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Man lernt nie aus

03 Nov

Wir Sprachtanten und -onkel sammeln ja oft Wörter wie andere Leute Briefmarken. (Sammelt heute eigentlich noch irgendwer Briefmarken? Oder sammelt man inzwischen digitale Signaturen?) Ich freue mich jedenfalls immer wie ein kleines Kind, wenn ich über einen Ausdruck, einen Begriff, eine Redewendung stolpere, die ich noch nicht kannte.

Neulich war es für die Kinder mal wieder Zeit für den jährlichen Augenarztbesuch. Dabei bekommen sie Augentropfen, die die Pupillen weit stellen, damit die Ärztin ihre Werte genau ausmessen kann. Eine ziemliche Prozedur jedes Mal, zumal für den Kleinen, der offenbar die empfindlicheren Augen hat und dem das ziemlich weh tut. Nach den insgesamt drei Tropfdurchgängen lag er erschöpft und mürrisch in einer Ecke des Wartezimmers und wollte nur noch nach Hause. Als wir dann endlich ins Sprechzimmer durften, fragte ich die nette Augenärztin mehr aus Spaß, ob die Tropfen eigentlich auch schlechte Laune machen (dass sie müde machen, wusste ich).

„Oh ja“, sagte sie zu meiner Überraschung. „Im Beipackzettel steht ‚dysphorisch‘.“

Juhu, ein neues Wort! Es gefällt mir so gut, dass ich es sofort in meinen aktiven Wortschatz zu integrieren versuche. Manche Montage machen mich zum Beispiel total dysphorisch. Und von zu wenig Schokolade wird man auch dysphorisch. Kaffee hilft bei mir oft gut gegen akute Dysphorie. „Hör auf zu nörgeln, Kind, du machst Mama ganz dysphorisch.“

Hach! Es geht doch nichts über die Erweiterung des Wortschatzes.

(225 Wörter)

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5 Kommentare

Verfasst von - 3. November 2011 in Alltag, Medizin

 

5 Antworten zu “Man lernt nie aus

  1. Miriam Neidhardt

    3. November 2011 at 11:05

    Das ist tatsächlich ein tolles Wort! Hat gerade bei mir einen Anflug von Dysphorie zunichte gemacht.

    Merk ich mir.

     
  2. Tini

    3. November 2011 at 13:57

    Hier euphorisch über: „Auskenner“!

     
  3. Dondu N. Raghavan

    3. November 2011 at 16:51

    //Manche Montage machen mich zum Beispiel total dysphorisch (depressed)//

    This post reminds me of Richard Armour, the author known for tongue-in-cheek writing . In one of his books he mentions Nathaniel Hawthorne and Herman Melville. In his own words (I quote from memory):

    „Nathaniel Hawthorne was a depressed man. And then he met Herman Melville and was further depressed“.

    Sorry for the detours,

    Regards,
    Dondu N. Raghavan

     
  4. GB web

    3. November 2011 at 16:52

    Ein schönes Wort, um „schlecht gelaunt“ zu sagen!

     
  5. @cjoes_de

    21. November 2012 at 12:08

    Sprachschatzerweiterung: Check. (ich hatte es gleich nach deinem Tweet selbst gegoogelt: https://twitter.com/Der_KaFee/status/270915723398877184)

     

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