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Archiv für den Monat April 2013

Schief is beautiful

Die Japaner sind ja, man kann es aus der Distanz nicht anders sagen, ein komisches Völkchen. (Und ich bin sicher, sie sagen genau dasselbe über das eine oder andere europäische Volk – wie kann man nur verschimmelten Käse essen! –, und bestimmt ebenso zu Recht.) Als ich in Japan war, wurde mir mal gesagt, die Japaner hätten vor allem zwei Schwächen: alles, was kawaii (niedlich), und alles, was kawaisô (bedauernswert, arm dran) ist.

Bei „niedlich“ fallen einem natürlich zuerst die kulleräugigen Manga-Mädchen ein oder Hello Kitty. Nun sind aber die Japaner, wie eingangs schon bemerkt, ein komisches Völkchen und finden noch ganz andere Dinge niedlich. Zum Beispiel schiefe Zähne.

Weil vor allem Japanerinnen einen schmalen Oberkiefer haben, finden oft nicht alle Zähne nebeneinander Platz und wachsen dann an den falschen Stellen aus dem Kiefer. Besonders betroffen sind die Eckzähne, die dann zum Beispiel ein Stück weiter oben ansetzen oder sonstwie schief stehen.

In der westlichen Welt ein klarer Fall für den Kieferorthopäden, aber nicht in Japan. Im Gegenteil, wenn die Zähne allzu gerade stehen, lassen sich modebewusste junge Frauen sogar künstliche Eckzähne aufkleben, damit sie hervorstehen. Yaeba nennen sie solche Zähne, ganz wörtlich übersetzt „Achtfach-Zahn“, und sie finden das niedlich. Warum? Weil der Anblick an ein Kind im Zahnwechsel erinnert, wenn die Zähne noch zu groß für den Kiefer sind und kreuz und quer stehen. So ein yaeba verleihe den Frauen eine „koboldhafte Niedlichkeit“, sagt ein Zahnarzt in diesem Artikel. Es wird gerade als neuer Trend verkauft, aber schon als ich vor 20 Jahren in Japan war, fielen mir die vielen schiefen Gebisse gerade von jungen Frauen auf. Endlich weiß ich, was es damit auf sich hat.

Ich finde das eigentlich ganz sympathisch. Perfektion ist doch auch langweilig! Schließlich gibt es ja  hierzulande ebenso Menschen, die Madonnas Zahnlücke sexy finden.

(299 Wörter)

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2 Kommentare

Verfasst von - 17. April 2013 in Alltag, Japanisch, Medizin

 

Auf die Ohren: Deutsche Podcasts II

Ich weiß, ich weiß, in den letzten 11 Wochen (uiuiui) habt ihr alle schlecht geschlafen, weil ihr die Spannung nicht ertragen konntet. Deshalb will ich mich auch gar nicht lange für die Sendepause entschuldigen, sondern endlich die zweite Runde meiner kleinen Podcast-Serie zum krönenden Abschluss bringen: Hier also die besten deutschen Wissenschafts-Podcasts, die seit dem ersten Artikel neu dazugekommen sind.

Im Podcast der Deutschen medizinischen Wochenschrift (DMW) wird jede Woche ein anderes medizinisches Thema behandelt. Dabei geht es ziemlich ans Eingemachte, da sich das Angebot eher an Fachleute richtet. Trotzdem nicht trocken, sondern sehr interessant und gut gemacht.

Noch mehr tolle Podcasts vom Deutschlandradio: Wissen – Natur mit kleinen Info-Häppchen aus den Naturwissenschaften und Forschung aktuell mit noch kürzeren Highlights aus Forschung und Wissenschaft. Kleine Wissens-Snacks für zwischendurch, sozusagen.

Die Podcasts der Helmholtz-Gemeinschaft berichten ähnlich wie die Fraunhofer-Podcasts von aktuellen Forschungen aus den Helmholtz-Zentren. Passend dazu die Reihe Schon gewusst?: Erstaunliche Fakten in 3 Minuten.

Nicht nur der WDR hat mit „Leonardo“ eine hörenswerte Wissenschaftssendung, sondern natürlich auch andere Sender, zum Beispiel der Bayrische Rundfunk mit IQ und der SWR mit Campus, beides sehr lohnenswert und unterhaltsam.

Ein schönes Angebot ist auch der Podcast der Medizinischen Hochschule Hannover, der sich naturgemäß mit medizinischen Themen beschäftigt. Anspruchsvoll, interessant und abwechslungsreich. Erscheint nur alle paar Monate, aber das Archiv ist umfangreich genug, um zwischendurch nicht darben zu müssen.

Was ich allerdings vom Deutschen Medizinradio halten soll, weiß ich immer noch nicht so recht. Die Themen sind zwar interessant, aber die etwas drögen Reportagetexte werden auch noch reichlich uninspiriert vorgelesen (auch das ist eine Kunst – richtige Radioleute beherrschen das besser) und vor allem immer wieder von offenbar willkürlich ausgewählten Musikstücken unterbrochen. Mir hat sich jedenfalls noch nicht erschlossen, was Gitarrenrock mit Osteologie oder Irish Folk mit dem Gesundheitssystem zu tun hat.

(298 Wörter)