RSS

Archiv der Kategorie: Unternehmerinnenalltag

Buhu, keiner mag mich!

Könnt ihr gut mit Kritik umgehen? Ich nicht besonders. Meistens sind die Kunden glücklicherweise ja zufrieden mit meiner Arbeit, aber alle Jubeljahre werde ich dann doch mal mit Kritik in irgendeiner Form konfrontiert. Und was mache ich dann? Ich laufe rot an (vor Scham, nehme ich an) und in meinem Kopf schreit es: „Oh nein! Sie haben es gemerkt! Ich bin nicht gut genug!“

Völliger Blödsinn natürlich. Niemand kann es immer allen recht machen und selbstverständlich bin ich gut, ziemlich gut sogar, wenn ich das mal so schamlos behaupten darf. Zum Glück wird ja auch niemand Zeuge meiner ersten Reaktion (Freiberuflerglück), also erst mal tief durchatmen und dann professionell reagieren.

Checkliste: Ist die Kritik berechtigt? Falls ja: Wie ist es dazu gekommen? War ich nicht sorgfältig genug? Fehlten mir Informationen? Hätte ich das merken müssen? Falls nein: Wie kommt der Kunde darauf? Hatte er etwas anderes erwartet? Warum? Habe ich unklar kommuniziert?

Bei all diesen Fragen geht es weniger darum, die Schuldfrage zu klären, als darum, die Situation zu verstehen. Ich muss genau wissen, wie es dazu kommen konnte, um nicht in Selbstzerfleischung (gerechtfertigte Kritik) oder Empörung (ungerechtfertigte Kritik) stecken zu bleiben, sondern etwas Positives aus der ganzen Sache zu ziehen, denn die nächsten Fragen lauten: Wie kann ich den Konflikt so lösen, dass alle zufrieden sind? Und: Wie kann ich solche Situationen in Zukunft vermeiden? Denn mindestens eine Lehre lässt sich auch aus der unglücklichsten Erfahrung ziehen.

Also kein Grund, sich in Selbstzweifel zu stürzen. Und vor allem, ganz wichtig: nicht persönlich nehmen! Klingt banal, ist aber schwierig, gerade wenn man viel Herzblut in eine Arbeit gesteckt hat. Trotzdem, man kann mit meinem Stil nicht klarkommen und mich trotzdem nett finden. Bestimmt!

(283 Wörter)

 
5 Kommentare

Verfasst von - 23. September 2011 in Übersetzerinnenalltag, Unternehmerinnenalltag

 

Höflichkeit ist eine Zier …

Ich halte mich ja für einen recht höflichen Menschen. Guten Tag, danke, bitte, auf Wiedersehen, das habe ich als Kind gelernt und es gehört für mich zum normalen Umgangston, ob privat oder geschäftlich.

Gerade im Geschäftsverkehr scheint das aber keineswegs der Standard zu sein. Sicher, Zeit ist Geld und für Höflichkeitsfloskeln hat heute keiner mehr die Nerven. Aber wenn mir eine Anfrage wie neulich ins Haus flattert mit dem Wortlaut: „Anbei ein neuer Auftrag mit Termin für Ende der Woche“, dann werde ich unwirsch. Dabei hielt der Absender das sicher für einen neutralen, sachlichen Tonfall. Bei mir kam er damit aber an wie ein Chef, der seiner Angestellten eine Weisung erteilt. Nun bin ich aber weder Angestellte noch Zulieferbetrieb, sondern verstehe mich als Geschäftspartnerin auf Augenhöhe, die gerne erst mal gefragt werden möchte, ob sie Kapazitäten für Auftrag XY hat. Das gebietet in meinen Augen einfach die Höflichkeit. Ich gehe ja auch nicht zum Schuster und sage: „Bitte diese Schuhe bis übermorgen neu besohlen“, sondern frage, wie lange das dauern würde.

Anderes Beispiel: Neulich fragte ich bei einer Kollegin an, ob sie meine Übersetzung korrekturlesen würde. Am nächsten Tag wartete ich immer noch auf eine Antwort und als ich sie schließlich anrief, sagte sie, sie dächte noch darüber nach, ob sie den Auftrag annehmen kann.

Hätte ich das vielleicht telepathisch erahnen sollen? Genau so hätte sie mir ja sofort antworten können, dann hätte ich doch gewusst, was Sache ist. Stattdessen hänge ich in der Luft und frage mich, ob sie meine Mail überhaupt bekommen hat oder ob ich mir gleich jemand anderen suchen soll.

So schwer ist das doch nicht. Die kurze Bestätigung einer Anfrage, die man am nächsten Tag beantworten wird, ein kleines Dankeschön für eine gelieferte Übersetzung – kostet nicht viel Zeit und macht den Geschäftsalltag so viel angenehmer!

(300 Wörter)

 
10 Kommentare

Verfasst von - 14. September 2011 in Unternehmerinnenalltag

 

Stürmische Zeiten

Vielleicht hat sich der eine oder andere schon gewundert, warum ich in letzter Zeit so selten zum Bloggen kam – 300 Wörter sollten eigentlich immer drin sein, oder? Tja, der August war ganz untypisch dermaßen pickepackevoll mit Arbeit, dass mir nicht viel Zeit für anderes blieb, dazu kam noch der Schuljahresbeginn samt Einschulung und dann, weil es ja immer ganz dicke kommt, wenn es kommt, gab es auch noch einen privaten Schicksalsschlag zu verkraften, der mir ziemlich plötzlich den Boden unter den Füßen wegzog.

Ohne darauf jetzt näher eingehen zu wollen, hat mir diese Extremsituation aber auch mal wieder vor Augen geführt, wie schlecht ich darauf vorbereitet bin, dass ich mal eine Weile ausfallen könnte. Man weiß genau, man sollte einen Plan B haben und für gewisse Eventualitäten vorsorgen – aber Hand aufs Herz, wie viele Freiberufler können das von sich behaupten? Ich habe mal eine kleine Checkliste angelegt von Dingen, um die ich mich in nächster Zeit wirklich kümmern müsste werde:

  • Krankentagegeld (Derzeit um die 25 € ab dem 43. Tag – ein Witz, wenn ich tatsächlich länger ausfiele, aber mit 27 schien mir das besser als nichts. In den letzten 11 Jahren war ich tatsächlich nicht einmal richtig krank, aber will ich mich in Zukunft darauf verlassen?)
  • finanzielles Polster (Mit den Ausgaben für 3 Monate auf der hohen Kante würde ich sicher ruhiger schlafen.)
  • Instruktionen hinterlegen für die Benachrichtigung von Kunden etc., falls ich vorübergehend nicht an den Schreibtisch kann
  • Liste von KollegInnen aufstellen, denen ich im Notfall mit gutem Gewissen aktuelle Projekte überlassen kann
  • Unfallversicherung abschließen (Ich fahre schließlich täglich mit dem Fahrrad durch die Großstadt!)

Habe ich was vergessen? Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr das alles geregelt?

(278 Wörter)

 
7 Kommentare

Verfasst von - 2. September 2011 in Alltag, Unternehmerinnenalltag

 

Wie man es richtig macht

Auf die Gefahr hin, dass die Werbung hier ein bisschen überhand nimmt – erst die Lieblingsagenturen, jetzt auch noch ein Lieblingsdienstleister –, muss ich trotzdem an dieser Stelle mal loswerden, wie begeistert ich von moo.com bin.

Vor einiger Zeit hatte ich dort schon so genannte MiniCards bestellt, halb so groß wie Visitenkarten, auf denen meine sämtlichen wichtigsten Online- und Social-Media-Adressen zu finden sind. Die gebe ich gern mit meinen normalen Visitenkarten an Kolleg/innen oder andere nette Menschen weiter, mit denen ich mich vernetzen möchte. Vor kurzem bestellte ich noch mal echte Visitenkarten, passend zu meiner neuen Website, zweiseitig bedruckt.

Nicht nur die Karten selbst haben mich begeistert, sondern vor allem die Art, wie moo.com das Ganze abwickelt:

  • Nach dem Abschicken der Bestellung bekommt man sofort eine freundliche Mail von „Little MOO“, der Verwaltungssoftware. Eine stinknormale Eingangsbestätigung also, aber so putzig und ansprechend, dass man Little MOO direkt übers Köpfchen streicheln möchte.
  • Meiner ersten Bestellung lag ein Kärtchen mit dem Aufdruck bei: „You’re our new best friend!“ – nur ein Dankeschön für die Bestellung, aber ein so warmherziges habe ich noch nie bekommen.
  • Auf dem (schicken!) Schuber mit den Visitenkarten war zu lesen: „Quick, schedule a meeting! Your business cards have arrived!“ Und das Beste: Beigelegt war für dieses sofort anzuberaumende Meeting auch gleich ein visitenkartengroßes Buzzword-Bingo inklusive Anleitung. Selten habe ich beim Auspacken einer Bestellung so viel Spaß gehabt!

In meinen Augen machen die einfach alles richtig. Mit wenig Aufwand, aber originellen Ideen und vor allem mit dem richtigen Ton (na schön, die deutsche Version vor allem der Website hat noch Optimierungspotenzial, aber sei‘s drum) machen sie aus Kunden Fans, ohne sich dabei anzubiedern. Sogar den Newsletter lese ich gern. Davon können sich doch bestimmt auch Freiberufler eine Scheibe abschneiden, oder?

(291 Wörter)

 
8 Kommentare

Verfasst von - 18. August 2011 in Alltag, Unternehmerinnenalltag

 

Unternehmen Freiheit

Wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht viel Geduld mit jammernden Menschen habe, insbesondere im Berufsalltag. Klar, wir müssen alle mal Dampf ablassen und manchmal hilft ein wenig Mitleid von verständnisvollen KollegInnen schon sehr. Aber wer sich permanent über den furchtbaren Markt, die unverschämten Agenturen, die fallenden Preise etc. beschwert, ohne daraus Konsequenzen zu ziehen, der beißt bei mir ziemlich bald auf Granit.

Ich sehe das so: Sobald ich beschließe, meine Dienste als Freiberuflerin anzubieten, bin ich nicht nur Angehörige des gewählten Berufsstandes, sondern auch Unternehmerin. Und als solche habe ich nicht nur das Recht auf Vorsteuerabzüge,  das steuerliche Absetzen von Geschäftsausgaben und sogar einen Metro-Ausweis, sondern auch gewisse Pflichten. Ich muss mich z. B. darüber informieren, wie eine korrekte Rechnung auszusehen hat, mich über relevante Gesetzesänderungen auf dem Laufenden halten und auch dafür sorgen, dass ich wirtschaftlich arbeite. Wenn ich das zu den mir angebotenen Preisen nicht kann, dann muss ich daran arbeiten, das zu ändern.

„Aber was soll ich denn machen?“, höre ich es jammern. „Die zahlen nun mal nicht mehr!“ Doch, tun sie – wenn man ihnen einen Grund gibt. Und da kommt wieder die unternehmerische Pflicht ins Spiel: Es ist meine Aufgabe als Unternehmerin, ein Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln, wie man so schön sagt, eben einen Grund, warum ich Preis x verlangen kann und mich nicht mit y abspeisen lasse. Wenn ich keine Spezialisierung habe, muss ich mir eben eine erarbeiten. Oder mir zusätzliche Dienstleistungen überlegen, die ich anbieten kann. Irgendwas, aber ich muss mir Gedanken machen und mich nicht nur beklagen.

Das Internet ist voller hervorragender Blogs für Freiberufler, es gibt tolle Bücher zum Thema „Erfolgreich selbstständig“, also macht euch schlau. Lest, lernt, guckt ab, denkt euch was aus. Aber bitte, BITTE hört auf zu jammern.

(291 Wörter)

 
5 Kommentare

Verfasst von - 13. Juli 2011 in Unternehmerinnenalltag

 

Nachtrag: Markt und Preise

Ich hatte es ja befürchtet: Das Thema Übersetzungsmarkt und Preise lässt sich eigentlich nicht in 300 Wörtern abhandeln. Zu komplex, zu vielschichtig für knappe Aussagen. Deswegen war ich mit meinem ersten Artikel zu dem Thema auch nicht so recht zufrieden, da fehlte noch so einiges. Hier also noch ein paar ergänzende Gedanken dazu.

Ich will ja gar nicht bestreiten, dass der Preisdruck insgesamt zugenommen hat. Im großen Massenmarkt für Allerweltsübersetzungen drängen sich immer mehr KollegInnen aus dem In- und Ausland, und natürlich führt nach den allgemein bekannten Marktgesetzen ein größeres Angebot zu sinkenden Preisen. Aber, und darauf wollte ich eigentlich hinaus, außerhalb dieses Massenmarkts gelten andere Gesetze. Wer nicht nur einen fremdsprachlichen Text irgendwie in eine andere Sprache übertragen lassen will, sondern darauf Wert legt oder darauf angewiesen ist, dass dieser Text in der anderen Sprache auch die ihm zugewiesene Funktion erfüllt, der sucht eben nicht irgendeinen Übersetzer, sondern einen spezialisierten, einen, der mehr bietet als die Konkurrenz – ob das nun eine besondere Begabung beim Formulieren von Werbetexten ist oder spezielle Fachkenntnisse in der Botanik. Und in diesem Marktsegment ist der Preis oft nicht mehr unbedingt das oberste Entscheidungskriterium, weil der Kunde keine Wörter kauft, sondern die Lösung einer gestellten Aufgabe.

Das Zauberwort heißt also Spezialisierung, das ist ja nun keine neue Erkenntnis. Ich kann einfach das kollektive Gejammer nicht mehr hören, wir müssten alle bald wahlweise kellnern gehen oder am Hungertuch nagen. Die Märkte ändern sich, das ist wahr, aber als UnternehmerInnen haben wir die Pflicht, darauf zu reagieren, statt Klagelieder anzustimmen. Ich bin der Meinung, man kann sehr wohl vom Übersetzen leben – wenn man die Herausforderung annimmt und flexibel und kreativ auf Markttrends reagiert.

Oder wie seht ihr das?

(282 Wörter)