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Recherchekönigin

15 Jun

Wenn Übersetzerinnen eins können, dann recherchieren. Ich bin bestimmt nicht die Einzige, die ganze Vormittage mit der Pirsch auf einen einzigen Begriff verbringt, falschen Fährten folgt, die Witterung erneut aufnimmt, ihn weiter in die Enge treibt, um dann triumphierend „HA! HAB ICH DICH!“ zu rufen, wenn ich ihn erwischt habe. Der Stolz, mit dem der mühsam erjagte Begriff dann im Glossar verewigt wird, ist der eines Jägers, der seinen Zwölfender über den Kamin hängt.

Aber wie stellt man es an, dieses Heranpirschen, Einkreisen und Erlegen des Gesuchten? Erst mal wird natürlich gegoogelt. (Als ich anfing mit dem Übersetzen, gab es übrigens nicht nur dieses Verb noch nicht, es gab nicht mal Google! Man stelle sich vor! Damals war AltaVista noch die Suchmaschine meiner Wahl. Und als ich dann in einer Newsgroup den Geheimtipp mit der neuen Suchmaschine aufschnappte, konnte man nicht etwa Seiten in beliebigen Sprachen durchsuchen – wenn ich etwas Japanisches suchte, musste ich die japanische Google-Seite aufrufen, die deutsche fand nichts.) Meistens findet man so am schnellsten, wonach man sucht, aber wenn das Thema sehr speziell ist, ist das Internet irgendwann einfach zu Ende. Und was dann?

Meine nächstliebste Strategie: Ich gehe in die Bücherei. Da finde ich einerseits Wörterbücher, zum anderen aber auch Fachbücher, Lehrbücher, Sekundärliteratur, ohne die es manchmal einfach nicht geht.

Gelegentlich reicht aber auch das Bücherwissen nicht aus. Dann gehe ich Menschen fragen. Gerade vor ein paar Tagen suchte ich verzweifelt nach einem fischereilichen Begriff, bis ich endlich die Nerven verlor und einen Experten vom IFM-GEOMAR anmailte. Ich bekam innerhalb von 15 Minuten eine äußerst freundliche und kompetente Antwort, die mein Problem löste. Diese Strategie hat mir überhaupt schon häufig aus der Patsche geholfen, ob es nun um Plasmaschneidegeräte, Numerologie, Schmetterlinge oder französische Surfbegriffe ging. Letztendlich geht doch nichts über Menschen, die sich auskennen!

(299 Wörter)

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5 Kommentare

Verfasst von - 15. Juni 2011 in Übersetzeralltag, Trickkiste

 

5 Antworten zu “Recherchekönigin

  1. isabo

    15. Juni 2011 at 22:00

    Und das Tolle ist, dass diese Menschen sich oft sogar richtig freuen, dass endlich mal jemand ihr Fachwissen abruft, das sonst nämlich meist niemanden interessiert. Ich habe bei solchen Anfragen ausschließlich total nette und hilfbereite Antworten bekommen.

     
    • frenja

      16. Juni 2011 at 09:22

      Genau, das hätte ich gerne noch weiter ausgeführt, passte aber nicht mehr in die 300 Wörter. 😉 Genau diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Man sollte überhaupt viel mehr Menschen fragen.

       
  2. gezegen

    24. Juni 2011 at 01:12

    Hallo,

    Mit grossem Interesse habe ich dein Schrift gelesen. Der Satz „Als ich anfing mit dem Übersetzen, gab es…“ scheint mir grammatisch false oder so dass, es dabei etwas fehlt. Als noch ein Deutschlerner würde ich es so schreiben: „Als ich mit dem Übersetzen anfing, gab es…“ Habe ich dabei Recht, oder ist es für mich schon die Zeit, all jene saure Grammatikbücher wegzuwerfen und Real-World Sprachverwendungen zu stossen?

    Danke.

    Gezegen

     
    • frenja

      24. Juni 2011 at 09:19

      Hallo Gezegen,

      danke für den Kommentar. Unsere Versionen sind grammatikalisch beide richtig, der Unterschied liegt in der Betonung. Je weiter vorn ein Wort im Satz steht, desto betonter ist es; in meinem Satz liegt die Betonung also auf „anfing“ (das Übersetzen ist sozusagen als Ergänzung hinterhergeschoben), dein Satz ist von der Betonung her neutral. Also eine Frage des Stils, nicht der Grammatik. 🙂

       

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