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Archiv für den Monat September 2014

Rolling, rolling, rolling …

Leute? Ich hätte da mal eine Bitte. Wie alle Übersetzerinnen habe auch ich meine pet peeves, also Dinge, über die ich mich immer wieder gern aufrege. Die stumpfe Übersetzung von „body“ als „Körper“, wenn es eigentlich „Leiche“ heißen müsste, gehört zum Beispiel unbedingt dazu, aber derzeit nerven mich gerade zwei andere falsche Freunde:

1. „Sie rollte genervt mit den Augen.“ Ja, ich weiß, der Onkel Duden erlaubt das so. Trotzdem sehe ich dabei immer jemanden mit seinen Augen Kegel umwerfen, und das ist wirklich kein schönes Bild. Können wir bitte sagen: „Sie verdrehte genervt die Augen“? Danke.

2. „Er rollte die Ärmel hoch und fing an.“ Nee. Und wenn der Duden das zehnmal als Synonym angibt, man rollt seine Ärmel nicht hoch. Übrigens auch nicht die Hosenbeine. Man krempelt sie hoch. Hochrollen kann man nach meinem Empfinden höchstens Nylonstrümpfe, die man vorher sauber zu einem Wulst heruntergerollt hat. Das ist doch eine ganz andere Bewegung als krempeln oder umschlagen! Nein, nein, lieber Konrad, das ist mir einfach zu ungenau.

Ich weiß, ich bin pingelig. Aber dafür werde ich schließlich bezahlt.

(178 Wörter)

 
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Verfasst von - 10. September 2014 in Übersetzungsfallen, Sprache

 

MOOC-struck

Mein Name ist Susanne und ich bin MOOC-süchtig.

Puh, jetzt ist es raus. Ich pflege ja schon länger meinen Ruf als Weiterbildungsverrückte, schiele nach jeder Konferenz schon zur nächsten und fahre quer durch die Republik zu Fortbildungsseminaren. Leider belastet das aber nicht unerheblich Familienleben und Geldbeutel – da kommt mir der aktuelle Trend zu Onlineveranstaltungen gerade recht. Webinare sind zum Beispiel stark im Kommen und immer häufiger finde ich auch speziell auf Übersetzer zugeschnittene (zum Beispiel hier, hier und hier).

Noch besser als Webinare finde ich inzwischen aber MOOCs (Massive Open Online Courses, hier eine Liste). Sie werden überwiegend von Universitäten angeboten, meist als Videovorlesung. In interaktiven Tests werden Lerninhalte abgefragt, wer eine bestimmte Punktzahl erreicht, hat den Kurs bestanden. Die Kurse gehen über 3 bis 12 Wochen und – sie machen süchtig.

Bisher habe ich Kurse zu Genomforschung und Präzisionsmedizin, Klinischer Terminologie und Unfallchirurgie abgeschlossen. Aktuell bilde ich mich in Forensik weiter, heute beginnt ein Kurs zur Wirkungsweise von Medikamenten und dann warten da noch einige Kurzkurse zu kardiovaskulären Erkrankungen, Lebererkrankungen, Zahnmedizin und Parkinson auf mich.

Bin ich eigentlich verrückt? Habe ich nicht schon genug zu tun? Sollte ich in meiner Freizeit nicht lieber ausspannen und meine Lieblingsserien sehen? Jein. Es macht mir derzeit unglaublich viel Spaß, mein Gehirn mal mit ganz neuen Dingen zu füttern, die nicht speziell für Übersetzer aufbereitet sind. Statt abends den Fernseher auf Berieselung zu stellen, lasse ich mir lieber etwas über die Faszien des Halses erzählen und staune, wie viel dabei hängen bleibt. Neulich auf dem Hauptstadtkongress kam ich am Stand eines genetischen Diagnostiklabors vorbei und konnte mit dem Experten so richtig fachsimpeln – vor dem Genomik-MOOC hätte ich nur Bahnhof verstanden, wenn er mir etwas von Exom-Diagnostik erzählt hätte. Ein schönes Erfolgserlebnis!

Für meine Lieblingsserien finde ich trotzdem noch Zeit. Prioritäten sind schließlich wichtig!

(300 Wörter)

 
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Verfasst von - 1. September 2014 in Medizin, Weiterbildung