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Archiv der Kategorie: Übersetzungsfallen

Rolling, rolling, rolling …

Leute? Ich hätte da mal eine Bitte. Wie alle Übersetzerinnen habe auch ich meine pet peeves, also Dinge, über die ich mich immer wieder gern aufrege. Die stumpfe Übersetzung von „body“ als „Körper“, wenn es eigentlich „Leiche“ heißen müsste, gehört zum Beispiel unbedingt dazu, aber derzeit nerven mich gerade zwei andere falsche Freunde:

1. „Sie rollte genervt mit den Augen.“ Ja, ich weiß, der Onkel Duden erlaubt das so. Trotzdem sehe ich dabei immer jemanden mit seinen Augen Kegel umwerfen, und das ist wirklich kein schönes Bild. Können wir bitte sagen: „Sie verdrehte genervt die Augen“? Danke.

2. „Er rollte die Ärmel hoch und fing an.“ Nee. Und wenn der Duden das zehnmal als Synonym angibt, man rollt seine Ärmel nicht hoch. Übrigens auch nicht die Hosenbeine. Man krempelt sie hoch. Hochrollen kann man nach meinem Empfinden höchstens Nylonstrümpfe, die man vorher sauber zu einem Wulst heruntergerollt hat. Das ist doch eine ganz andere Bewegung als krempeln oder umschlagen! Nein, nein, lieber Konrad, das ist mir einfach zu ungenau.

Ich weiß, ich bin pingelig. Aber dafür werde ich schließlich bezahlt.

(178 Wörter)

 
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Verfasst von - 10. September 2014 in Übersetzungsfallen, Sprache

 

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Über „Sinn machen“ hatte ich mich ja schon ausgelassen. Es gibt da aber noch so eine Formulierung, die mir die Zehennägel aufrollt: die gute/schöne Zeit. Erst hörte man das ja nur in schlampig synchronisierten Fernsehserien, wenn eine Darstellerin der anderen so etwas erzählte wie: „Ich war neulich mit Jack auf den Bahamas, das war toll! Wir hatten eine echt gute Zeit da.“ Aber in letzter Zeit höre ich das immer häufiger auch in deutschen Serien oder gar von echten Menschen, die mir doch allen Ernstes eine „schöne Zeit“ wünschen, wenn ich beispielsweise von einem bevorstehenden Urlaub erzähle.

Hallo? Was ist denn aus dem guten alten „Viel Spaß!“ oder „Erhol dich gut!“ geworden? Natürlich kann man sagen: „Wir haben eine wunderschöne Zeit in Portugal verbracht“, das ist standardsprachlich und korrekt. Aber bitte, bitte kommt mir doch nicht mit Formulierungen wie „Wir hatten da ’ne tolle Zeit“ oder „Ich wünsche dir eine schöne Zeit auf den Bahamas“ – sagt doch wieder „Es war richtig toll da“ oder „Wir hatten jede Menge Spaß da“ und wünscht mir lieber einen „schönen Urlaub“. Bitte.

Vielleicht bin ich da ja auch zu empfindlich. Aber mit den sprachlichen Zehenaufrollern ist es wie mit dem Messerquietschen auf dem Teller – manchen macht das nichts aus, andere gehen die Wände hoch. Ich kriege davon Ausschlag.

(218 Wörter)

 
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Verfasst von - 4. Juli 2011 in Übersetzungsfallen

 

Was macht der Sinn denn nun?

Sprache lebt, kein Zweifel. Sie entwickelt sich weiter, stößt Altes ab, nimmt Neues auf. Das finde ich an sich nicht schlimm, sondern normal. Alle Sprachen machen das so, würde ich meinen. Es gibt aber Begriffe und Redewendungen, an die ich mich nie gewöhnen werde, auch wenn man sie täglich vielfach hört und irgendwann doch ein gewisser Abstumpfungseffekt eintritt.

„Sinn machen“ gehört auf jeden Fall dazu. Da könnt ihr mir jetzt noch so viel Lessing und Max Frisch entgegenhalten, mir rollen sich trotzdem jedes Mal die Fußnägel auf, wenn ich das höre. Und ich glaube nach wie vor, dass an dem inflationären Gebrauch dieser Redewendung schlampig synchronisierte US-Fernsehserien schuld sind.

Fast noch schlimmer finde ich allerdings den Trend, das englische make sense reflexartig mit „Sinn ergeben“ zu übersetzen. Mal ehrlich, wie oft hört man denn im normalen Leben jemanden sagen: „Das ergibt doch keinen Sinn!“? Eben, gar nicht bis selten. Das ist ganz einfach unidiomatisch! Selbst wenn an der Übersetzung an sich nichts zu meckern wäre, in der Häufigkeit, in der sie durch unidiomatisch übersetzte Fernsehdialoge in solchen Serien auftritt, hat sie im Deutschen einfach nichts zu suchen.

Dabei gibt es doch so viele gute, idiomatische Möglichkeiten, that makes sense zu übersetzen – man muss eben nach dem Kontext gehen, dann könnte z. B. „Klingt logisch“ oder „Ja, natürlich!“ oder sogar „Ach, jetzt verstehe ich!“ gut passen. Die Verneinung ist noch einfacher: „Das ist doch Quatsch“, „Das verstehe ich aber nicht“, „Ist doch total unlogisch“ … es gäbe so viele Möglichkeiten, wenn man sich mal etwas Zeit nähme, sich in den Dialog hineinzufühlen. Dialoge idiomatisch zu übersetzen, ist nämlich eine hohe Kunst – zu schade, dass sie so grottenschlecht bezahlt wird.

(280 Wörter)

 
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Verfasst von - 31. Mai 2011 in Übersetzungsfallen

 

„Makkaroni mit Käse“

Neulich las ich in einem ansonsten hervorragend übersetzten Buch wieder mal was von „Makkaroni mit Käse“. Gemeint war ein typisch amerikanisches Gericht, macaroni and cheese, kurz und knackig mac & cheese genannt.

Fällt eigentlich niemandem auf, dass diese Übersetzung nicht stimmt? Makkaroni sind im deutschen Sprachraum das, was die Italiener bucatini oder perciatelli nennen, nämlich lange, dünne Röhren (die man wegen ihrer ungünstigen Form eigentlich überhaupt nicht vernünftig essen kann, aber das mal nur am Rande). Macaroni dagegen sind leicht gebogene Hörnchennudeln, für die es im Deutschen ganz einfach keine Entsprechung gibt – außer eben „Hörnchennudeln“.

Und so sehen sie aus, die mac & cheese:

(Autor: Antilived, Quelle: Wikipedia)

Ich plädiere dafür, die Übersetzung „Makkaroni mit Käse“ flächendeckend abzuschaffen und durch „Nudeln mit Käse“ zu ersetzen. Oder was meint ihr?

(129 Wörter)

 
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Verfasst von - 17. Mai 2011 in Alltag, Übersetzungsfallen