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Archiv der Kategorie: Japanisch

Nase voll.

Ich bekomme in letzter Zeit zunehmend Anfragen für Übersetzungen aus dem Japanischen ins Deutsche, vorzugsweise von Agenturen, mit denen ich noch nie etwas zu tun hatte. Problem 1: In 80 % der Fälle wird kein Auftrag daraus. Problem 2: Bei den angefragten Dokumenten handelt es sich fast immer um Bilddateien (PDF ohne markierbaren Text, JPG, TIFF … you name it), wenn es nicht ohnehin eine schief eingescannte Vorlage in grausiger Qualität ist (eingescanntes Fax ist mein Favorit!).

Ich habe dermaßen die Nase voll davon, dass man mir solche Dateien vor den Latz knallt mit der „Bitte um Festpreis und Bearbeitungszeit“, ich mich als brave Dienstleisterin natürlich hinsetze, mir den Text genau ansehe und den Aufwand abzuschätzen versuche – kostet mich meistens eine runde halbe Stunde und oft genug bekomme ich nicht mal eine Antwort.

Was mich daran besonders aufregt: Die Agenturen wissen weder, was das überhaupt für Dokumente sind, noch, wie man so was kalkuliert. Sie werben mit Übersetzungen aus dem Japanischen und lassen mich dann ihre Arbeit machen, schlagen auf mein Angebot einfach eine Marge drauf und leiten dann alles an ihren Kunden weiter. Sie können ihm weder erklären, warum es „so viel“ kostet, noch, warum es „so lange“ dauert, weil sie eben selbst keine Ahnung haben. Warum bieten sie diese Leistung dann an?!

Aber nun ist Schluss. Ich habe eine Liste mit Preisen für Standarddokumente (Familienregister, Führerschein etc.) und Zeichenpreisen für verschiedene Arten von Dokumenten erstellt und eine Standard-Antwortmail dazu entworfen, in der ich erkläre, wie man japanische Zeichen in einem Word-Dokument zählt. Für alle nicht auszählbaren Dateien berechne ich für den Kostenvoranschlag ab sofort einen Festpreis, der natürlich im Auftragsfall mit dem Auftragswert verrechnet wird.

Fast freue ich mich auf die unbedarfte Anfrage des nächsten Umtüters, dem ich meine Liste dann kalt lächelnd um die Ohren hauen kann.

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