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Such, such!

23 Mrz

Was macht eigentlich eine gute Übersetzerin aus? Sprachgefühl, klar. Schreibtalent. Genauigkeit. Hartnäckigkeit braucht man auch und ein leichter Hang zum Perfektionismus ist oft ebenfalls nützlich. Vor allem aber muss eine gute Übersetzerin eins können: recherchieren.

Obwohl diese Kunst nicht direkt zum Ausbildungsgang gehört (zumindest nicht zu meiner Zeit), ist sie meiner Meinung nach von dermaßen entscheidender Bedeutung, dass man behaupten könnte,  hier trennt sich die Spreu vom Weizen, unterscheiden sich die Amateure von den Profis.

Stellen wir uns vor, in meinem Text taucht ein Wort auf, das ich nicht kenne. Passiert sehr viel häufiger, als gemeinhin angenommen wird, denn Übersetzer sind nun mal keine Wörterbücher. Aber das nur am Rande. Was mache ich also? Zuerst sehe ich natürlich in den einschlägigen Wörterbüchern nach. Finde ich dort eine deutsche Entsprechung, die in meinen Satz passt, prima! Das war einfach. Und wenn nicht? Dann versuche ich es je nach Fachgebiet noch in ein paar spezielleren Wörterbüchern, hole vielleicht sogar meine Papierdinosaurier aus dem Regal. Manchmal hilft das. Und wenn nicht? Dann schlägt die Stunde der Recherchekönigin. Paralleltexte suchen. Wenn ich überhaupt nicht mehr weiterkomme, frage ich Menschen. Erst KollegInnen, dann ExpertInnen.

Man beachte die Reihenfolge. Wenn ich überhaupt nicht mehr weiterkomme. Das kommt erst ganz zum Schluss, wenn ich mein Recherchepulver verschossen habe und feststecke. Leider sind da nicht alle KollegInnen so streng mit sich. Sobald der gesuchte Begriff weder auf Leo noch auf dict.cc zu finden ist, wird die Frage einfach outgesourct, ob nun auf KudoZ oder in anderen Übersetzerforen. Wie oft ich da schon der Versuchung widerstehen musste, einen entsprechenden Link zu „Let me google that for you“ zu setzen, kann ich gar nicht zählen.

Mich ärgert das wirklich. Recherchieren ist eine wesentliche Grundkompetenz für das Übersetzen und solche Abkürzungen sind meist nichts als Bequemlichkeit. Lernt es! Sucht selbst!

(299 Wörter)

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5 Kommentare

Verfasst von - 23. März 2016 in Übersetzeralltag, Sprache, Trickkiste

 

5 Antworten zu “Such, such!

  1. frenja

    23. März 2016 at 12:21

    Kleine Ergänzung: Meckern kann ja jeder. Meine Kollegin Manuela Bache hat sich darüber hinaus die Mühe gemacht und die nützlichsten Suchmaschinen für Übersetzer zusammengestellt: http://wordferry.com/2016/02/wer_suchet_der_findet/

     
  2. patenttranslator

    25. März 2016 at 18:24

    Shouldn’t it be „outgesourcet“? Just wondering about the rules of Deutsche Rechtschreibung when it comes to „gairaigo“.

     
    • frenja

      25. März 2016 at 18:28

      No, this would be an unholy mixture of English and German orthography. 😉 German acts like the Borg in such cases, assimilating foreign words beyond recognition. Have a look here: http://www.duden.de/rechtschreibung/outsourcen

       
      • patenttranslator

        25. März 2016 at 19:44

        Not quite as bad (or good at butchering foreign words) as katakana, but getting there, by hook and crook.

         
  3. San

    4. April 2016 at 08:57

    Ich frage mich manchmal auch, ob Kollegen nicht in der Lage sind, eine Suchmaschine oder sogar einfach nur ein Wörterbuch zu bedienen. Gerade eben wieder über so einen Fall gestolpert – an dem gesuchten Begriff war nichts rätselhaftes, man hätte es sogar bei leo.org finden können. So etwas wirkt auf mich immer irgendwie inkompetent.

     

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