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Archiv für den Monat November 2012

Auf die Ohren: Französische Podcasts II

Wie versprochen, hier meine liebsten Neuzugänge in meiner Playlist französischer Podcasts aus der Welt der Medizin und der Wissenschaft:

Avec ou sans rendez vous ist ein einstündiger Podcast des Radiosenders France Culture zu medizinischen Themen, die im Gespräch mit einem Experten ausführlich erörtert werden. Interessant und anspruchsvoll, im Moment wird dort allerdings offenbar eine Sendepause eingelegt. Bis es weitergeht, kann man sich ja durch die Archive hören.

Der Podcast Info Sciences liefert knapp 5-minütige Informationshäppchen zu aktuellen Wissenschaftsthemen. Schön abwechslungsreich!

La recherche à l’ULB berichtet in rund 10 Minuten jeweils von aktuellen Forschungen an der Université Libre de Bruxelles, dabei kommen die jeweiligen Forscher im Interview selbst zu Wort. Danke an Françoise Bodénez für diesen Hinweis!

La tête au carré ist ein knapp einstündiger Podcast von Radio France Inter, in dem wissenschaftliche Themen im Gespräch mit verschiedenen Experten behandelt werden. Alle paar Wochen werden auch in einer Gesprächsrunde verschiedene aktuelle Themen gemeinsam und teilweise recht kontrovers erörtert. Höre ich sehr gern, da es häufig um Biologie geht.

Auch Révolutions médicales ist ein Podcast von France Culture, in dem eine Stunde lang ein Experte zu einem aktuellen medizinischen Thema zu Wort kommt.

Bei Radio France International habe ich ebenfalls noch zwei Lieblings-Podcasts gefunden: Die Chroniques Sciences sind 2,5-minütige Features zu aktuellen Wissenschaftsthemen, bei Priorité Santé geht es in halbstündigen Beiträgen um verschiedene Gesundheitsthemen. Das Besondere an dieser Sendung sind die Anrufer aus der gesamten französischsprachigen Welt, überwiegend aus Afrika. Meist kommt auch ein entsprechender Experte aus einem afrikanischen Land zu Wort, sehr interessant. Wo sonst erfährt man schon etwas über den Tabakkonsum in Burkina Faso oder die Lage der Psychiatrie im Senegal?

Wer weder Japanisch noch Französisch kann, darf sich auf die nächsten beiden Artikel freuen, in denen ich meine englischen und deutschen Podcast-Neuentdeckungen vorstellen werde.

(294 Wörter)

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Auf die Ohren: Japanische Podcasts II

Vor einigen Monaten habe ich hier ja meine liebsten japanischen, französischen, englischen und deutschen Podcasts vorgestellt, die geneigte Leserschaft erinnert sich vielleicht noch.

Inzwischen sind in allen Sprachen noch welche dazugekommen, andere habe ich aussortiert – kurzum: Zeit für eine Ergänzungsliste! Hier also meine neusten Fundstücke aus dem Reich der japanischen Podcasts zu den Themen Wissenschaft und Medizin:

JapanesePod101.com fällt da gleich mal etwas aus dem Raster, denn hier findet man eigentlich Podcasts zum Japanischlernen. Man kann sich auf der Website kostenlos registrieren (und bekommt fortan natürlich regelmäßig Werbung für die Bezahlprogramme der Seite, das ist eben der Preis für „kostenlos“) und kann dann verschiedene Podcasts oder Audioblogs abonnieren, wie sie das nennen. Schön geordnet nach Schwierigkeitsgrad. Sehr aufbauend, wenn man in der halsbrecherisch durcheinander redenden Talkrunde zum Wissenschaftsthema in einem der anderen Podcasts mal wieder nur Bahnhof verstanden hat.

Nâsu Yuko no Night Hospital (Schwester Yukos Nachtkrankenhaus) Schnell, reichlich überdreht, aber auch unterhaltsam und lehrreich. Schwester Yuko albert mit dem jeweiligen Gast herum (offenbar meist Freunde) und klärt nebenbei medizinische Zuhörerfragen. Wenn man sich an den Turbogang gewöhnt hat, richtig charmant. (Der Link scheint leider im Moment nicht zu funktionieren.)

Seishun arudehido (Jugend-Aldehyd) gewinnt eindeutig den Preis für den abgedrehtesten Namen. Zwei Moderatoren plaudern eine runde halbe Stunde über mehr oder weniger aktuelle Themen aus Wissenschaft und Medizin, mal mit, mal ohne Gäste. Besondere Herausforderung: Die Herren stammen offenbar aus Osaka und sprechen dementsprechend auch kein „Hochjapanisch“, sondern (gemäßigten) Kansai-Dialekt. Ohrenzucker!

Im nächsten Beitrag verrate ich meine französischen Neuentdeckungen.

(250 Wörter)

 
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Verfasst von - 21. November 2012 in Japanisch, Medizin, Weiterbildung

 

Mein neues Hobby

Ich habe ein neues, subversives Hobby. Und das kam so:

Neulich klickte ich in einem Blog auf einen verlinkten Buchtitel, ein populärwissenschaftliches Fachbuch. Ich landete natürlich auf Amazon und suchte nach weiteren Informationen über das Buch. Inhaltsangabe, Rezensionen, Originaltitel … alles da. Nur die beiden Übersetzer waren nicht aufgeführt. Das ärgerte mich, weil ich immer neugierig bin, wer beispielsweise ähnliche Bücher wie ich übersetzt, und ob ich sie oder ihn vielleicht kenne.

Da bei diesem Titel ein „Blick ins Buch“ möglich war, sah ich im Impressum nach. Und dann beschloss ich, den Missstand zu beheben, und klickte unter den Buchdaten auf „Produktinformationen aktualisieren“. Da kann man nämlich u. a. den Namen eines weiteren Autors oder eben auch der Übersetzerin eingeben, sofern man ein Konto bei Amazon hat. Bisher habe ich das immer nur bei meinen eigenen Büchern gemacht, aber warum eigentlich nicht auch anderen KollegInnen was Gutes tun?

Jetzt halte ich immer die Augen offen, wenn ich auf Amazon herumstöbere (kaufen mag ich da ja schon länger nicht mehr, aber zum Stöbern ist es doch sehr praktisch). Kommt mir ein Buch unter, das eindeutig übersetzt ist, den Übersetzer/die Übersetzerin aber nicht aufführt, korrigiere ich das. Ich bin nämlich genau wie Isabel Bogdan und zahllose andere KollegInnen der Meinung, dass Übersetzer endlich sichtbarer werden müssen.

Na, wer macht mit?

(218 Wörter)

 
11 Kommentare

Verfasst von - 13. November 2012 in Alltag, Übersetzeralltag, Sprache

 

Mengenrabatt? Ich weiß was Besseres.

Im diesjährigen Sommerurlaub plauderte ich mit dem Onkel des Liebsten über „‘s G‘schäft“. Er hat beruflich und privat viel mit Autos zu tun, kommt also aus einer ganz anderen Ecke als ich, ist aber immer sehr interessiert daran, wie ich das alles so mache als Ganz-allein-Unternehmerin. Irgendwann im Laufe des Gesprächs fragte er: „Sag mal, nimmst du eigentlich einen Kleinmengenzuschlag für so ganz kleine Aufträge?“

Hm, vielleicht könnte man meine Mindestpauschale als eine Art Kleinmengenzuschlag interpretieren, sagte ich. Allerdings deckt der nicht viel mehr ab als 200 Wörter. Alles zwischen 200 und so etwa 3.000 Wörtern fällt unterschiedslos in die Kategorie „Kleinvieh“, von dem immer mal wieder was reinkommt, das sich aber wegen des unproportional großen Verwaltungsaufwands nicht wirklich rechnet. Als ich ihm sagte, dass stattdessen viele Agenturen bei großen Aufträgen einen Mengenrabatt fordern, musste er lachen. Er verstand sofort, dass Übersetzer eben keine Maschinen sind, die bei höherer Stückzahl billiger produzieren (und da frage ich mich doch, warum das für einen Branchenfremden vollkommen logisch ist, während man diesen Umstand gewissen Agenturen einfach nicht begreiflich machen kann).

Einige KollegInnen sind trotzdem bereit, größere Arbeitsvolumina für einen geringeren Wort- oder Zeilenpreis anzunehmen. Ich bin dafür, den Trend umzukehren: Verlangen wir doch für jeden Auftrag, der uns weniger als einen Arbeitstag lang beschäftigt, einen Kleinmengenzuschlag! In anderen Branchen ist das schließlich auch gang und gäbe. Ach, Wörter sind aber was ganz anderes als Schrauben, meinen Sie, lieber Kunde? Richtig, darum gibt es sie ja auch nicht im Dutzend billiger. Beweisführung abgeschlossen.

(246 Wörter)

 
14 Kommentare

Verfasst von - 6. November 2012 in Übersetzeralltag, Marketing, Unternehmeralltag

 

Zu viel Kultur ist auch nicht gut

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“, sagte ja schon Matthias Claudius vor 200 Jahren. Fremde Länder, fremde Städte, fremde Völker – fantastisch!

Manche vertragen das Reisen aber auch nicht ganz so gut. Ich meine nicht die bedauernswerten Reisekranken oder die armen Opfer von Montezumas Rache. Nein, es gibt auch mentale Unverträglichkeiten, besonders heftige Ausprägungen des Kulturschocks. Beispiele gefällig?

  • Das Paris-Syndrom wurde erstmals 1991 vom japanischen Psychiater Hiroaki Ota beschrieben und befällt vornehmlich japanische Touristen in – genau – Paris. Es äußert sich durch psychische Symptome wie Wahnzustände, Halluzinationen, Derealisation und Depersonalisation, aber auch durch körperliche Anzeichen wie Schwindel, Herzrasen und starkes Schwitzen. Folgende Faktoren gelten als Ursache: 1. Sprachbarriere (ha! Fremdsprachenkenntnisse erhalten die geistige Gesundheit, sag ich doch), 2. kulturelle Unterschiede, 3. Unvereinbarkeit des idealisierten Paris-Bildes der Japaner mit der Wirklichkeit und 4. Erschöpfung. In leichten Fällen hilft Bettruhe und viel trinken, in schweren Fällen nur noch die Heimreise.
  • Das Stendhal-Syndrom ist nach dem französischen Schriftsteller Stendhal benannt, der bei seiner Reise nach Florenz in geradezu wahnhafte Verzückung geriet. Es befällt kunstbegeisterte Touristen jeder Nationalität und zeigt sich in ähnlichen Symptomen wie das Paris-Syndrom. Erstmals beschrieben 1979 von der italienischen Psychologin Graziella Magherini.
  • Das Jerusalem-Syndrom macht auch hierzulande regelmäßig Schlagzeilen, wenn zu hohen Feiertagen gläubige Christen und Juden aus aller Welt die historische Stadt besuchen. Einige beeindruckt ihr Aufenthalt so sehr, dass sie sich mit einer biblischen Figur identifizieren, sich in Bettlaken hüllen und auf der Straße zu predigen beginnen. Der israelische Arzt Yair Bar El beschrieb diese psychische Störung erstmals Anfang der 1980er-Jahre.
  • Zu erwähnen wäre auch noch das Venedig-Syndrom. Die Stadt im Wasser zieht nämlich offenbar Selbstmörder an wie die Fliegen, wie die Psychologin Diana Stainer 2000 in einer Studie belegte. Zumindest in keiner anderen italienischen Stadt nehmen sich so viele Touristen das Leben, geplant oder auch spontan.

Gute Reise!

(298 Wörter)

 
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Verfasst von - 2. November 2012 in Alltag, Medizin