auf Wiedersehen, das habe ich als Kind gelernt und es gehört für mich zum normalen Umgangston, ob privat oder geschäftlich.

Gerade im Geschäftsverkehr scheint das aber keineswegs der Standard zu sein. Sicher, Zeit ist Geld und für Höflichkeitsfloskeln hat heute keiner mehr die Nerven. Aber wenn mir eine Anfrage wie neulich ins Haus flattert mit dem Wortlaut: „Anbei ein neuer Auftrag mit Termin für Ende der Woche“, dann werde ich unwirsch. Dabei hielt der Absender das sicher für einen neutralen, sachlichen Tonfall. Bei mir kam er damit aber an wie ein Chef, der seiner Angestellten eine Weisung erteilt. Nun bin ich aber weder Angestellte noch Zulieferbetrieb, sondern verstehe mich als Geschäftspartnerin auf Augenhöhe, die gerne erst mal gefragt werden möchte, ob sie Kapazitäten für Auftrag XY hat. Das gebietet in meinen Augen einfach die Höflichkeit. Ich gehe ja auch nicht zum Schuster und sage: „Bitte diese Schuhe bis übermorgen neu besohlen“, sondern frage, wie lange das dauern würde.

Anderes Beispiel: Neulich fragte ich bei einer Kollegin an, ob sie meine Übersetzung korrekturlesen würde. Am nächsten Tag wartete ich immer noch auf eine Antwort und als ich sie schließlich anrief, sagte sie, sie dächte noch darüber nach, ob sie den Auftrag annehmen kann.

Hätte ich das vielleicht telepathisch erahnen sollen? Genau so hätte sie mir ja sofort antworten können, dann hätte ich doch gewusst, was Sache ist. Stattdessen hänge ich in der Luft und frage mich, ob sie meine Mail überhaupt bekommen hat oder ob ich mir gleich jemand anderen suchen soll.

So schwer ist das doch nicht. Die kurze Bestätigung einer Anfrage, die man am nächsten Tag beantworten wird, ein kleines Dankeschön für eine gelieferte Übersetzung – kostet nicht viel Zeit und macht den Geschäftsalltag so viel angenehmer!

(300 Wörter)

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10 Kommentare

Verfasst von - 14. September 2011 in Unternehmeralltag

 

10 Antworten zu “Höflichkeit ist eine Zier …

  1. annyclaws

    14. September 2011 at 20:00

    Das macht den Geschäftsalltag UND den privaten Alltag angenehmer. Und genauso wie du halte ich das für den normalen Umgangston. Ich bin auch so erzogen worden und fühle mich jedes Mal vor den Kopf gestoßen, wenn man mich fast wie nen Alien anguckt, nur weil ich „einen schönen Feierabend“ wünsche oder sowas. Wirste sicherlich kennen. *g*

     
    • frenja

      14. September 2011 at 20:45

      Oh ja. Schon ein Lächeln plus „Guten Tag“ an der Drogeriekasse sorgt gerne mal für verblüffte Gesichter. Aber ich werde auch gern angelächelt, also bleib ich dabei. Wie Malu schon sagt, kostet nur ein Lächeln. 🙂

       
  2. Malu Schaefer (@basadai)

    14. September 2011 at 20:36

    So viel Zeit muss sein! Es kostet ein Lächeln, sonst nichts!

     
  3. Thorbjørn

    14. September 2011 at 20:55

    Tja, da wundert man sich wirklich immer wieder. Dabei wäre es so einfach.. Manche Kollegen schaffen es nicht mal, auf ein freundliches „Guten Morgen“ im Gang zu antworten. Und über den Ton von Geschäftskunden oder -auftraggebern oder mit Firmen mit denen ich privat oder geschäftlich zu tun habe, könnte ich Abende füllen und mich echaufieren. Übrigens, wie kann man Leute richtig stark verwirren? Einfach auf der Straße mal anlächeln. Die meisten gucken, als wär man vom Finanzamt oder von der GEZ. 😀

     
    • frenja

      14. September 2011 at 21:01

      Subversive Ideen hast du! Ob ich mich DAS trauen würde, ich weiß ja nicht …

       
  4. Miriam Neidhardt

    15. September 2011 at 09:47

    Da fällt mir ein, dass ich meine Webdesignerin letzte Woche angemailt habe wegen ein paar Kleinigkeiten, die an meinen Seiten noch zu machen wären… und bisher habe ich noch keine Antwort erhalten. Hm. Passiert mir bei Webdesignern recht häufig. Ob da ein Zusammenhang besteht?

     
    • frenja

      15. September 2011 at 10:03

      Bestimmt nicht häufiger als anderen bei Übersetzern. 🙂 Da würde ich glatt mal fehlendes Selbstverständnis als Unternehmerin ferndiagnostizieren. Eine weit verbreitete Berufskrankheit von Freiberuflern.

      Nervig ist auch der sonst richtig nette Lektor, der auf meine wiederholte Nachfrage, wo die versprochenen Dateien für die Buchübersetzung bleiben, seit anderthalb Wochen einfach gar nicht reagiert. Werde ihm wohl hinterhertelefonieren müssen. Muss doch alles nicht sein!

       
      • Miriam

        15. September 2011 at 10:30

        Liebe frenja,

        danke für diesen Artikel. Ich hab schon so manches Mal an mir gezweifelt, ob ich vielleicht zu pingelig bin, weil mich sowas nervt und ich es schlicht unhöflich finde. Aber zum Glück gibt es ja auch ganz viele nette Kunden und Kollegen, wo alles passt. Darüber freue ich mich dann umso mehr.

        Sei lieb gegrüßt

        Miriam

         
  5. GB web

    21. September 2011 at 12:02

    Ich denke, du hast mit deiner Beobachtung etwas sehr wichtiges festgestellt. Ich hatte vor Jahren einmal mit ein paar Übersetzungsagenturen zu tun, die bei jeder Übersetzung, die sie zu vergeben hatten, ein allgemeines Email an alles Übersetzer schickten, mit der Anrede „Dear,“ (ohne Namen). Ich versuche auch heute, meine Emails an Kunden jedesmal etwas zu personalisieren, Sie mit dem Namen anreden und darauf eingehen, was gefragt wurde. Damit verschafft man sich sicherlich einen Vorteil, vor allem, weil es im Internet eh so unpersönlich zugeht.

     
  6. Vera

    30. August 2012 at 18:27

    Ich glaube, das ist in vielen Berufssparten dasselbe: Ich habe von einem Café in Marseille gelesen, wo Gäste, die bei der Bestellung „bitte“ sagen, 10% Nachlass bekommen. Ich geben zwar keinen Nachlass, höfliche Kunden ziehe ich aber sicher vor!

     

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