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Archiv der Kategorie: Trickkiste

Such, such!

Was macht eigentlich eine gute Übersetzerin aus? Sprachgefühl, klar. Schreibtalent. Genauigkeit. Hartnäckigkeit braucht man auch und ein leichter Hang zum Perfektionismus ist oft ebenfalls nützlich. Vor allem aber muss eine gute Übersetzerin eins können: recherchieren.

Obwohl diese Kunst nicht direkt zum Ausbildungsgang gehört (zumindest nicht zu meiner Zeit), ist sie meiner Meinung nach von dermaßen entscheidender Bedeutung, dass man behaupten könnte,  hier trennt sich die Spreu vom Weizen, unterscheiden sich die Amateure von den Profis.

Stellen wir uns vor, in meinem Text taucht ein Wort auf, das ich nicht kenne. Passiert sehr viel häufiger, als gemeinhin angenommen wird, denn Übersetzer sind nun mal keine Wörterbücher. Aber das nur am Rande. Was mache ich also? Zuerst sehe ich natürlich in den einschlägigen Wörterbüchern nach. Finde ich dort eine deutsche Entsprechung, die in meinen Satz passt, prima! Das war einfach. Und wenn nicht? Dann versuche ich es je nach Fachgebiet noch in ein paar spezielleren Wörterbüchern, hole vielleicht sogar meine Papierdinosaurier aus dem Regal. Manchmal hilft das. Und wenn nicht? Dann schlägt die Stunde der Recherchekönigin. Paralleltexte suchen. Wenn ich überhaupt nicht mehr weiterkomme, frage ich Menschen. Erst KollegInnen, dann ExpertInnen.

Man beachte die Reihenfolge. Wenn ich überhaupt nicht mehr weiterkomme. Das kommt erst ganz zum Schluss, wenn ich mein Recherchepulver verschossen habe und feststecke. Leider sind da nicht alle KollegInnen so streng mit sich. Sobald der gesuchte Begriff weder auf Leo noch auf dict.cc zu finden ist, wird die Frage einfach outgesourct, ob nun auf KudoZ oder in anderen Übersetzerforen. Wie oft ich da schon der Versuchung widerstehen musste, einen entsprechenden Link zu „Let me google that for you“ zu setzen, kann ich gar nicht zählen.

Mich ärgert das wirklich. Recherchieren ist eine wesentliche Grundkompetenz für das Übersetzen und solche Abkürzungen sind meist nichts als Bequemlichkeit. Lernt es! Sucht selbst!

(299 Wörter)

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Verfasst von - 23. März 2016 in Übersetzeralltag, Sprache, Trickkiste

 

Method Translating

Der Begriff „Method Acting“ als Technik beim Schauspielern dürfte vielen geläufig sein. Der darstellende Mensch versetzt sich dabei in die Rolle, indem er sich auf besondere Weise hineinfühlt, bis er nicht mehr spielt, sondern ist. Beim Übersetzen ist das manchmal genauso.

Kein Wunder eigentlich, schließlich beschäftigt man sich dabei manchmal über Tage oder gar Wochen mit einem Thema, es füllt einem den ganzen Arbeitstag lang den Kopf, natürlich bleibt das nicht ohne Auswirkungen. Nach dem zweiten Buch über Aquarienfische schaffte ich mir ein Aquarium an. Nach dem Smoothie-Buch wurde endlich der Standmixer gekauft, mit dem ich schon lange geliebäugelt hatte. Als ich das Buch über Hühner übersetzte, sah der Liebste mich nachdenklich in den Garten starren und reagierte sofort mit einem: „Vergiss es!“

Es geht aber auch andersrum. Wenn ich mich für bestimmte Texte durch unterstützende Maßnahmen in Stimmung bringe, nenne ich das „Method Translating“. Manchmal mache ich das bewusst, manchmal ergibt es sich von außen, manchmal fällt es mir auch dabei erst auf. Beispiele gefällig? Bitte sehr, mein Twitter-Ich hat zum Glück ein Langzeitgedächtnis:

Allerdings hat die Methode auch Grenzen. Bei Medizintexten sollte man tunlichst einen gesunden geistigen Abstand einhalten und demnächst steht ein Buch über das Fortpflanzungsverhalten von Tieren an. Dazu fällt mir jetzt beim besten Willen auch nichts ein!

(212 Wörter)

 
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Verfasst von - 23. Februar 2016 in Übersetzeralltag, Trickkiste

 

Sommer im Büro

Im letzten Posting hatte ich ja das Hohelied des Sommerbüros angestimmt – wunderbar für alle, die in Arbeit ertrinken, aber trotzdem nicht auf ihre wohlverdiente Pause verzichten möchten. Aber was macht man im umgekehrten Fall? Wenn das erste Halbjahr so mau lief, dass man sich keinen Urlaub leisten kann? Wenn man kein größeres Projekt am Wickel hat, mit dem man in Arbeitsklausur gehen kann?

Wie schon gesagt, es ist keine gute Idee, das Tagesgeschäft einfach woanders weiterzuführen. Die fehlende gewohnte Infrastruktur mit schneller Internetverbindung, Telefon ohne Roaminggebühren und ergonomischem Arbeitsplatz sorgen schnell für noch mehr Stress, und das ist ja nicht der Sinn der Sache. Trotzdem gibt es Alternativen zu der tristen Aussicht, den Sommer einfach durchzuarbeiten, während die Kolleginnen sich am Strand aalen, denn eine Pause braucht jeder, um mal den Kopf freizubekommen. Hier ein paar Vorschläge:

  • Kurzreisen: Ein verlängertes Wochenende am Meer oder in den Bergen kann einen richtigen Urlaub zwar nicht ersetzen, lädt aber die Batterien wieder auf. Jeder Tapetenwechsel macht den Kopf frei!
  • Kundenbesuch: Vielleicht gibt es ja eine Stadt oder Region, in der mehrere Kunden ansässig sind? Eine ruhige Sommerwoche lässt sich hervorragend nutzen, um mal persönlich vorbeizuschauen. Der Nasenfaktor ist nicht zu unterschätzen – man tut also etwas für die Kundenbindung und verbindet das Nützliche noch mit einer schönen Städtereise. Bonus: Die Reisekosten lassen sich als Geschäftsausgaben verbuchen, und vielleicht wohnen ja sogar Verwandte oder Freunde in der Nähe?
  • Fortbildung: Nicht nur Kundenbesuche, sondern auch Messen, Symposien und andere Branchenveranstaltungen lassen sich gut mit einer Kurzreise verbinden. Auch hier der Vorteil: als Geschäftskosten absetzbar.
  • Stammtische: In vielen Städten gibt es regelmäßige Übersetzerstammtische. Endlich genug Zeit, sich da mal blicken zu lassen und zu netzwerken, was das Zeug hält!

Kein Grund also, den Kopf hängen zu lassen, wenn es mal nichts wird mit dem Urlaub!

(300 Wörter)

 

2 hilfreiche Links für Japanisch-Übersetzer

Da ich für Japanisch und Französisch beim Berliner Landgericht ermächtigt bin, bekomme ich regelmäßig Dokumente auf den Tisch, die man für eine Eheschließung in Deutschland braucht. Für Japaner sind das Familienregisterauszug, Ehefähigkeitsbescheinigung und manchmal auch Meldebescheinigung. Ich übersetze solche Dokumente recht gern, weil sie standardisiert sind, also selten Überraschungen bergen, und auch, weil es irgendwie ein schönes Gefühl ist, zwei Menschen dabei behilflich zu sein, in ihr gemeinsames Leben zu starten. (Schon gut, ich habe romantische Adern an den unmöglichsten Stellen, ich weiß.)

Ohne zwei bestimmte Websites hätte ich dabei aber richtig Mühe. Die eine brauche ich für die Adressen – man kann sich dort ganz bequem von Präfektur über Landkreis oder Stadt bis zu Stadtbezirk und Unterbezirk durchklicken und bekommt die Lesungen, die häufig historisch gewachsen sind und herkömmlichen Regeln daher nicht unbedingt folgen, gleich mitgeliefert. Etwas problematischer wird es, wenn Landkreise im Zuge irgendwelcher Landreformen zusammengeworfen und umbenannt wurden, und solche Reformen gab es nicht gerade selten, gerade nach dem 2. Weltkrieg. Teilweise sind die alten Bezirke noch aufgeführt (leider in Weiß auf Grau, sehr schwer zu entziffern), manchmal muss ich aber auch die japanische Wikipedia bemühen. Je früher das Geburtsdatum, desto wahrscheinlicher hat es inzwischen mal eine Reform gegeben.

Apropos Geburtsdatum: Für die Daten brauche ich die zweite Website. In Japan werden die Jahreszahlen nämlich nicht in der uns bekannten Schreibweise angegeben, sondern als Herrschaftsjahre des gerade amtierenden Kaisers. Derzeit haben wir zum Beispiel das Jahr Heisei 24, also das 24. Jahr unter Kaiser Akihito, der sich den Äranamen Heisei („Frieden vollenden“) gegeben hat. Der Äraname ist so etwas wie ein Motto, unter den der Herrscher seine Herrschaftsperiode stellt. Da ich aber nicht dauernd umrechnen will, sehe ich schnell auf der Website nach, welchem Jahr das japanische Datum entspricht.

Eigentlich alles ganz einfach, wenn man weiß, wie es geht!

(299 Wörter)

 
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Verfasst von - 25. Mai 2012 in Übersetzeralltag, Japanisch, Trickkiste

 

Recherchekönigin

Wenn Übersetzerinnen eins können, dann recherchieren. Ich bin bestimmt nicht die Einzige, die ganze Vormittage mit der Pirsch auf einen einzigen Begriff verbringt, falschen Fährten folgt, die Witterung erneut aufnimmt, ihn weiter in die Enge treibt, um dann triumphierend „HA! HAB ICH DICH!“ zu rufen, wenn ich ihn erwischt habe. Der Stolz, mit dem der mühsam erjagte Begriff dann im Glossar verewigt wird, ist der eines Jägers, der seinen Zwölfender über den Kamin hängt.

Aber wie stellt man es an, dieses Heranpirschen, Einkreisen und Erlegen des Gesuchten? Erst mal wird natürlich gegoogelt. (Als ich anfing mit dem Übersetzen, gab es übrigens nicht nur dieses Verb noch nicht, es gab nicht mal Google! Man stelle sich vor! Damals war AltaVista noch die Suchmaschine meiner Wahl. Und als ich dann in einer Newsgroup den Geheimtipp mit der neuen Suchmaschine aufschnappte, konnte man nicht etwa Seiten in beliebigen Sprachen durchsuchen – wenn ich etwas Japanisches suchte, musste ich die japanische Google-Seite aufrufen, die deutsche fand nichts.) Meistens findet man so am schnellsten, wonach man sucht, aber wenn das Thema sehr speziell ist, ist das Internet irgendwann einfach zu Ende. Und was dann?

Meine nächstliebste Strategie: Ich gehe in die Bücherei. Da finde ich einerseits Wörterbücher, zum anderen aber auch Fachbücher, Lehrbücher, Sekundärliteratur, ohne die es manchmal einfach nicht geht.

Gelegentlich reicht aber auch das Bücherwissen nicht aus. Dann gehe ich Menschen fragen. Gerade vor ein paar Tagen suchte ich verzweifelt nach einem fischereilichen Begriff, bis ich endlich die Nerven verlor und einen Experten vom IFM-GEOMAR anmailte. Ich bekam innerhalb von 15 Minuten eine äußerst freundliche und kompetente Antwort, die mein Problem löste. Diese Strategie hat mir überhaupt schon häufig aus der Patsche geholfen, ob es nun um Plasmaschneidegeräte, Numerologie, Schmetterlinge oder französische Surfbegriffe ging. Letztendlich geht doch nichts über Menschen, die sich auskennen!

(299 Wörter)

 
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Verfasst von - 15. Juni 2011 in Übersetzeralltag, Trickkiste

 

Wie hat sie das gemacht?

Im letzten August erwartete mich ganz untypisch schon ein Berg Arbeit, als ich aus dem Urlaub wiederkam. Es waren zwei Buchprojekte, die ich schon vor dem Urlaub angenommen hatte, mit eigentlich sehr großzügigen Deadlines – aber als ich ins Büro zurückkehrte, war die Zeit schon ordentlich zusammengeschmolzen (vor dem Urlaub war natürlich auch keine Zeit gewesen, schon mal anzufangen, Juli halt), und so musste ich dann ziemlich viel Arbeit in ziemlich kurzer Zeit erledigen.

Da es sich um Kochbücher handelte, ging das Übersetzen zwar ohnehin recht schnell von der Hand (Rezepte haben eine beruhigend gleich bleibende, sich immer wiederholende Struktur, das läuft nach einer Weile fast auf Autopilot), aber gegen Ende wurde die Zeit dann trotzdem immer knapper und der Berg nicht so schnell kleiner, wie ich gehofft und geplant hatte.

Also begann ich zu tricksen. Ich machte natürlich Überstunden, und das half auch, aber vor allem nutzte ich eine kleine, gern übersehene Word-Funktion: die AutoKorrektur. Man glaubt ja gar nicht, wie viel Zeit man sich spart, wenn man „frisch gemahlener schwarzer Pfeffer“ nicht jedes Mal neu eintippen muss, sondern nur „pf“. Die AutoKorrektur setzt erst ein, wenn man nach der festgelegten Abkürzung ein Leer- oder Satzzeichen setzt, „Topf“ blieb also weiterhin „Topf“. Statt „in Scheiben geschnitten“ schrieb ich nur noch „sch“ (es gab auch noch „in dünne Scheiben geschnitten“ = „dsch“ und „in Ringe geschnitten“ = „ri“), statt „natives Olivenöl extra“ nur noch „oli“ usw.

Es war meine Rettung. Ich schaffte relativ locker 6.000 Wörter pro Tag und wurde – natürlich – pünktlich fertig. Was Deadlines angeht, bin ich echt ein Terrier.

Bei Kochrezepten mit ihren vielen Wiederholungen bietet sich dieser Kniff natürlich besonders an, aber auch in anderen Texten finden sich sicher Möglichkeiten, die AutoKorrektur Zeit sparend anzuwenden, um lange Wörter oder Wendungen abzukürzen. Probiert’s mal aus!

(295 Wörter)

 
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Verfasst von - 5. Mai 2011 in Trickkiste