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Fußballer-Konjunktiv

25 Okt

Die Hälfte meiner Familie ist im Gegensatz zu mir hochgradig fußballbegeistert. Auf diese Weise habe ich im Laufe der Zeit schon unzähligen Fachgesprächen lauschen dürfen, die sich mit dem Verlauf dieser oder jener Partie beschäftigten. Obwohl mich das Thema an sich zugegebenermaßen langweilt (jetzt ist es raus!), fand ich eins daran schon immer faszinierend: den eigenwilligen Gebrauch der Grammatik.

Es gibt nämlich in derartigen Fachsimpeleien ein Phänomen, das ich den Fußballer-Konjunktiv getauft habe. Kurz gesagt, wird dabei die Möglichkeitsform der Vergangenheit durch den einfachen Indikativ Präsens ersetzt: „Also, wenn der Schiri das pfeift, dann muss er aber auch in der 13. Minute dem XY Gelb geben“ statt „… dann hätte er aber auch … geben müssen.“ Erst dachte ich ja, das seien allgemeingültige Aussagen, aber meist geht es tatsächlich um konkrete Spielsituationen in der Vergangenheit. Anderes Beispiel: „Wenn der XY da vor dem Tor abspielt und der YZ ein bisschen schneller rausläuft, dann geht das Ding hundert pro rein!“ Ich Normalsterbliche würde an der Stelle den Konjunktiv II nehmen: „Hätte der XY abgespielt und wäre der YZ rausgelaufen, wäre das Ding reingegangen.“ Der Fußballauskenner tut das seltsamerweise nicht.

Wirklich erstaunlich finde ich übrigens, dass das Phänomen nicht etwa einfach der Unkenntnis der korrekten grammatikalischen Strukturen geschuldet ist. In anderen Zusammenhängen benutzen dieselben Auskenner nämlich den Konjunktiv ganz regelkonform, nur eben nicht, wenn es um Fußball geht. Faszinierend!

(225 Wörter)

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5 Kommentare

Verfasst von - 25. Oktober 2011 in Alltag

 

5 Antworten zu “Fußballer-Konjunktiv

  1. Dondu N. Raghavan

    26. Oktober 2011 at 03:48

    Hier scheint es sich um eine geistige Einstellung zu handeln. Ich kläre dies wie folgt.

    Immer wenn ich deutsche Texte typen will, setze die Klaviereinstellung auf deutsch und alles geht prima.

    Aber wenn ich danach etwa englisch typen soll und dabei die Einstellung auf Englisch zurückzusetzen vergesse, gerate ich immer in Schwierigkeiten. Ich type nämlich z anstatt y und umgekehrt.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Dondu N. Raghavan

     
  2. Kevin Wussow

    27. Oktober 2011 at 10:04

    Pffft.
    Davon habe ich ja noch nie gehört.
    😉

     
  3. GB web

    5. November 2011 at 14:11

    Du solltest dir mal den österreichischen Ex-Fußballgott Herbert Prohaska anhören. Der hat seine eigene Version der deutschen Grammatik, ersetzt nämlich den Dativ mit dem Akkusativ und umgekehrt. Allerdings mit einer beeindruckenden Konstanz; d.h. jeder Dativ ist ein Akkusativ und jeder Akkusativ ist ein Dativ. Er ist der einzige deutschsprachige Mensch, bei dem das zu beobachten ist: invertierte, aber perfekte Grammatikregeln…

     
    • frenja

      5. November 2011 at 15:39

      Vielleicht sollte das mal jemand psycholinguistisch untersuchen … „Der Fußball und sein Einfluss auf das Sprachzentrum“ oder so. 🙂

      Mein Jüngster hat das aber auch gehabt mit den ganz eigenen Grammatikregeln, und zwar ebenfalls total konsequent. Allerdings ohne Fußball und er war erst 2. Oh, Idee für ein neues Blogpost! 😀

       

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