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Rolling, rolling, rolling …

10 Sep

Leute? Ich hätte da mal eine Bitte. Wie alle Übersetzerinnen habe auch ich meine pet peeves, also Dinge, über die ich mich immer wieder gern aufrege. Die stumpfe Übersetzung von „body“ als „Körper“, wenn es eigentlich „Leiche“ heißen müsste, gehört zum Beispiel unbedingt dazu, aber derzeit nerven mich gerade zwei andere falsche Freunde:

1. „Sie rollte genervt mit den Augen.“ Ja, ich weiß, der Onkel Duden erlaubt das so. Trotzdem sehe ich dabei immer jemanden mit seinen Augen Kegel umwerfen, und das ist wirklich kein schönes Bild. Können wir bitte sagen: „Sie verdrehte genervt die Augen“? Danke.

2. „Er rollte die Ärmel hoch und fing an.“ Nee. Und wenn der Duden das zehnmal als Synonym angibt, man rollt seine Ärmel nicht hoch. Übrigens auch nicht die Hosenbeine. Man krempelt sie hoch. Hochrollen kann man nach meinem Empfinden höchstens Nylonstrümpfe, die man vorher sauber zu einem Wulst heruntergerollt hat. Das ist doch eine ganz andere Bewegung als krempeln oder umschlagen! Nein, nein, lieber Konrad, das ist mir einfach zu ungenau.

Ich weiß, ich bin pingelig. Aber dafür werde ich schließlich bezahlt.

(178 Wörter)

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14 Kommentare

Verfasst von - 10. September 2014 in Übersetzungsfallen, Sprache

 

14 Antworten zu “Rolling, rolling, rolling …

  1. diandralinnemann

    10. September 2014 at 10:41

    Wenn wir beim Fernsehen über eine hässliche Übersetzung stolpern, zucke ich immer zusammen. Bei wörtlichen Übersetzungen (nicht krempeln, sondern) rollen sich mir die Zehennägel auf, und das schlimmste bislang: „It’s called Wicca and is about empowerment“ >>> „Es heißt Wicca und verleiht einem Kräfte!“ Da wird „Black Power“ bestimmt auch zu „schwarzer Magie“… *headdesk*

     
  2. Jea N Nette

    10. September 2014 at 10:42

    Danke!

     
  3. isabogdan

    10. September 2014 at 10:50

    Blues Brothers! Da sagt jemand, als sie in Erinnerungen an die alten Zeiten der Band schwelgen, den unsterblichen Satz: „Und du hast immer so schön die Harfe geblasen.“
    (Harp = blues harp / mouth harp = Mundharmonika) Das fasziniert mich total. Das hat jemand übersetzt, dann gab es noch einen Synchronautor, einen Synchronregisseur, einen Sprecher, die Sprecher der anderen Rollen, das haben also soundsoviele Leute gelesen und gehört … und keiner von denen hat gemerkt, dass man eine Harfe nicht blasen kann? Sensationell.

     
    • frenja

      10. September 2014 at 11:04

      Ach, ich hielt das immer für einen albernen Scherz à la „Die Zwei“! In der Zeit, als ich diesen Film drölfzigmal sah, war ich allerdings auch noch nicht so sensibilisiert für solche Geschichten.

       
  4. Anja Weiligmann

    10. September 2014 at 11:20

    Unsterblich die Szene in Buffy, als Xander (glaube ich) sagte: „Lasst uns doch Drachen und Verliese spielen.“
    Aber ich sollte nicht so laut schreien, wer weiß, welche Klöpper ich mir schon geleistet habe 😉

     
    • frenja

      10. September 2014 at 11:29

      Ach herrje. Andererseits waren das die 90er, oder? Da blieb man wirklich noch näher am Text und das Internet war noch nicht verbreitet genug, dass solche Dinge Allgemeingut waren.

       
  5. Anja Weiligmann

    10. September 2014 at 11:22

    Kleiner Einwand zu den Ärmeln noch: Meine Helden *schieben* auch ab und zu mal die Ärmel hoch. In den 80ern *shoppte* man die Ärmel sogar 🙂

     
    • frenja

      10. September 2014 at 11:28

      Eben! Es gibt so viele Synonyme, die gut gehen, da muss man doch nicht immer rollen! (Aber „shoppte“ man wirklich? „Schoppte“ man nicht vielmehr? 😉 )

       
  6. Anja Weiligmann

    10. September 2014 at 11:32

    Du hast recht, *schoppte*
    (Obwohl ich damals auch viel shoppen war, aber das ist ein anderes Thema :-))

     
  7. ms. hü

    10. September 2014 at 12:31

    übel finde ich allerdings auch die „vorderarme“. leider kein witz, das habe ich so in einer alten übersetzung von „i, robot“ gefunden. zu allem überfluss war das ein antiquarisches buch, also aus zeiten, in denen es noch lektoren gegeben haben soll *hust*. und es ist mir in der letzten zeit auch bereits mehrmals „in freier wildbahn“ über den weg gelaufen.

     
  8. Ruth

    10. September 2014 at 12:40

    Ich stolperte neulich in einem Roman über eine Dame, die eine halbe Packung Verdauungskekse bei sich hatte. Schöne Scheiße. Wie kann das passieren??? Wundert sich da niemand, nicht einmal der Lektor??? ‚Ach klar, in England essen die Leute immer Verdauungskekse. Bisschen exzentrisch, das Inselvölkchen.‘ O_o

     
  9. Anja Weiligmann

    10. September 2014 at 13:48

    Ich ahne Schlimmes. Verdauungskekse => digestive cookies? 😦

     
  10. Uli

    2. Oktober 2014 at 20:07

    Beim Ärmelrollen bin ich ganz Deiner Meinung, aber beim Augenrollen nicht. Zumindest hier bei uns im Süden hat man schon immer „die Augen gerollt“ – eher als „mit den Augen gerollt“.

     

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