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Buhu, keiner mag mich!

23 Sep

Könnt ihr gut mit Kritik umgehen? Ich nicht besonders. Meistens sind die Kunden glücklicherweise ja zufrieden mit meiner Arbeit, aber alle Jubeljahre werde ich dann doch mal mit Kritik in irgendeiner Form konfrontiert. Und was mache ich dann? Ich laufe rot an (vor Scham, nehme ich an) und in meinem Kopf schreit es: „Oh nein! Sie haben es gemerkt! Ich bin nicht gut genug!“

Völliger Blödsinn natürlich. Niemand kann es immer allen recht machen und selbstverständlich bin ich gut, ziemlich gut sogar, wenn ich das mal so schamlos behaupten darf. Zum Glück wird ja auch niemand Zeuge meiner ersten Reaktion (Freiberuflerglück), also erst mal tief durchatmen und dann professionell reagieren.

Checkliste: Ist die Kritik berechtigt? Falls ja: Wie ist es dazu gekommen? War ich nicht sorgfältig genug? Fehlten mir Informationen? Hätte ich das merken müssen? Falls nein: Wie kommt der Kunde darauf? Hatte er etwas anderes erwartet? Warum? Habe ich unklar kommuniziert?

Bei all diesen Fragen geht es weniger darum, die Schuldfrage zu klären, als darum, die Situation zu verstehen. Ich muss genau wissen, wie es dazu kommen konnte, um nicht in Selbstzerfleischung (gerechtfertigte Kritik) oder Empörung (ungerechtfertigte Kritik) stecken zu bleiben, sondern etwas Positives aus der ganzen Sache zu ziehen, denn die nächsten Fragen lauten: Wie kann ich den Konflikt so lösen, dass alle zufrieden sind? Und: Wie kann ich solche Situationen in Zukunft vermeiden? Denn mindestens eine Lehre lässt sich auch aus der unglücklichsten Erfahrung ziehen.

Also kein Grund, sich in Selbstzweifel zu stürzen. Und vor allem, ganz wichtig: nicht persönlich nehmen! Klingt banal, ist aber schwierig, gerade wenn man viel Herzblut in eine Arbeit gesteckt hat. Trotzdem, man kann mit meinem Stil nicht klarkommen und mich trotzdem nett finden. Bestimmt!

(283 Wörter)

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5 Kommentare

Verfasst von - 23. September 2011 in Übersetzeralltag, Unternehmeralltag

 

5 Antworten zu “Buhu, keiner mag mich!

  1. lingoas

    24. September 2011 at 08:35

    ja, da ist treffend ausgedrückt 🙂 Als Freiberufler tragen wir nun mal viel Verantwortung.
    Und ich mag auch etwas Sicherheit durch Checklisten gewinnen, denn sie sind auch zum Teil Protokolle der Qualitätssicherung, sowohl wenn wir alles richtig gemacht haben, wie wenn nicht.
    In diesem Zusammenhang, also als Freiberufler sind mir zwei Aspekte unabdingbar um nicht zu Grunde zu gehen: einen regelmäßigen Kontakt mit Kollegen, der uns ehrlich Rückmeldung über die Arbeit geben könnte. Zum anderen ein gewisses persönliche Umfeld, was uns auf andere Gedanken bringt, wenn wir beruflich verzweilfeln: man mag uns doch! :-))

     
    • frenja

      24. September 2011 at 10:38

      Wahr gesprochen. Manchmal bekommt man auch beides zusammen: Nach der Absage vom Verlag neulich, den mein Stil „nicht ganz überzeugen konnte“, wurde ich bei Twitter sehr lieb und überzeugend getröstet, gerade auch von den KollegInnen. Was täte ich ohne mein virtuelles Großraumbüro. 🙂

       
  2. GB web

    28. September 2011 at 13:50

    Worum ging es denn da, eine literarische Übersetzung (du sprichst von einem Verlag)? Dann ist das natürlich zum Großteil Geschmackssache. Ich zum Beispiel rühme mich, alle Arten von Texten übersetzen zu können, Technik, Medizin, EDV, u.v.m., aber ich bin nicht so sicher, ob ich eine Übersetzung eines Romans z.B. gut genug hinbekommen würde, ich bin schließlich kein Schriftsteller. Davon abgesehen, wer immer gut mit Kritik umgehen kann, lügt entweder oder er ist tatsächlich so schlecht, dass es sich schon daran gewöhnt hat, kritisiert zu werden. Und ich bin sicher, dass das bei dir nicht der Fall ist!

     
  3. frenja

    28. September 2011 at 14:11

    Danke für die positive Einschätzung! 🙂 Ja, in diesem Fall war es eine ablehnende Reaktion auf meine eingeschickten Arbeitsproben, Übersetzungen aus Büchern. Das tut natürlich schon weh, weil ich da mein ganzes Herzblut hineingesteckt hatte, bis ich dachte: „Besser kann ich es nicht“, und die Texte selbst eigentlich ganz gelungen fand. Andere Verlage haben sich dazu auch positiv geäußert. Manchmal passt eben einfach der Stil nicht zu einem bestimmten Kunden, da kann man dann nichts machen – ist mir in meiner Laufbahn bisher genau dreimal passiert, wenn ich mich recht erinnere. Schlucken muss man trotzdem.

     
  4. Montserrat Varela

    29. November 2011 at 14:12

    Mir ist es neulich auch so ergangen. Ich hatte eine Probeübersetzung geschickt, dann nachgefragt, und endlich die knappe Antwort: Leider hat uns Ihre Übersetzung nicht überzeugen können. Auf meine Frage hin, worum es lag, kam ebenfalls die knappe Antwort: Leider kann ich Ihnen keine weiteren Details mitteilen.
    Da habe ich es bleiben lassen, es lohnt sich nicht, sich weiter aufzuregen, und mehr Zeit für diese Firma zu verlieren. Andere Firmen haben mich durchaus positiven Feedback gegeben.

     

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