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Mengenrabatt? Ich weiß was Besseres.

06 Nov

Im diesjährigen Sommerurlaub plauderte ich mit dem Onkel des Liebsten über „‘s G‘schäft“. Er hat beruflich und privat viel mit Autos zu tun, kommt also aus einer ganz anderen Ecke als ich, ist aber immer sehr interessiert daran, wie ich das alles so mache als Ganz-allein-Unternehmerin. Irgendwann im Laufe des Gesprächs fragte er: „Sag mal, nimmst du eigentlich einen Kleinmengenzuschlag für so ganz kleine Aufträge?“

Hm, vielleicht könnte man meine Mindestpauschale als eine Art Kleinmengenzuschlag interpretieren, sagte ich. Allerdings deckt der nicht viel mehr ab als 200 Wörter. Alles zwischen 200 und so etwa 3.000 Wörtern fällt unterschiedslos in die Kategorie „Kleinvieh“, von dem immer mal wieder was reinkommt, das sich aber wegen des unproportional großen Verwaltungsaufwands nicht wirklich rechnet. Als ich ihm sagte, dass stattdessen viele Agenturen bei großen Aufträgen einen Mengenrabatt fordern, musste er lachen. Er verstand sofort, dass Übersetzer eben keine Maschinen sind, die bei höherer Stückzahl billiger produzieren (und da frage ich mich doch, warum das für einen Branchenfremden vollkommen logisch ist, während man diesen Umstand gewissen Agenturen einfach nicht begreiflich machen kann).

Einige KollegInnen sind trotzdem bereit, größere Arbeitsvolumina für einen geringeren Wort- oder Zeilenpreis anzunehmen. Ich bin dafür, den Trend umzukehren: Verlangen wir doch für jeden Auftrag, der uns weniger als einen Arbeitstag lang beschäftigt, einen Kleinmengenzuschlag! In anderen Branchen ist das schließlich auch gang und gäbe. Ach, Wörter sind aber was ganz anderes als Schrauben, meinen Sie, lieber Kunde? Richtig, darum gibt es sie ja auch nicht im Dutzend billiger. Beweisführung abgeschlossen.

(246 Wörter)

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14 Kommentare

Verfasst von - 6. November 2012 in Übersetzeralltag, Marketing, Unternehmeralltag

 

14 Antworten zu “Mengenrabatt? Ich weiß was Besseres.

  1. Francisco Kuhlmann (@FranciscoWHV)

    6. November 2012 at 11:39

    Genau richtig! Es war mir schon immer schleierhaft, warum 10.000 Wörter billiger sein sollen als 500. Wenn davon 9.900 mal das Wörtchen „the“ wäre, würde ich drüber nachdenken.
    An der Tanke bekomme ich 50 Liter Sprit auch nicht billiger als 30l. Tja, unsere Branche ist schon sehr eigen!

     
    • Valerij Tomarenko

      6. November 2012 at 16:43

      @Francisco Kuhlmann
      An der Tanke liest man auch meistens, dass die Mindestmenge drei oder fünf Liter beträgt.
      @Marcus Raitner
      Dem Argument mit vermeintlich weniger Verwaltungsaufwand und mehr Planungssicherheit kann ich überhaupt nicht zustimmen, ich hatte schon mit Großaufträgen zu tun gehabt, bei denen die Verwaltung fast genauso aufwendig war, wie die eigentliche Übersetzung

       
  2. frenja

    6. November 2012 at 11:44

    Eben. Für größere Aufträge müsste man stattdessen eigentlich noch einen Risikozuschlag verlangen, denn solange die Kapazitäten gebunden sind, muss man ja andere Kunden abweisen, die dann möglicherweise nie wiederkommen. Gefährlich! Also Zuschläge bis 3.000 und ab 10.000 Wörtern. Wir krempeln den Markt um. 🙂

     
  3. Marcus Raitner

    6. November 2012 at 11:55

    Natürlich reduzieren sich die Stückpreise von Wörtern nicht wie die Stückpreise von Schrauben. Große Aufträge haben aber verhältnismäßig weniger Verwaltungsaufwand und schaffen eine kontinuierliche und planbare Auslastung. Dafür, also für die Annehmlichkeit der Planbarkeit, kann man einen Rabatt geben und fordern. Kann man, muss man aber nicht.

     
    • frenja

      6. November 2012 at 12:07

      Ja, das stimmt. Andererseits binden sie, wie unten nur halb scherzhaft angedeutet, auch Kapazitäten. Und das Ausfallrisiko ist auf einen Kunden konzentriert, auch das ist immer etwas heikel. Nicht falsch verstehen – ich arbeite gern an großen Projekten, ich weiß die Planungssicherheit wohl zu schätzen. Aber Rabatte gebe ich dafür nicht.

       
      • Francisco Kuhlmann (@FranciscoWHV)

        6. November 2012 at 12:11

        Sehr richtig. Planungssicherheit: schön und gut. Aber andere Anfragen nicht bedienen zu können, kann ein langfristiger Schaden werden (muss aber nicht immer so sein, aber trotzdem nagt es dann immer an mir!) 😉

         
  4. Tanya

    6. November 2012 at 12:27

    „Er verstand sofort, dass Übersetzer eben keine Maschinen sind, die bei höherer Stückzahl billiger produzieren.“ Herrlich Susanne, das solltest Du Dir patentieren lassen!

     
  5. konrad

    6. November 2012 at 13:25

    Als Programmierer, der durchaus auch schon mal unterschiedliche Stundensätze verlangt, ist bei mir der Beweggrund einfach: Wenn es Kunden gibt, die mir über längere Zeit eine garantierte Anzahl Stunden abnehmen – und damit meine persönliche Einkommensplanung vereinfachen – dann komme ich ihnen auch mit meinem Preis entgegen.

    Aber ansonsten gibt es diesen Alternativvorschlag: Sie lasen ein Drittel des Geldes weg, ich ein Drittel der Wörter. Deal?

     
  6. Uli

    6. November 2012 at 14:28

    Ich verlange bei Kleinaufträgen wegen des Verwaltungsaufwands eine Mindestpauschale, gehe aber bei Großaufträgen in der Regel nicht mit dem Preis runter, weil der Verwaltungsaufwand dabei meiner Erfahrung nach eben nicht geringer ist. Meistens gibt es viele Nachfragen zu bearbeiten, Terminologie abzustimmen, verschiedene Versionen zu verfolgen, mit dem Kunden gemeinsam erarbeitete Korrekturen in mehrere Dokumente einzuarbeiten usw. Falls noch einE KollegIn mit dran sitzt, kommt dann das Projektmanagement noch dazu. Nö. Das gibt’s bei mir nicht billiger.

     
  7. Andrea Wurth

    7. November 2012 at 10:52

    Ich lasse mich zugegebenermaßen Großprojekten bei entsprechenden Rabattanfragen von Agenturen ganz schnell verunsichern, habe aber schon länger beschlossen hier nicht klein bezugeben, denn – und hier bin ich vollkommen einig mit Uli und Francisco – ich sehe es nicht ein, da ich a) eine gewisse Zeit an diesen Auftrag gebunden bin und b) ein Großprojekt, wie von Uli treffend beschrieben, einiges an Vor- bzw. Nachbearbeitung erfordert. Also auch bei mir: Kein Nachlass bei Großprojekten!
    Und was heißt überhaupt Planungssicherheit? Die erfahre ich immer öfter als theoretischen Begriff: Man erhält die Anfrage für ein Großprojekt, versucht bereits zu planen, andere Termine entsprechend zu koordinieren und dann? Projekt verschoben, weil definitive Zusage des Kunden fehlt, also bedient man zwischenzeitlich logischerweise andere Kunden, dann kommt das Projekt überraschend doch, man möchte es natürlich gerne übernehmen, fängt also wieder an zu schieben, zu improvisieren… Aber, ich sehe und spüre schon, das ist ein anderes Thema.

     
    • frenja

      7. November 2012 at 11:50

      Ganz genau. Planungssicherheit – ha! Letztes Jahr habe ich mich für ein Projekt festgelegt, das über etwa 10 Monate laufen sollte. Man hatte mir angeboten, mich über diese Zeit vollständig auszulasten, ich hätte also exklusiv für diesen einen Kunden (über eine Agentur) arbeiten können. Von Mengenrabatt war dabei nicht mal die Rede, im Gegenteil, das Projekt erforderte sehr spezialisierte Übersetzer und war entsprechend gut bezahlt.
      Auf die totale Auslastung habe ich mich nicht eingelassen, denn ich kann nun wirklich nicht 10 Monate lang alle anderen Kunden abwimmeln. Die Hälfte meiner Kapazitäten habe ich aber für dieses Projekt freigehalten und es kam auch tatsächlich immer wieder Arbeit, wie versprochen.
      Nur leider war das Projekt dann schon nach 6 oder 7 statt nach 10 Monaten zu Ende, das hatte der Kunde sich währenddessen so überlegt. Die Agentur konnte dafür nichts. So viel also zur Planungssicherheit – um auf der richtig sicheren Seite zu sein, müsste man da schon einen Rahmenvertrag o. Ä. aushandeln mit garantierten Projektvolumina, aber wer macht das schon. Auf Versprechungen allein kann man nun mal kein Geschäft führen und vor plötzlichen Meinungswechseln und Richtungsänderungen des Endkunden ist niemand gefeit. Gar nicht auszudenken, wenn ich mich wirklich auf diesen Exklusiv-Deal eingelassen hätte!
      In dieser Minute flattert mir übrigens schon wieder so eine Anfrage rein – 100.000 Wörter zu übersetzen, bitte 10.000 pro Woche, also über knapp 3 Monate, dafür aber für lächerliches Geld. Warum sollte ich das tun? Und genau das werde ich jetzt auch antworten.

       
  8. Tatjana - td translations

    9. November 2012 at 10:20

    Sehr schön finde ich die Bemerkung, dass es einem Branchenfremden sofort einleuchtet 🙂 Danke Susanne!

    Mengenrabatt habe ich noch nie gewährt und werde das auch nicht tun, aus oben bereits genannten Gründen. Für Kleinstaufträge habe ich auch eine Mindestpauschale.
    Was ich in letzter Zeit immer wieder versuche, ist, eine Abrechnung nach tatsächlichem Zeitaufwand durchzusetzen und zunehmend gelingt das auch (zumindest bei Stammkunden, Agenturen ausgenommen). Da habe ich dann für die kleineren Aufträge trotzdem die Garantie, dass mein Aufwand gedeckt ist.

     
  9. Almanca Ceviri

    3. Mai 2013 at 21:56

    Sehr amüsant;)
    Auf der anderen Seite ist es ja schon so, dass bei größeren Aufträgen wir nach der „Einarbeitung“ schneller vorankommen und dadurch Zeit sparen. Außerdem greifen hier auch die Regeln des freien Marktes, der Konkurrenzgedanke verführt uns zu Rabatten…

     
  10. Ben Hochner

    13. Mai 2013 at 14:31

    Dass es einem Branchenfremden einleuchtet, ist doch ganz klar und zeigt den Konkurrenzgedanken, von dem auch Almanca spricht. Übersetzer sind eben keine Maschinen und sollten es -um Himmels Willen- auch keineswegs sein! Es genügt ein kurzer Blick auf weniger populäre Internetauftritte, um zu sehen, dass Google Translate niemals den professionellen, muttersprachlichen Übersetzer ersetzen kann. Und der ist sein Geld doch immer wert!

     

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