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Archiv der Kategorie: Marketing

Mengenrabatt? Ich weiß was Besseres.

Im diesjährigen Sommerurlaub plauderte ich mit dem Onkel des Liebsten über „‘s G‘schäft“. Er hat beruflich und privat viel mit Autos zu tun, kommt also aus einer ganz anderen Ecke als ich, ist aber immer sehr interessiert daran, wie ich das alles so mache als Ganz-allein-Unternehmerin. Irgendwann im Laufe des Gesprächs fragte er: „Sag mal, nimmst du eigentlich einen Kleinmengenzuschlag für so ganz kleine Aufträge?“

Hm, vielleicht könnte man meine Mindestpauschale als eine Art Kleinmengenzuschlag interpretieren, sagte ich. Allerdings deckt der nicht viel mehr ab als 200 Wörter. Alles zwischen 200 und so etwa 3.000 Wörtern fällt unterschiedslos in die Kategorie „Kleinvieh“, von dem immer mal wieder was reinkommt, das sich aber wegen des unproportional großen Verwaltungsaufwands nicht wirklich rechnet. Als ich ihm sagte, dass stattdessen viele Agenturen bei großen Aufträgen einen Mengenrabatt fordern, musste er lachen. Er verstand sofort, dass Übersetzer eben keine Maschinen sind, die bei höherer Stückzahl billiger produzieren (und da frage ich mich doch, warum das für einen Branchenfremden vollkommen logisch ist, während man diesen Umstand gewissen Agenturen einfach nicht begreiflich machen kann).

Einige KollegInnen sind trotzdem bereit, größere Arbeitsvolumina für einen geringeren Wort- oder Zeilenpreis anzunehmen. Ich bin dafür, den Trend umzukehren: Verlangen wir doch für jeden Auftrag, der uns weniger als einen Arbeitstag lang beschäftigt, einen Kleinmengenzuschlag! In anderen Branchen ist das schließlich auch gang und gäbe. Ach, Wörter sind aber was ganz anderes als Schrauben, meinen Sie, lieber Kunde? Richtig, darum gibt es sie ja auch nicht im Dutzend billiger. Beweisführung abgeschlossen.

(246 Wörter)

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Verfasst von - 6. November 2012 in Übersetzeralltag, Marketing, Unternehmeralltag

 

Immer schön strategisch denken

Eben las ich schon wieder einen Artikel darüber, wie man als Unternehmen richtig twittert. Man brauche eine „Twitter-Strategie“, lese ich oft, wahlweise auch eine „Facebook-Strategie“, um seine Marke zu positionieren, Bindung zu den potenziellen Kunden aufzubauen, gar eine „Community“ aufzubauen auf seiner Facebook-Business-Seite.

Ich will dazu mal eine provokante These in den Raum stellen: Wem man Twitter oder Facebook erst umständlich erklären muss, für den ist das wahrscheinlich nicht der richtige Kanal.

Ich selbst bin ja leidenschaftliche Twitter– und Facebook-Nutzerin. Ich nutze beides sowohl privat als auch beruflich, teilweise unter verschiedenen Accounts, manchmal gibt es auch Überschneidungen. Was ich aber nicht getan habe: mir vorher eine Strategie zurechtgelegt, wie ich „richtig“ twittere oder facebooke.

Mir kommen beim Thema „Mitmischen im Social Web“ immer zwei Dinge in den Kopf: Seilspringen und Fliegenlernen.

Erinnert ihr euch noch an das Gruppenspringen auf dem Spielplatz/Schulhof, wo zwei Schwinger ein langes Seil schwangen und in der Mitte mehrere Springer gleichzeitig hüpften? Wenn man sich einklinken wollte, stellte man sich erst mal daneben und nahm den Rhythmus des Seils in sich auf, sprang sozusagen im Kopf mit, bevor man sich zu den anderen in der Mitte gesellte. Das wäre die einzige Social-Media-Strategie, die ich empfehlen würde: Erst mal gucken, wie es die anderen machen, und irgendwann einfach „mitspringen“.

Was das Fliegenlernen angeht, das wird bei Douglas Adams schön beschrieben: Man muss sich dafür zu Boden fallen lassen, diesen aber verfehlen. Man muss also danebenfallen. Soll heißen: Erfolgreich im Social Web mitmischen kann man paradoxerweise eigentlich nur, wenn man es nicht darauf anlegt. Man riecht sie nämlich, diese Strategie-Befolger, und sie sind vor allem eins: langweilig und unauthentisch. Ich folge Menschen, keinen Marken, ich möchte auch mal Persönliches lesen und nicht nutzeroptimiertes Marketing-Blabla. Auch auf Facebook-Business-Seiten.

Und ihr so?

(293 Wörter)

 
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Verfasst von - 22. Mai 2012 in Marketing, Unternehmeralltag

 

„Das brauchst du gar nicht erst zu versuchen“

Mit dem Marketing ist das ja so eine Sache. Die meisten Freiberufler sehen darin eher ein notwendiges Übel, machen halbherzig etwas, von dem „alle“ sagen, dass es am meisten bringt, oder drücken sich gleich ganz davor.

Zugegeben, mir ging es lange auch so. Mein Marketing beschränkte sich mehr oder weniger auf Einträge auf verschiedenen Übersetzer-Portalen und Bewerbungen auf dort ausgeschriebene Aufträge. Eine ganze Weile reichte das auch, aber wenn man an richtig gut bezahlte und/oder interessante Jobs kommen möchte, muss man sich eben doch mehr reinhängen.

Zumindest auf dem Buchsektor hatte ich dabei jetzt schon zum dritten Mal Erfolg mit Strategien, von denen häufig aus durchaus berufenem Munde eher abgeraten wird, weil es „keinen Sinn hätte“: Aus einer Akquiserunde auf der Frankfurter Buchmesse 2009 entstanden im Laufe des folgenden Jahres zwei Aufträge (und mehrere Folgeaufträge), auf die Blindbewerbung mit Arbeitsproben bei verschiedenen Kinderbuchverlagen meldete sich u. a. ein Verlag gleich mit einem Projekt (und dann Folgeprojekt), auf acht Blindbewerbungen bei Naturbuchverlagen bekam ich innerhalb kürzester Zeit vier positive Rückmeldungen inklusive eines kleinen Projekts.

Glück gehabt? Sicher auch. Ganz bestimmt sind die rund 60 Titel, die ich schon übersetzt habe, auch eine gute Referenz. Aber vor allem habe ich festgestellt: Funktionieren tut das, was authentisch ist. Ich habe vorher viel Mühe darauf verwendet, die richtigen Ansprechpartner zu finden, habe keine 08/15-Massenbewerbung verschickt, sondern persönliche Anschreiben, und offenbar konnte ich gut vermitteln, dass ich richtig, richtig gern für sie arbeiten würde.

Ich kenne auch einen Kollegen, der gern Kaltakquise macht (ja! Gibt es!) und damit Erfolg hat. Wichtig ist, dass man dahintersteht, dass einem die gewählte Form des Marketings nicht eigentlich peinlich ist, denn das überträgt sich. Mein Tipp: Findet etwas, das zu euch passt, und lasst euch nicht einreden, das brauche man gar nicht erst zu versuchen. Vielleicht ist gerade das perfekt für euch.

(300 Wörter)