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Das perfekte Ich

17 Mrz

Zum Thema Optimierung hatte ich neulich ja schon mal was geschrieben. Gar nicht erwähnt hatte ich dabei allerdings, dass der Optimierungswahn nicht nur eine Berufskrankheit zum Beispiel der übersetzenden Zunft ist, sondern dass er allzu schnell auch auf das Privatleben übergreift, wenn man nicht höllisch aufpasst.

Nehmen wir mich als Beispiel. Als alleinerziehende Mutter zweier halbwüchsiger Kinder und selbstständige Unternehmerin habe ich natürlich grundsätzlich alle Hände voll zu tun. Geld muss verdient werden, Kinder müssen in der Spur gehalten werden, der Kühlschrank muss gefüllt, die Wohnung bewohnbar gehalten werden. Und dann möchte ich ja auch noch so etwas wie ein Privatleben pflegen, Sport treiben, im Chor singen, stricken, lesen, auf Konzerte und ins Kino gehen, Freunde treffen.

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Symbolbild: Die linke Spalte ist meine.

Das alles will natürlich gut koordiniert sein. Da auch mein Tag nur 24 Stunden hat und ich zunehmend schlechter mit so wenig Schlaf auskomme, wie ich es aus der Kleinkindzeit gewohnt war, tendiere ich oft dazu, mehrere Dinge gleichzeitig zu machen. Beim Joggen und bei der Hausarbeit höre ich nicht etwa Musik, sondern bilde mich durch Podcasts weiter. Bin ich unterwegs zu einem Seminar oder einer Konferenz, habe ich den Computer dabei und arbeite. Im Auto mitfahren und träumend aus dem Fenster blicken? Undenkbar, ich bringe lieber mein aktuelles Strickprojekt voran.

Auf Dauer ist das alles gar nicht optimal. Zunehmend häufig erwische ich mich dabei, wie ich unterwegs keine Lust habe, mein Gehirn mit noch mehr Wissen zu füttern, sondern einfach gar nichts höre und stattdessen meinen Gedanken nachhänge. Auf einer Zugfahrt konnte ich mich einmal satte vier Stunden zu rein gar nichts aufraffen außer zum Dösen und Aus-dem-Fenster-Starren. Ich arbeite daran, so etwas häufiger einfach zuzulassen. Denn wie sagte die unsterbliche Astrid Lindgren so treffend:

„Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.“

(299 Wörter)

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Ein Kommentar

Verfasst von - 17. März 2016 in Alltag

 

Eine Antwort zu “Das perfekte Ich

  1. Jayne Fox

    17. März 2016 at 22:27

    Schön geschrieben, danke Susanne! 🙂

     

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