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Freundlichkeit? Steh ich drauf!

09 Feb

Als ich im letzten Oktober/November zur ATA-Konferenz in Florida war, durfte ich nicht nur einen interessanten Landstrich erkunden, sondern auch die sprichwörtliche amerikanische Servicefreundlichkeit genießen. Ja, ich sage bewusst „genießen“, denn ich komme aus Berlin.

Wer schon mal in Berlin war, der weiß, dass der Berliner an sich die Freundlichkeit nicht unbedingt gepachtet hat. Nicht falsch verstehen, ich liebe Berlin. Ich bin hier aufgewachsen, ich bin die Kodderschnauze gewohnt und ich vermisse den trockenen Berliner Humor, wenn ich woanders bin (zum Beispiel in der U-Bahn: „Dit is keen Adventskalender, Sie dürfen ruhig alle Türen benutzen!“).

Aber ab und zu begebe ich mich gern unter Menschen, die einander freundlich begegnen. Über die Amerikaner wird ja gern gelästert, die Freundlichkeit sei nur aufgesetzt und überhaupt nicht echt. Ich sage: Na und? Ich gehe ja auch nicht in den Laden oder ins Restaurant, um eine neue beste Freundin zu finden, aber ich genieße es, wenn ich freundlich bis überschwänglich begrüßt werde und nicht das Gefühl habe, das diensthabende Personal bei etwas Wichtigerem zu stören.

Im Übrigen glaube ich das mit der falschen Freundlichkeit gar nicht. Ich wurde zum Beispiel in den zwei Wochen dreimal von wildfremden Menschen auf meine Tasche mit Tim-Burton-Motiv angesprochen, weil sie sie einfach schön fanden und mir das mitteilen wollten. Das Gleiche passierte mir übrigens mehrmals in Schottland, wo ich nette Komplimente zu meinen Nerd-Shirts bekam – von der Verkäuferin im Pfundshop, vom Hotelrezeptionisten, einfach so, ohne Hintergedanken. Das ist ein richtig schönes, herzerwärmendes Gefühl, wenn jemand einem grundlos was Nettes sagt! Ich bin versucht, das hier auch einzuführen. Wie wär’s? Das nächste Mal im Bus, wenn ich denke: „Oh, schicke Schuhe/Tasche/Jacke“, das einfach mal laut sagen? Kann ja eigentlich nicht so schwer sein und versüßt einem anderen den Tag. Wer macht mit?

(293 Wörter)

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9 Kommentare

Verfasst von - 9. Februar 2016 in Alltag

 

9 Antworten zu “Freundlichkeit? Steh ich drauf!

  1. Caroline Elias

    9. Februar 2016 at 15:59

    Bin dabei! Und gelobe, dabei weniger feige zu sein. Neulich hab ich bei einem jungen Mädchen einen umwerfend schicken Mund zu sehen, 20-er Jahre-Design … und mich nicht getraut, den zu loben. Hätte doch auch einfach auch nur in Form eines Filmtipps sein können! Sie sah aus wie ein Stummfilmstar. Hach. Gruß, C

     
    • frenja

      9. Februar 2016 at 16:55

      Komplimente zu Körpermerkmalen sind aber auch noch mal heikler, finde ich. Hätte ich mich vermutlich auch nicht getraut.

       
      • Caroline Elias

        9. Februar 2016 at 18:31

        Stimmt, dass Komplimente zu Körpermerkmalen heikler sind. Aber ich war nicht im Flirtmodus, SO wäre das garantiert auch nicht misszuverstehen gewesen. Ich denke mir im Nachhinein, dass es schade ist, dass ich sie nicht auf Stummfilmgrößen hingewiesen habe. Vielleicht hat sich das nämlich bislang niemand getraut und sie weiß es gar nicht! Aufgrund der Ähnlichkeit würde sie sich vielleicht ernsthaft mit Stummfilmen und anschließend mit Arthousekino beschäftigen … Mist, die wäre garantiert noch zu einer Cinéastin geworden, und ich hab’s verbockt! 😉

         
  2. pbcat

    9. Februar 2016 at 16:13

    Das habe ich schon mehrmals gemacht und gesagt: „Das sind aber schöne Schuhe, das ist eine tolle Tasche, ein cooles Shirt etc.“ Die Reaktionen reichen von echter Freude bis hin zu völliger Verwirrung und „Was quatschst du mich an?“ Hier sind manche Menschen anscheinend nicht auf Komplimente vorbereitet – ich versuch’s aber weiter. 😉

     
    • frenja

      9. Februar 2016 at 16:53

      Sehr gut! Kann mir gut vorstellen, dass der Berliner an sich da erst mal verwirrt ist. 🙂 Aber steter Tropfen und so … Nicht aufgeben!

       
  3. Birgit

    9. Februar 2016 at 21:24

    Ja, ich ernte auch manchmal Verwirrung, wenn ich Fremden Komplimente mache. Ich habe das in Kalifornien „gelernt“, und ich finde das einfach schön. Es versüßt einem den Tag, wenn jemand was Nettes sagt, und ich gebe das auch gerne an andere weiter.

     
  4. Holger Busse

    10. Februar 2016 at 10:34

    Da fällt mir folgender, leider wahrer, Spruch ein. Freundlichkeit ist im täglichen Gebrauch so selten geworden, dass andere Menschen diese schon als flirten ansehen. Aber einen Versuch ist es ja trotzdem wert 🙂

     
  5. Daniela Penn

    10. Februar 2016 at 19:04

    Genau das habe ich auch in meinem Buch geschrieben, denn nach 3 Wochen USA war die Ankunft in Deutschland schlichtweg ernüchternd. In einem Geschäft möchte man manchmal sich beim Verkäufer entschuldigen, weil man ihn stört und „belästigt“, da – sorry – man einkaufen möchte.
    Ich will auch nicht gleich mit jedem, der mit mir spricht, einen Kaffee trinken gehen. Doch miteinander reden, ja reden, und einfach auf einen anderen zugehen und nicht selbstlos und egoistisch nur sich selbst der nächste sein: da können sich die Deutschen grundsätzlich nicht nur von den Amerikanern ein Stück abschneiden.

     
  6. sandrariemer

    10. Februar 2016 at 19:09

    Die Menschen auf der Straße anlächeln verbreitet auch viel Freude 🙂

     

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