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Japanische Zählwörter

05 Jun

Eins der Dinge, für die man die japanische Sprache ja lieben muss (wenn man nicht daran verzweifeln will), ist die Tatsache, dass sie für alle möglichen Gruppen von Dingen jeweils ein ganz bestimmtes Zählwort hat.

Nehmen wir an, ich will Bäume zählen. Ein prototypischer Baum (ki) ist lang und (im Verhältnis) dünn, das Zählwort für Dinge mit solchen Eigenschaften ist hon. Stehen da nun 5 Bäume, nehme ich die Zahl Fünf – go – und hänge das Zählwort an. „5 Bäume“ hießen also gohon no ki. (Das no ist ein Genetivpartikel, an dieser Stelle nicht so wichtig.)

Andere längliche, dünne Gegenstände sind z. B. Bleistifte, Flaschen, Nägel, Lineale, aber auch, und solche Merkwürdigkeiten kennt jede Zählwortgruppe, Telefongespräche und Filme (wohl wegen des Filmstreifens). Das Zählwort für runde, flache Gegenstände (Räder, Blumen) heißt rin, das für Gebäude ken, bei Büchern sagt man satsu, bei einzelnen Blättern aber mai, das auch für andere flache Objekte wie Bettlaken, Kleidung oder Fotos verwendet wird.

Ganz verrückt wird es bei den Tieren. Da gibt es nicht etwa nur ein Zählwort, o nein! Vierbeiner werden anders gezählt (hiki) als Vögel (wa) oder Fische (bi), ganz große Vierbeiner wie Kühe oder Elefanten haben noch mal ein eigenes Zählwort (tô). Und Hasen werden gezählt wie Vögel. Klar.

Insgesamt gibt es laut Wikipedia rund 100 verschiedene Zählwörter. Da verwundert es kaum, dass auch Muttersprachler manchmal ins Schleudern kommen, in welche Kategorie das zu zählende Objekt denn nun gehört. Praktischerweise gibt es zur Not bis 10 auch noch die rein japanische Zählweise, bei der die Zahlen allein stehen. Will man also 5 Bier (bîru) bestellen und ist sich nicht sicher, ob ein Bier im Glas als länglich und dünn gilt oder ob es für Bier nicht etwa doch ein spezielles Zählwort gibt, kann man immer noch bîru itsutsu bestellen. Oder man nimmt die Finger.

(300 Wörter)

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9 Kommentare

Verfasst von - 5. Juni 2012 in Übersetzeralltag, Japanisch

 

9 Antworten zu “Japanische Zählwörter

  1. ruedigerhajo

    6. Juni 2012 at 09:05

    Wenn die Religion einem etwas verbietet, dann muss man halt kreativ werden. Der Schwabe verpackt sein Fleisch in Teig und der Japaner redet sich ein, dass Hasen auch nur tief fliegende Vögel sind.

     
    • frenja

      6. Juni 2012 at 09:12

      Na, mit Religion hat das aber nichts zu tun. Soweit ich weiß, kennen die Japaner keine derartigen Speiseregeln, außerdem sind sie, was Religionen und ihre Koexistenz angeht, so tiefenentspannt wie kaum ein anderes Volk.

       
      • ruedigerhajo

        6. Juni 2012 at 09:38

        Die Zählregeln kommen ja aus einer Zeit in der man den Buddhismus und seine Regeln noch ein wenig ernster genommen hat und es ist die Standarderklärung die man in Japan bekommt, wenn man fragt warum man Hasen wie Vögel zählt. Die buddhistischen Mönche durften nur Vögel essen, mochten aber Hasen und so haben sie getan, als ob Hasen Vögel wären. Die Geschichte ist wohl genauso wahr oder falsch wie die mit den Maultaschen, aber immerhin eine witzige Erklärung.
        Die Kormoranfischerei ist auch noch so ein Trick, da dabei der Vogel das Töten des Fisches übernimmt.

         
  2. frenja

    6. Juni 2012 at 10:36

    Ach, echt? Ich gebe zu, das wusste ich nicht. Na ja, die langen Ohren sehen ja auch fast aus wie Flügel und wenn die Hasen ganz schnell rennen, fliegen sie ja wirklich fast … 😉

    Ich dachte eigentlich, buddhistische Mönche dürfen gar keine Tiere essen. Aber mit Religionen kenne ich mich auch nicht wirklich aus, ich weiß nur, dass ich als Vegetarierin mit 精進料理 immer auf der sicheren Seite war, und ich dachte, das ist das, was man im buddhistischen Kloster isst. Man lernt eben nie aus. 🙂

    (Und apropos Maultaschen: War da nicht auch noch was mit Schweinen, die man in den Teich warf, wieder rauszog und freitags als Fisch aß …?)

     
    • ruedigerhajo

      6. Juni 2012 at 20:37

      Genau das war auch die angebliche Argumentation der Mönche, die Ohren sind eigentlich nur verkümmerte Flügel und wenn der Hase rennt, hat er wie ein Vogel nur mit zwei Beinen Bodenkontakt.
      Eigentlich sollten buddhistische Mönche Vegetarier sein und sind es heute was ich so mitbekomme in Japan auch tatsächlich. Früher war die Lust auf Fleisch wohl größer, da sie aber keine Nahrungstabus brechen wollten, haben sie die Regeln einfach kreativer ausgelegt. Den vom Vogel getöteten Fisch nicht zu essen wäre Verschwendung. Dass der Vogel den Fisch ohne Schnur um den Hals selber gegessen und wenn man ihn nicht erst abgerichtet und zum Fluss gebracht hätte erst gar nicht gefangen hätte, ist dann nicht mehr so wichtig. Wer wann und warum das Essen von Vögeln erlaubt hat weiß ich aber auch nicht.
      Beim Bestellen von vegetarischem Essen würde ich in Japan zur Sicherheit aber nochmal nachfragen ob im Essen auch ganz sicher kein Fisch und kein Dashi auf Fischbasis verarbeitet ist. Gibt in Japan wie in Deutschland genug Leute die glauben ein Vegetarier würde Fisch oder so Hähnchen essen.
      Die Geschichte mit den Schweinen im Teich kenne ich jetzt gar nicht, ist aber auch eine interessante Technik um Freitags Fleisch essen zu können.

       
  3. Dominik

    10. Juli 2013 at 15:11

    Hi,

    im Izakaya verwendet man für Bier in der Regel das Zählwort für Glas/Gläser.

    1 Glas Bier: biru wo ippai kudasai und dann halt weiter mit nihai (2 Glas), sanbai (3 glas). Habe auf dem Rechner leider gerade keine Japanische Schrift installiert.

    Aber klar, mit hitotsu usw. versteht es auch jeder.

    Grüße

    Dominik

     
    • frenja

      10. Juli 2013 at 15:26

      Genau, da haben wir ja schon das Extra-Zählwort für Bier! 🙂 Korrekt bestellt man „5 Bier“ also mit bîru (wo) gohai. Falls das mal einer braucht.

       
  4. Mike

    14. März 2016 at 15:28

    Hallo,
    jups, japanisch zählen ist wirklich ne Qual, ich bemühe mich grade, für den Privatgebrauch japanisch zu lernen, aber da ich schon im Oktober fahre werde ich mich wohl auf Zahl sagen und zeigen beschränken, als wären drei Schriftsysteme, gleiche Wörter mit komplett verschiedenen Bedeutungen ( ausser beim Kanji natürlich ) und Schriftzeichen die man je nach Zusammenhang anderst gelesen werden nicht genug, wenn Japan nicht so unheimlich interessant wäre würd ich mir das sicher nicht antun, aber da man sich nicht drauf verlassen kann das jemand Englisch versteht, will man doch wenigstens Hunger, Durst, Hilfe und 7 davon sagen können 🙂

     
    • frenja

      17. März 2016 at 00:18

      Ha ha, das ist wohl wahr! Aber wie gesagt, erstens sind sich auch Japaner durchaus nicht immer einig, was das korrekte Zählwort angeht, und zweitens kommt man mit hitotsu, futatsu etc. auch ziemlich weit. Und mit den Fingern. 🙂 Viel Spaß wünsche ich dir schon mal in Japan!

       

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