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Mein neues Hobby

Ich habe ein neues, subversives Hobby. Und das kam so:

Neulich klickte ich in einem Blog auf einen verlinkten Buchtitel, ein populärwissenschaftliches Fachbuch. Ich landete natürlich auf Amazon und suchte nach weiteren Informationen über das Buch. Inhaltsangabe, Rezensionen, Originaltitel … alles da. Nur die beiden Übersetzer waren nicht aufgeführt. Das ärgerte mich, weil ich immer neugierig bin, wer beispielsweise ähnliche Bücher wie ich übersetzt, und ob ich sie oder ihn vielleicht kenne.

Da bei diesem Titel ein „Blick ins Buch“ möglich war, sah ich im Impressum nach. Und dann beschloss ich, den Missstand zu beheben, und klickte unter den Buchdaten auf „Produktinformationen aktualisieren“. Da kann man nämlich u. a. den Namen eines weiteren Autors oder eben auch der Übersetzerin eingeben, sofern man ein Konto bei Amazon hat. Bisher habe ich das immer nur bei meinen eigenen Büchern gemacht, aber warum eigentlich nicht auch anderen KollegInnen was Gutes tun?

Jetzt halte ich immer die Augen offen, wenn ich auf Amazon herumstöbere (kaufen mag ich da ja schon länger nicht mehr, aber zum Stöbern ist es doch sehr praktisch). Kommt mir ein Buch unter, das eindeutig übersetzt ist, den Übersetzer/die Übersetzerin aber nicht aufführt, korrigiere ich das. Ich bin nämlich genau wie Isabel Bogdan und zahllose andere KollegInnen der Meinung, dass Übersetzer endlich sichtbarer werden müssen.

Na, wer macht mit?

(218 Wörter)

 
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Verfasst von - 13. November 2012 in Alltag, Übersetzerinnenalltag, Sprache

 

Mengenrabatt? Ich weiß was Besseres.

Im diesjährigen Sommerurlaub plauderte ich mit dem Onkel des Liebsten über „‘s G‘schäft“. Er hat beruflich und privat viel mit Autos zu tun, kommt also aus einer ganz anderen Ecke als ich, ist aber immer sehr interessiert daran, wie ich das alles so mache als Ganz-allein-Unternehmerin. Irgendwann im Laufe des Gesprächs fragte er: „Sag mal, nimmst du eigentlich einen Kleinmengenzuschlag für so ganz kleine Aufträge?“

Hm, vielleicht könnte man meine Mindestpauschale als eine Art Kleinmengenzuschlag interpretieren, sagte ich. Allerdings deckt der nicht viel mehr ab als 200 Wörter. Alles zwischen 200 und so etwa 3.000 Wörtern fällt unterschiedslos in die Kategorie „Kleinvieh“, von dem immer mal wieder was reinkommt, das sich aber wegen des unproportional großen Verwaltungsaufwands nicht wirklich rechnet. Als ich ihm sagte, dass stattdessen viele Agenturen bei großen Aufträgen einen Mengenrabatt fordern, musste er lachen. Er verstand sofort, dass Übersetzer eben keine Maschinen sind, die bei höherer Stückzahl billiger produzieren (und da frage ich mich doch, warum das für einen Branchenfremden vollkommen logisch ist, während man diesen Umstand gewissen Agenturen einfach nicht begreiflich machen kann).

Einige KollegInnen sind trotzdem bereit, größere Arbeitsvolumina für einen geringeren Wort- oder Zeilenpreis anzunehmen. Ich bin dafür, den Trend umzukehren: Verlangen wir doch für jeden Auftrag, der uns weniger als einen Arbeitstag lang beschäftigt, einen Kleinmengenzuschlag! In anderen Branchen ist das schließlich auch gang und gäbe. Ach, Wörter sind aber was ganz anderes als Schrauben, meinen Sie, lieber Kunde? Richtig, darum gibt es sie ja auch nicht im Dutzend billiger. Beweisführung abgeschlossen.

(246 Wörter)

 

Zu viel Kultur ist auch nicht gut

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“, sagte ja schon Matthias Claudius vor 200 Jahren. Fremde Länder, fremde Städte, fremde Völker – fantastisch!

Manche vertragen das Reisen aber auch nicht ganz so gut. Ich meine nicht die bedauernswerten Reisekranken oder die armen Opfer von Montezumas Rache. Nein, es gibt auch mentale Unverträglichkeiten, besonders heftige Ausprägungen des Kulturschocks. Beispiele gefällig?

  • Das Paris-Syndrom wurde erstmals 1991 vom japanischen Psychiater Hiroaki Ota beschrieben und befällt vornehmlich japanische Touristen in – genau – Paris. Es äußert sich durch psychische Symptome wie Wahnzustände, Halluzinationen, Derealisation und Depersonalisation, aber auch durch körperliche Anzeichen wie Schwindel, Herzrasen und starkes Schwitzen. Folgende Faktoren gelten als Ursache: 1. Sprachbarriere (ha! Fremdsprachenkenntnisse erhalten die geistige Gesundheit, sag ich doch), 2. kulturelle Unterschiede, 3. Unvereinbarkeit des idealisierten Paris-Bildes der Japaner mit der Wirklichkeit und 4. Erschöpfung. In leichten Fällen hilft Bettruhe und viel trinken, in schweren Fällen nur noch die Heimreise.
  • Das Stendhal-Syndrom ist nach dem französischen Schriftsteller Stendhal benannt, der bei seiner Reise nach Florenz in geradezu wahnhafte Verzückung geriet. Es befällt kunstbegeisterte Touristen jeder Nationalität und zeigt sich in ähnlichen Symptomen wie das Paris-Syndrom. Erstmals beschrieben 1979 von der italienischen Psychologin Graziella Magherini.
  • Das Jerusalem-Syndrom macht auch hierzulande regelmäßig Schlagzeilen, wenn zu hohen Feiertagen gläubige Christen und Juden aus aller Welt die historische Stadt besuchen. Einige beeindruckt ihr Aufenthalt so sehr, dass sie sich mit einer biblischen Figur identifizieren, sich in Bettlaken hüllen und auf der Straße zu predigen beginnen. Der israelische Arzt Yair Bar El beschrieb diese psychische Störung erstmals Anfang der 1980er-Jahre.
  • Zu erwähnen wäre auch noch das Venedig-Syndrom. Die Stadt im Wasser zieht nämlich offenbar Selbstmörder an wie die Fliegen, wie die Psychologin Diana Stainer 2000 in einer Studie belegte. Zumindest in keiner anderen italienischen Stadt nehmen sich so viele Touristen das Leben, geplant oder auch spontan.

Gute Reise!

(298 Wörter)

 
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Verfasst von - 2. November 2012 in Alltag, Medizin

 

Sommer im Büro

Im letzten Posting hatte ich ja das Hohelied des Sommerbüros angestimmt – wunderbar für alle, die in Arbeit ertrinken, aber trotzdem nicht auf ihre wohlverdiente Pause verzichten möchten. Aber was macht man im umgekehrten Fall? Wenn das erste Halbjahr so mau lief, dass man sich keinen Urlaub leisten kann? Wenn man kein größeres Projekt am Wickel hat, mit dem man in Arbeitsklausur gehen kann?

Wie schon gesagt, es ist keine gute Idee, das Tagesgeschäft einfach woanders weiterzuführen. Die fehlende gewohnte Infrastruktur mit schneller Internetverbindung, Telefon ohne Roaminggebühren und ergonomischem Arbeitsplatz sorgen schnell für noch mehr Stress, und das ist ja nicht der Sinn der Sache. Trotzdem gibt es Alternativen zu der tristen Aussicht, den Sommer einfach durchzuarbeiten, während die Kolleginnen sich am Strand aalen, denn eine Pause braucht jeder, um mal den Kopf freizubekommen. Hier ein paar Vorschläge:

  • Kurzreisen: Ein verlängertes Wochenende am Meer oder in den Bergen kann einen richtigen Urlaub zwar nicht ersetzen, lädt aber die Batterien wieder auf. Jeder Tapetenwechsel macht den Kopf frei!
  • Kundenbesuch: Vielleicht gibt es ja eine Stadt oder Region, in der mehrere Kunden ansässig sind? Eine ruhige Sommerwoche lässt sich hervorragend nutzen, um mal persönlich vorbeizuschauen. Der Nasenfaktor ist nicht zu unterschätzen – man tut also etwas für die Kundenbindung und verbindet das Nützliche noch mit einer schönen Städtereise. Bonus: Die Reisekosten lassen sich als Geschäftsausgaben verbuchen, und vielleicht wohnen ja sogar Verwandte oder Freunde in der Nähe?
  • Fortbildung: Nicht nur Kundenbesuche, sondern auch Messen, Symposien und andere Branchenveranstaltungen lassen sich gut mit einer Kurzreise verbinden. Auch hier der Vorteil: als Geschäftskosten absetzbar.
  • Stammtische: In vielen Städten gibt es regelmäßige Übersetzerstammtische. Endlich genug Zeit, sich da mal blicken zu lassen und zu netzwerken, was das Zeug hält!

Kein Grund also, den Kopf hängen zu lassen, wenn es mal nichts wird mit dem Urlaub!

(300 Wörter)

 

Sommerbüro

Hui, das war aber eine lange Sommerpause! Von wegen Sommerloch, ich hatte zu tun, schönen Dank auch. Nein, wirklich, vielen Dank an meine lieben Kunden, es waren lauter tolle Projekte, die mich auf Trab hielten.

Nun ist es aber so: Wenigstens einmal im Jahr braucht auch die fleißigste Übersetzerin eine Pause, und zwar eine längere, sonst ist irgendwann die Luft raus. Auch die Familie schreit zu Recht nach Zuwendung und Aufmerksamkeit. Was tut also die listenreiche Übersetzerin? Sie eröffnet ein Sommerbüro an einem Urlaubsort ihrer Wahl.

Doch Achtung, „Sommerbüro“ bedeutet nicht „sie nimmt sich Arbeit mit in den Urlaub“. Das wird nichts! Ein Sommerbüro will gut geplant sein und muss strenge Auflagen erfüllen:

  1. Kein Tagesgeschäft! Glaubt mir, das funktioniert nicht. Enge Deadlines und hektische Rückfragen vertragen sich einfach nicht mit einem entspannten Sommerbüro. Was da alles schief gehen kann, musste zum Beispiel Marta Stelmaszak leidvoll erfahren.
  2. Transportable Internetverbindung mitnehmen! Man sollte sich nie drauf verlassen, dass das versprochene WLAN auch bis zum Arbeitsplatz reicht. Vorher Plan B überlegen!
  3. Separater Arbeitsplatz! Wichtig für das Sommerbüro mit Familie: Ein Ort muss für die Arbeit reserviert sein. Das kann ein Zimmer in der Ferienwohnung sein (mit Tür!), zur Not auch ein Internetcafé in der Nähe.
  4. Arbeitszeiten festlegen und dran halten!
  5. Vorher ankündigen! Für meine Kunden war das Ganze quasi ein langer Urlaub, denn ich sagte vorher schon Bescheid, dass ich zwar Mails und Anrufe entgegennehme, sonst aber konzentriert an einem Projekt arbeite und anschließend zwei Wochen „richtigen“ Urlaub mache. Siehe Punkt 1.

Fazit: So ein Sommerbüro ist vor allem dann eine gute Idee, wenn man eigentlich zu viel zu tun hat, um Urlaub zu machen. Wenn man anschließend noch etwas richtigen Urlaub dranhängt, ist man außerdem schon mal grundentspannt und erholt sich besser. Das mache ich bestimmt mal wieder. Muss ja nicht im Sommer sein!

(300 Wörter)

 
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Verfasst von - 17. Oktober 2012 in Übersetzerinnenalltag

 

Japanische Zählwörter

Eins der Dinge, für die man die japanische Sprache ja lieben muss (wenn man nicht daran verzweifeln will), ist die Tatsache, dass sie für alle möglichen Gruppen von Dingen jeweils ein ganz bestimmtes Zählwort hat.

Nehmen wir an, ich will Bäume zählen. Ein prototypischer Baum (ki) ist lang und (im Verhältnis) dünn, das Zählwort für Dinge mit solchen Eigenschaften ist hon. Stehen da nun 5 Bäume, nehme ich die Zahl Fünf – go – und hänge das Zählwort an. „5 Bäume“ hießen also gohon no ki. (Das no ist ein Genetivpartikel, an dieser Stelle nicht so wichtig.)

Andere längliche, dünne Gegenstände sind z. B. Bleistifte, Flaschen, Nägel, Lineale, aber auch, und solche Merkwürdigkeiten kennt jede Zählwortgruppe, Telefongespräche und Filme (wohl wegen des Filmstreifens). Das Zählwort für runde, flache Gegenstände (Räder, Blumen) heißt rin, das für Gebäude ken, bei Büchern sagt man satsu, bei einzelnen Blättern aber mai, das auch für andere flache Objekte wie Bettlaken, Kleidung oder Fotos verwendet wird.

Ganz verrückt wird es bei den Tieren. Da gibt es nicht etwa nur ein Zählwort, o nein! Vierbeiner werden anders gezählt (hiki) als Vögel (wa) oder Fische (bi), ganz große Vierbeiner wie Kühe oder Elefanten haben noch mal ein eigenes Zählwort (tô). Und Hasen werden gezählt wie Vögel. Klar.

Insgesamt gibt es laut Wikipedia rund 100 verschiedene Zählwörter. Da verwundert es kaum, dass auch Muttersprachler manchmal ins Schleudern kommen, in welche Kategorie das zu zählende Objekt denn nun gehört. Praktischerweise gibt es zur Not bis 10 auch noch die rein japanische Zählweise, bei der die Zahlen allein stehen. Will man also 5 Bier (bîru) bestellen und ist sich nicht sicher, ob ein Bier im Glas als länglich und dünn gilt oder ob es für Bier nicht etwa doch ein spezielles Zählwort gibt, kann man immer noch bîru itsutsu bestellen. Oder man nimmt die Finger.

(300 Wörter)

 
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Verfasst von - 5. Juni 2012 in Japanisch

 

Kindergrammatik

Wer sich häufig im Internet und vor allem im sogenannten sozialen Netz herumtreibt, weiß: Katzen- und Kindercontent geht immer. Deshalb möchte ich heute mal aus dem Nähkästchen plaudern und berichten, wie Sohn 2 sich damals die nicht zu Unrecht als komplex verschriene (fragt mal Mark Twain) deutsche Grammatik zu eigen machte.

Er kreierte nämlich kurzerhand eigene Regeln, die er eine Weile auch mit größter Akribie befolgte. Als Erstes nahm er sich das Präteritum vor, also die Vergangenheitsform, für die er an jedes Verb konsequent ein „-et“ hängte: „ich Banane esset“, „ich Kindergarten gehet“, „du fertig tuschet“, „er hinfallet“. Deutsch kann ja so einfach sein! Wie viele andere Kinder erfand er später auch Vergangenheitsformen wie „guck mal, der Aufkleber hier klab an meinem Kissen!“

Noch besser aber fand ich seine Konjunktiv-Konstruktionen. Die kamen später und waren entsprechend auch viel komplexer. So ein Satz in der Möglichkeitsform fing nämlich immer mit der Wendung „hätte ich“ an: „Hätte ich, wir gehen Eis essen“ bedeutete also „Ich wünschte, wir gingen ein Eis essen.“ War der Wunsch besonders stark, schob er gern noch ein sehnsuchtsvolles „ach, hätte ich!“ hinterher. „Hätte ich, wir gehen morgen zu Omi. Ach, hätte ich!“ Elegant zum Auf-die-Knie-Fallen, oder?

Unvergessen auch die Phase, in der ihm klar wurde, dass er sich Dinge in seinem Kopf anders vorstellen konnte, als sie tatsächlich passierten. Wenn er uns die Erkenntnis eines solchen Gedankengangs mitteilen wollte, kam als Nachsatz unweigerlich: „Ich dachte. Aber nich.“

Nicht, dass es heute jemals langweilig wäre, ihm zuzuhören. Aber manchmal trauere ich diesen neuschöpferischen Phasen doch hinterher.

(256 Wörter)

 
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Verfasst von - 1. Juni 2012 in Alltag, Sprache

 

Outsourcing

Neulich bekam ich eine Werbemail von einer lettischen Übersetzungsagentur. (Andere Übersetzer und auch Agenturen bewerben sich oft bei mir, gern auch mit exotischen Sprachenkombinationen wie Arabisch-Englisch. Vielleicht sollte ich den Hinweis „Alle Sprachen, alle Fachgebiete“ mal von meiner Homepage nehmen.) Diese Mail war sogar angenehm professionell gehalten, man hatte mir außerdem eine Preisliste und ein Dokument mit drei Fallstudien über von dieser Agentur bearbeitete Projekte angehängt.

Bei den Preisen keine große Überraschung, mit 0,08 € (osteuropäische Sprachen) bis 0,12 € (skandinavische Sprachen) für lettische Verhältnisse wahrscheinlich sogar eher gut. Wirklich umgehauen hat mich bei allen drei vorgestellten Projekten jeweils der Kunde: 1. „mittelständischer Sprachdienstleister in Italien“, 2. „eine der größten Übersetzungsagenturen in Europa“, 3. „renommierte Übersetzungsagentur aus den Niederlanden“.

Bearbeitet wurden die Sprachkombinationen IT>CZ/PL, EN>EE und EN<>DE, nicht in einem Fall hatte also Lettisch etwas mit der Wahl dieses Dienstleisters zu tun. Vielleicht bin ich ja total naiv, aber ist es wirklich ganz normal, dass eine Übersetzungsagentur einen großen, vermutlich lukrativen Auftrag an Land zieht und statt sich selbst die Mühe zu machen, geeignete Übersetzer zu finden und einen entsprechenden Workflow zu entwickeln und umzusetzen (Datenaufbereitung, Terminologiemanagement, Proofreading, Formatierung), das komplette Projekt an eine weitere Übersetzungsagentur ausgliedert und die einfach die ganze Arbeit machen lässt? Wenn es da um Sprachen ginge, für die sie nur selbst keine Stammübersetzer haben – na gut, aber Englisch/Deutsch? Wenn das nicht Umtüten ist, dann weiß ich auch nicht.

Ein interessanter Einblick in den europäischen Übersetzungsmarkt. Wie viel für den Übersetzer übrigbleibt, wenn noch zwei Agenturen an dem Projekt verdienen möchten, kann man sich vorstellen. Interessieren würde mich auch, wo sie zu diesen Preisen die vielen (wegen enger Deadlines) hochqualifizierten (wegen der anspruchsvollen Terminologie) Übersetzer herbekommen. Ich kenne jedenfalls keine KollegInnen, die zu diesen Bedingungen z. B. medizinische Texte übersetzen würden.

(292 Wörter)

 

2 hilfreiche Links für Japanisch-Übersetzer

Da ich für Japanisch und Französisch beim Berliner Landgericht ermächtigt bin, bekomme ich regelmäßig Dokumente auf den Tisch, die man für eine Eheschließung in Deutschland braucht. Für Japaner sind das Familienregisterauszug, Ehefähigkeitsbescheinigung und manchmal auch Meldebescheinigung. Ich übersetze solche Dokumente recht gern, weil sie standardisiert sind, also selten Überraschungen bergen, und auch, weil es irgendwie ein schönes Gefühl ist, zwei Menschen dabei behilflich zu sein, in ihr gemeinsames Leben zu starten. (Schon gut, ich habe romantische Adern an den unmöglichsten Stellen, ich weiß.)

Ohne zwei bestimmte Websites hätte ich dabei aber richtig Mühe. Die eine brauche ich für die Adressen – man kann sich dort ganz bequem von Präfektur über Landkreis oder Stadt bis zu Stadtbezirk und Unterbezirk durchklicken und bekommt die Lesungen, die häufig historisch gewachsen sind und herkömmlichen Regeln daher nicht unbedingt folgen, gleich mitgeliefert. Etwas problematischer wird es, wenn Landkreise im Zuge irgendwelcher Landreformen zusammengeworfen und umbenannt wurden, und solche Reformen gab es nicht gerade selten, gerade nach dem 2. Weltkrieg. Teilweise sind die alten Bezirke noch aufgeführt (leider in Weiß auf Grau, sehr schwer zu entziffern), manchmal muss ich aber auch die japanische Wikipedia bemühen. Je früher das Geburtsdatum, desto wahrscheinlicher hat es inzwischen mal eine Reform gegeben.

Apropos Geburtsdatum: Für die Daten brauche ich die zweite Website. In Japan werden die Jahreszahlen nämlich nicht in der uns bekannten Schreibweise angegeben, sondern als Herrschaftsjahre des gerade amtierenden Kaisers. Derzeit haben wir zum Beispiel das Jahr Heisei 24, also das 24. Jahr unter Kaiser Akihito, der sich den Äranamen Heisei („Frieden vollenden“) gegeben hat. Der Äraname ist so etwas wie ein Motto, unter den der Herrscher seine Herrschaftsperiode stellt. Da ich aber nicht dauernd umrechnen will, sehe ich schnell auf der Website nach, welchem Jahr das japanische Datum entspricht.

Eigentlich alles ganz einfach, wenn man weiß, wie es geht!

(299 Wörter)

 
 

Immer schön strategisch denken

Eben las ich schon wieder einen Artikel darüber, wie man als Unternehmen richtig twittert. Man brauche eine „Twitter-Strategie“, lese ich oft, wahlweise auch eine „Facebook-Strategie“, um seine Marke zu positionieren, Bindung zu den potenziellen Kunden aufzubauen, gar eine „Community“ aufzubauen auf seiner Facebook-Business-Seite.

Ich will dazu mal eine provokante These in den Raum stellen: Wem man Twitter oder Facebook erst umständlich erklären muss, für den ist das wahrscheinlich nicht der richtige Kanal.

Ich selbst bin ja leidenschaftliche Twitter– und Facebook-Nutzerin. Ich nutze beides sowohl privat als auch beruflich, teilweise unter verschiedenen Accounts, manchmal gibt es auch Überschneidungen. Was ich aber nicht getan habe: mir vorher eine Strategie zurechtgelegt, wie ich „richtig“ twittere oder facebooke.

Mir kommen beim Thema „Mitmischen im Social Web“ immer zwei Dinge in den Kopf: Seilspringen und Fliegenlernen.

Erinnert ihr euch noch an das Gruppenspringen auf dem Spielplatz/Schulhof, wo zwei Schwinger ein langes Seil schwangen und in der Mitte mehrere Springer gleichzeitig hüpften? Wenn man sich einklinken wollte, stellte man sich erst mal daneben und nahm den Rhythmus des Seils in sich auf, sprang sozusagen im Kopf mit, bevor man sich zu den anderen in der Mitte gesellte. Das wäre die einzige Social-Media-Strategie, die ich empfehlen würde: Erst mal gucken, wie es die anderen machen, und irgendwann einfach „mitspringen“.

Was das Fliegenlernen angeht, das wird bei Douglas Adams schön beschrieben: Man muss sich dafür zu Boden fallen lassen, diesen aber verfehlen. Man muss also danebenfallen. Soll heißen: Erfolgreich im Social Web mitmischen kann man paradoxerweise eigentlich nur, wenn man es nicht darauf anlegt. Man riecht sie nämlich, diese Strategie-Befolger, und sie sind vor allem eins: langweilig und unauthentisch. Ich folge Menschen, keinen Marken, ich möchte auch mal Persönliches lesen und nicht nutzeroptimiertes Marketing-Blabla. Auch auf Facebook-Business-Seiten.

Und ihr so?

(293 Wörter)

 
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Verfasst von - 22. Mai 2012 in Marketing, Unternehmerinnenalltag