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Archiv für den Monat Oktober 2011

Wie man ein Kanji nachschlägt

Glaubt’s oder nicht, so ein Video wollte ich auch schon drehen, um zu illustrieren, wie genau man japanische Kanji nachschlägt. Der großartige Stephen Fry wusste das nämlich auch nicht und bekommt es von zwei freundlichen Chinesen erklärt.

(Das Video ist auf Englisch und es geht um Chinesisch, aber ein Kanji-Lexikon ist genauso aufgebaut. Wem also diese Erklärung nicht ausführlich genug war, versteht hier vielleicht besser, was ich meinte.)

(67 Wörter)

 
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Verfasst von - 28. Oktober 2011 in Übersetzeralltag, Japanisch

 

Fußballer-Konjunktiv

Die Hälfte meiner Familie ist im Gegensatz zu mir hochgradig fußballbegeistert. Auf diese Weise habe ich im Laufe der Zeit schon unzähligen Fachgesprächen lauschen dürfen, die sich mit dem Verlauf dieser oder jener Partie beschäftigten. Obwohl mich das Thema an sich zugegebenermaßen langweilt (jetzt ist es raus!), fand ich eins daran schon immer faszinierend: den eigenwilligen Gebrauch der Grammatik.

Es gibt nämlich in derartigen Fachsimpeleien ein Phänomen, das ich den Fußballer-Konjunktiv getauft habe. Kurz gesagt, wird dabei die Möglichkeitsform der Vergangenheit durch den einfachen Indikativ Präsens ersetzt: „Also, wenn der Schiri das pfeift, dann muss er aber auch in der 13. Minute dem XY Gelb geben“ statt „… dann hätte er aber auch … geben müssen.“ Erst dachte ich ja, das seien allgemeingültige Aussagen, aber meist geht es tatsächlich um konkrete Spielsituationen in der Vergangenheit. Anderes Beispiel: „Wenn der XY da vor dem Tor abspielt und der YZ ein bisschen schneller rausläuft, dann geht das Ding hundert pro rein!“ Ich Normalsterbliche würde an der Stelle den Konjunktiv II nehmen: „Hätte der XY abgespielt und wäre der YZ rausgelaufen, wäre das Ding reingegangen.“ Der Fußballauskenner tut das seltsamerweise nicht.

Wirklich erstaunlich finde ich übrigens, dass das Phänomen nicht etwa einfach der Unkenntnis der korrekten grammatikalischen Strukturen geschuldet ist. In anderen Zusammenhängen benutzen dieselben Auskenner nämlich den Konjunktiv ganz regelkonform, nur eben nicht, wenn es um Fußball geht. Faszinierend!

(225 Wörter)

 
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Verfasst von - 25. Oktober 2011 in Alltag

 

Japanische Sprache – schwere Sprache

Wenn ich erzähle, dass ich aus dem Japanischen übersetze, ist die Standardantwort: „Oh, Japanisch! Ist das nicht furchtbar schwer?“ – „Ach“, erwidere ich dann bescheiden, „eigentlich auch nicht schwerer als andere Sprachen.“ Damit ernte ich dann noch mal erstaunte Blicke. Kann das denn sein, eine so exotische Sprache und trotzdem nicht unglaublich schwer?

Die Antwort lautet: Ja und Nein. Meiner Erfahrung nach gibt es in jeder Sprache ruhige Gewässer und tückische Untiefen, nur eben an jeweils anderen Stellen. So ist die deutsche Grammatik mit ihren drei Genera und den vier Kasus mit Sicherheit mühsam zu erlernen, dafür gilt sie aber als recht zuhörerfreundlich. Der Satz „Die Bücher liegen auf dem Tisch“ vermittelt gleich dreimal, dass das Subjekt im Plural steht, nämlich durch die Form des Artikels, des Nomens und des Verbs. Wer es dann noch nicht kapiert hat, der hat schlicht nicht aufgepasst.

Im Japanischen gibt es nicht viel Grammatik. Keinen Numerus, keine Verbkonjugation, nur zwei Zeiten: Gegenwart und Vergangenheit. Lernende können also recht bald eigene Sätze bilden und sich verständlich machen. Das wirklich Schwierige am Japanischen ist neben den vielen Schriftzeichen die ausgeprägte Kontextabhängigkeit. Wie im Lateinischen wird das Subjekt oft weggelassen, und da man dem Verb nicht ansieht, ob es im Singular oder im Plural steht, muss man oft höllisch aufpassen, dass man den Zusammenhang richtig begreift, sonst geht die Übersetzung daneben. Ich habe neulich einen kurzen, einfachen Brief übersetzt und wusste nicht, ob der Verfasser von sich oder von jemand anderem sprach, weil ich den Kontext nicht kannte und im ganzen Brief kein einziges Subjekt auftauchte. So etwas ins Deutsche zu bringen, diese präzise Sprache, die Schwammigkeiten nicht duldet und am liebsten alles festnageln will, ähnelt dem Versuch, mit bloßen Händen einen glitschigen Fisch zu fangen.

Na schön, ich korrigiere: Manchmal ist es doch ganz schön schwer.

(300 Wörter)

 
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Verfasst von - 19. Oktober 2011 in Übersetzeralltag, Japanisch

 

Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?

Manchmal wird man als Übersetzerin vor schwierige Entscheidungen gestellt. Da flattert beispielsweise eine Anfrage ins Haus für ein Projekt, das zwar spannend aussieht, aber nicht so recht zu den eigenen Fachgebieten passt. Und dann sitzt man da und fragt sich: „Soll ich? Oder lieber nicht?“

Spezialisierungen entstehen ja nicht aus dem Nichts. Ich übersetze am liebsten in den Bereichen Biologie und Medizin, weil es mich einfach am meisten interessiert. Ich übersetze keine Verträge, Geschäftsberichte oder AGB, weil es mich unglaublich langweilt. So weit, so einfach. Aber es gibt eben auch Grauzonen, und da entscheide ich meist ganz fundiert … aus dem Bauch heraus.

Beispiele gefällig? Anfang des Jahres: ein englisches Nähbuch (angenommen), letzte Woche: ein französisches Interview zum Thema Kunstmarkt und Aktien (abgelehnt), diese Woche: ein japanisches Buch über eine Bauhaus-affine Künstlerin (zugesagt).

Ab und zu sollte man sich ruhig trauen, seinen Wohlfühlbereich zu verlassen. Sicher, man verliert die lieb gewonnene Routine, die Arbeit ist zäher, dauert länger, ist anfangs auch frustrierender. Aber man arbeitet plötzlich auch wieder viel präziser, sieht genauer hin, prüft sorgfältiger. Nicht zu vergessen der Stolz auf sich selbst, wenn sich der Wirrwarr langsam ordnet, man Zusammenhänge erkennt und wiedererkennt – ha, ich bin schon drin!

Wenn man Glück hat, erschließt einem dieser Sprung ins kalte Wasser natürlich ein neues Fachgebiet, in dem später weitere Aufträge winken. (Oder glaubt ihr vielleicht, ich hätte nach der Uni beschlossen, mich auf Kochbücher zu spezialisieren?) Aber selbst wenn dem nicht so ist – Neues zu wagen, sich selbst herauszufordern, das hält jung und geistig beweglich. Also nur Mut!

(259 Wörter)

 
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Verfasst von - 13. Oktober 2011 in Übersetzeralltag

 

Social Media für alle! Für alle?

Neulich war es mal wieder so weit: Bei einem Übersetzerstammtisch ging es um Facebook, Twitter und Co und ich war wieder mal die Einzige, die nicht nur zugab, sich da gelegentlich auch mal rumzutreiben (Subtext: statt zu arbeiten), sondern die sozialen Netzwerke gar als Marketinginstrument verstand und flammende Bekenntnisse pro social networking ablegte. Als ich dann noch erwähnte, dass ich nicht nur eine private, sondern sogar noch zwei Business-Seiten auf Facebook führe, und meine kleinen Visitenkärtchen mit all meinen Onlineadressen hervorzauberte, die ich für solche Fälle in der Tasche habe, da war ich dann endgültig das Wesen vom anderen Stern.

Zugegeben, es war ein Literaturübersetzer-Stammtisch. Da führt schon die Frage, ob man denn wirklich eine eigene Website braucht, zu ganz anderen Antworten als unter Fachübersetzern. Teilweise scheint es auch so ein Generationending zu sein, denn meiner Erfahrung nach halten auch viele etablierte KollegInnen nicht viel von diesem neumodischen Kram.

Anders als Kollegin Anne Diamantidis bin ich gar nicht der Meinung, dass Übersetzer, die sich fragen, ob sie sich im sozialen Netz präsentieren sollten, einem Zug hinterherwinken, der schon vor 2 Jahren abgefahren ist. Ich finde nicht, dass man einen Twitter- oder Facebook-Account einrichten muss, nur weil es offenbar inzwischen dazugehört.

Was mich aber wundert, ist die kategorische Ablehnung, auf die ich unter KollegInnen so oft stoße. Gehört denn Neugier nicht untrennbar zu unserem Beruf? Was spricht denn dagegen, es einfach mal auszuprobieren? Wem es nicht liegt, der kann es ja wieder sein lassen. Vielleicht erlebt man aber auch eine angenehme Überraschung, so wie ich. Nie hätte ich gedacht, dass mir Twitter und Facebook mal so lieb und teuer sein würden, und es hätte mir auch niemand vorher erklären können. Manches versteht man eben erst, wenn man es selbst ausprobiert.

(288 Wörter)

 
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Verfasst von - 5. Oktober 2011 in Übersetzeralltag