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Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?

13 Okt

Manchmal wird man als Übersetzerin vor schwierige Entscheidungen gestellt. Da flattert beispielsweise eine Anfrage ins Haus für ein Projekt, das zwar spannend aussieht, aber nicht so recht zu den eigenen Fachgebieten passt. Und dann sitzt man da und fragt sich: „Soll ich? Oder lieber nicht?“

Spezialisierungen entstehen ja nicht aus dem Nichts. Ich übersetze am liebsten in den Bereichen Biologie und Medizin, weil es mich einfach am meisten interessiert. Ich übersetze keine Verträge, Geschäftsberichte oder AGB, weil es mich unglaublich langweilt. So weit, so einfach. Aber es gibt eben auch Grauzonen, und da entscheide ich meist ganz fundiert … aus dem Bauch heraus.

Beispiele gefällig? Anfang des Jahres: ein englisches Nähbuch (angenommen), letzte Woche: ein französisches Interview zum Thema Kunstmarkt und Aktien (abgelehnt), diese Woche: ein japanisches Buch über eine Bauhaus-affine Künstlerin (zugesagt).

Ab und zu sollte man sich ruhig trauen, seinen Wohlfühlbereich zu verlassen. Sicher, man verliert die lieb gewonnene Routine, die Arbeit ist zäher, dauert länger, ist anfangs auch frustrierender. Aber man arbeitet plötzlich auch wieder viel präziser, sieht genauer hin, prüft sorgfältiger. Nicht zu vergessen der Stolz auf sich selbst, wenn sich der Wirrwarr langsam ordnet, man Zusammenhänge erkennt und wiedererkennt – ha, ich bin schon drin!

Wenn man Glück hat, erschließt einem dieser Sprung ins kalte Wasser natürlich ein neues Fachgebiet, in dem später weitere Aufträge winken. (Oder glaubt ihr vielleicht, ich hätte nach der Uni beschlossen, mich auf Kochbücher zu spezialisieren?) Aber selbst wenn dem nicht so ist – Neues zu wagen, sich selbst herauszufordern, das hält jung und geistig beweglich. Also nur Mut!

(259 Wörter)

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4 Kommentare

Verfasst von - 13. Oktober 2011 in Übersetzeralltag

 

4 Antworten zu “Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?

  1. Miriam

    13. Oktober 2011 at 10:16

    Liebe Susanne,

    der Blogeintrag könnte zurzeit von mir stammen. Wie du weißt, ist mein Fachgebiet eigentlich Medizin, weil ich es kann und es mir Spaß macht. Aber durch Dich bin ich ja momentan an der Übersetzung eines Kochbuchs, was aber tatsächlich schon immer mein Wunsch war, dies einmal zu tun. Es macht mir großen Spaß, aber ja, ich brauche sehr lange, kontrolliere mich ständig selbst und muss viel nachlesen. Aber genau das hält den Kopf ja jung und frisch.
    Ich würde mich jedoch niemals in Themengebiete wagen, von denen ich wirklich keine Ahnung habe (und zugegebenermaßen auch keine Lust, Ahnung davon zu haben), wie Recht & Wirtschaft. Habe ich zwar studiert, aber da war mir schon klar, dass dies nie meine tägliche Arbeit wird.

    Also von mir „Daumen hoch“ für deinen Eintrag und den Mut, manchmal Neues zu wagen.

    Miriam

     
    • frenja

      13. Oktober 2011 at 11:33

      Genau das ist ja der innere Konflikt, der sich in der verantwortungsbewussten Dienstleisterin dann immer auftut: Kann ich mich da einfuchsen oder ist das zu speziell für mich und dem Kunden wäre besser damit gedient, wenn ein kompetenterer Kollege das übernimmt? Andererseits: Ist es wirklich zu schwer für mich oder bin ich nur zu bequem/lustlos/zaghaft, mich aus meinem sicheren Bereich zu wagen?
      Wenn es mir schon immer ein Herzenswunsch war, auf einem bestimmten Gebiet zu arbeiten, dann ist das schon mal eine sehr gute Voraussetzung, dass ich es auch ordentlich machen werde. Deshalb finde ich es auch wichtig, sich vor solchen Entscheidungen Zeit zu nehmen und ganz genau auf den Bauch zu hören: Ist der Gedanke an dieses Projekt geprägt von freudiger Aufregung oder eher von Sorge, dass ich es nicht schaffe? Letzteres wäre für mich dann schon ein deutliches Zeichen, es lieber zu lassen, denn meistens behält der Bauch ja doch recht.

       
  2. Dondu N. Raghavan

    14. Oktober 2011 at 03:18

    Wie gehört das Video hierher?

    Mit freundlichen Grüßen,
    Dondu N. Raghavan

     
    • frenja

      14. Oktober 2011 at 09:55

      Hallo Dondu,

      das bezieht sich auf den Titel des Postings. Der ist eine Zeile aus diesem Lied.

       

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