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Archiv für den Monat November 2011

Vogelwilde Wildvögel

Ich war ja schon immer ein echter Tierfan. Deshalb habe ich auch in diesem Jahr eine Ganzjahresfutterstelle für unsere Gartenvögel eingerichtet und freue mich immer, wenn ich dort seltene Gäste entdecke wie Eichelhäher oder Baumläufer.

Als ich letztes Wochenende in Heidelberg auf einem Fortbildungsseminar war und in der Pause vor die Tür trat, um frische Luft zu schnappen, hörte ich ganz eigenartiges Gekrächze aus einem Baum. Neugierig versuchte ich, den Urheber ausfindig zu machen, und war sehr überrascht, als ich in den kahlen Ästen einen, nein, zwei, nein, ziemlich viele grasgrüne Vögel mit langen Schwänzen entdeckte! Wie sich herausstellte, handelte es sich um Sittiche, genauer gesagt um den Kleinen Alexandersittich oder auch Halsbandsittich (Psittacula krameri), die wohl irgendwann mal aus der Gefangenschaft geflohen sind und sich in Heidelberg offenbar pudelwohl fühlen. In den Bäumen vor dem Hauptbahnhof sitzen sie zu Dutzenden, wenn nicht zu Hunderten, und veranstalten ein Heidenspektakel, das habe ich auf der Rückreise selbst erleben können.

Kollegin Miriam war von dem Phänomen weniger überrascht als ich, weil es in Köln ebenfalls eine wilde Sittichpopulation gibt. Auch in Wiesbaden, Worms, Stuttgart und Hamburg leben Alexandersittiche. In einigen Nachbarländern (Niederlande, Belgien und Österreich) brüten sie ebenfalls, in Großbritannien sogar schon seit über 100 Jahren.

Wo kommen sie aber her und warum machen ihnen die kalten Winter nichts aus? Die erste Frage ist nicht mit Sicherheit zu beantworten; da sie ursprünglich aus Asien und Afrika stammen und keine Langstreckenflieger sind, geht man davon aus, dass es sich um Nachkommen von Gefangenschaftsflüchtlingen handelt. In ihrer eigentlichen Heimat erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet über verschiedene Klima- und Höhenzonen, deswegen wird es ihnen hier wohl auch im Winter nicht zu kalt.

Jedenfalls war es ein tolles Erlebnis, Sittiche mal in freier Wildbahn zu erleben. Wer noch mehr wissen will, findet hier weitere Informationen.

(296 Wörter)

 
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Verfasst von - 17. November 2011 in Alltag, Biologie

 

Seminarfieber

Hach, Seminare. Ich liebe Seminare. Manche behaupten, ich übertreibe es ein wenig mit der Weiterbildung, aber ich finde, man kann gar nicht genug lernen. Klar, als Übersetzerin lernt man natürlich ohnehin ständig dazu. In jedem Arbeitstext stehen Dinge, die man vorher nicht wusste und die man entsprechend recherchieren muss. Es gibt ja auch KollegInnen, die deswegen Fortbildungsseminare unnötig finden.

Ach, wenn die wüssten, was ihnen entgeht! Es ist ja nicht nur so, dass man Neues lernt – obwohl das natürlich unweigerlich der Fall ist, wenn es nicht völlig schiefläuft –, viel wichtiger finde ich eigentlich, dass man dort so viele nette Menschen trifft, die denselben Beruf haben wie man selbst und doch alle ganz unterschiedlich arbeiten, andere Erfahrungen haben, sich anders organisieren – kurz, von denen man selbst so viel lernen kann. Wo sonst kann man den ganzen Abend lang über den Berufsalltag reden, ohne sein Gegenüber zu langweilen? Nicht, dass Übersetzer keine anderen Themen hätten als die Arbeit, aber manchmal fehlt der Einzelkämpferin am einsamen Schreibtisch doch die Möglichkeit zum Austausch mit Menschen, die ohne lange Erklärungen wissen, wovon sie redet.

Gut, für den reinen Austausch gibt es auch Stammtische. Seminare haben aber den Vorteil, dass sich dort KollegInnen aus ganz Deutschland und teilweise sogar aus einigen Nachbarländern tummeln – eine wunderbare Gelegenheit, sein Netzwerk zu erweitern, und das je nach Seminarthema oft auch noch im eigenen Fachgebiet.

Ich habe aus dem BDÜ-Seminar zur Anatomie für medizinische Übersetzer, auf dem ich an diesem Wochenende war, jedenfalls wieder viele interessante Fakten, Eindrücke und Erfahrungen mitgenommen. Ich weiß nicht, ob ich wirklich jemals für eine Übersetzung wissen muss, wie man eine laparoskopische Cholezystektomie vornimmt (das Video habe ich gesehen!), aber auf jeden Fall weiß ich jetzt, wo die Milz sitzt. Und dass es in Heidelberg wilde Sittiche gibt. Aber davon später mehr.

(298 Wörter)

 
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Verfasst von - 14. November 2011 in Übersetzeralltag, Medizin, Weiterbildung

 

Der Spaßfaktor

Als ich noch häufiger Filme und Serien übersetzte (was heute leider nur noch selten vorkommt, da die Synchronstudios heute offenbar nicht nur nicht mehr zahlen wollen als vor 10 Jahren, sondern sogar noch weniger), bekam ich von Kolleginnen häufig ein neidvolles „Oooh“ zu hören, wenn ich das erwähnte. „Wird leider nicht besonders gut bezahlt“, fügte ich dann meist tröstend hinzu. „Ja, aber dafür macht es doch sicher total viel Spaß!“, rief dann die neidische Kollegin oft.

Klar, das stimmte schon, es machte sogar saumäßig viel Spaß, sonst hätte ich es ja auch nicht getan. Dialoge übersetzen liegt mir, die Synchronregisseure waren immer sehr zufrieden mit meiner Arbeit. Damit tröstete ich mich auch immer selbst über die schlechten Honorare hinweg, ich sah den Spaß an der Arbeit sozusagen als ergänzendes Zahlungsmittel an.

Bis mich eine andere Kollegin mal auf die Absurdität dieser Argumentation aufmerksam machte. Es ist doch so: Wenn wir an einer Arbeit Spaß haben, dann erledigen wir sie auch besser, als wenn wir uns dabei langweilen. Wir stecken mehr Energie hinein, beschäftigen uns oft länger damit, als es nötig wäre, weil es doch eben so einen Spaß macht. Das sieht man den Ergebnissen dann auch an. Eigentlich müsste man uns also mehr zahlen statt weniger – entweder haben wir so viel Spaß dran, weil wir es einfach gut können, was eine bessere Bezahlung rechtfertigen würde, oder wir geben uns noch mehr Mühe, weil wir motivierter sind, was zu besseren Ergebnissen führt, die ebenfalls eine bessere Bezahlung rechtfertigen würden.

Hm. Ob sich ein Spaßzuschlag am Markt wohl durchsetzen könnte? Ich fürchte ja nicht. Aber zumindest ist der Spaßfaktor für mich kein Grund mehr, weniger Geld zu verlangen.

(276 Wörter)

 
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Verfasst von - 8. November 2011 in Übersetzeralltag, Unternehmeralltag

 

Man lernt nie aus

Wir Sprachtanten und -onkel sammeln ja oft Wörter wie andere Leute Briefmarken. (Sammelt heute eigentlich noch irgendwer Briefmarken? Oder sammelt man inzwischen digitale Signaturen?) Ich freue mich jedenfalls immer wie ein kleines Kind, wenn ich über einen Ausdruck, einen Begriff, eine Redewendung stolpere, die ich noch nicht kannte.

Neulich war es für die Kinder mal wieder Zeit für den jährlichen Augenarztbesuch. Dabei bekommen sie Augentropfen, die die Pupillen weit stellen, damit die Ärztin ihre Werte genau ausmessen kann. Eine ziemliche Prozedur jedes Mal, zumal für den Kleinen, der offenbar die empfindlicheren Augen hat und dem das ziemlich weh tut. Nach den insgesamt drei Tropfdurchgängen lag er erschöpft und mürrisch in einer Ecke des Wartezimmers und wollte nur noch nach Hause. Als wir dann endlich ins Sprechzimmer durften, fragte ich die nette Augenärztin mehr aus Spaß, ob die Tropfen eigentlich auch schlechte Laune machen (dass sie müde machen, wusste ich).

„Oh ja“, sagte sie zu meiner Überraschung. „Im Beipackzettel steht ‚dysphorisch‘.“

Juhu, ein neues Wort! Es gefällt mir so gut, dass ich es sofort in meinen aktiven Wortschatz zu integrieren versuche. Manche Montage machen mich zum Beispiel total dysphorisch. Und von zu wenig Schokolade wird man auch dysphorisch. Kaffee hilft bei mir oft gut gegen akute Dysphorie. „Hör auf zu nörgeln, Kind, du machst Mama ganz dysphorisch.“

Hach! Es geht doch nichts über die Erweiterung des Wortschatzes.

(225 Wörter)

 
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Verfasst von - 3. November 2011 in Alltag, Medizin