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Archiv der Kategorie: Medizin

MOOC-struck

Mein Name ist Susanne und ich bin MOOC-süchtig.

Puh, jetzt ist es raus. Ich pflege ja schon länger meinen Ruf als Weiterbildungsverrückte, schiele nach jeder Konferenz schon zur nächsten und fahre quer durch die Republik zu Fortbildungsseminaren. Leider belastet das aber nicht unerheblich Familienleben und Geldbeutel – da kommt mir der aktuelle Trend zu Onlineveranstaltungen gerade recht. Webinare sind zum Beispiel stark im Kommen und immer häufiger finde ich auch speziell auf Übersetzer zugeschnittene (zum Beispiel hier, hier und hier).

Noch besser als Webinare finde ich inzwischen aber MOOCs (Massive Open Online Courses, hier eine Liste). Sie werden überwiegend von Universitäten angeboten, meist als Videovorlesung. In interaktiven Tests werden Lerninhalte abgefragt, wer eine bestimmte Punktzahl erreicht, hat den Kurs bestanden. Die Kurse gehen über 3 bis 12 Wochen und – sie machen süchtig.

Bisher habe ich Kurse zu Genomforschung und Präzisionsmedizin, Klinischer Terminologie und Unfallchirurgie abgeschlossen. Aktuell bilde ich mich in Forensik weiter, heute beginnt ein Kurs zur Wirkungsweise von Medikamenten und dann warten da noch einige Kurzkurse zu kardiovaskulären Erkrankungen, Lebererkrankungen, Zahnmedizin und Parkinson auf mich.

Bin ich eigentlich verrückt? Habe ich nicht schon genug zu tun? Sollte ich in meiner Freizeit nicht lieber ausspannen und meine Lieblingsserien sehen? Jein. Es macht mir derzeit unglaublich viel Spaß, mein Gehirn mal mit ganz neuen Dingen zu füttern, die nicht speziell für Übersetzer aufbereitet sind. Statt abends den Fernseher auf Berieselung zu stellen, lasse ich mir lieber etwas über die Faszien des Halses erzählen und staune, wie viel dabei hängen bleibt. Neulich auf dem Hauptstadtkongress kam ich am Stand eines genetischen Diagnostiklabors vorbei und konnte mit dem Experten so richtig fachsimpeln – vor dem Genomik-MOOC hätte ich nur Bahnhof verstanden, wenn er mir etwas von Exom-Diagnostik erzählt hätte. Ein schönes Erfolgserlebnis!

Für meine Lieblingsserien finde ich trotzdem noch Zeit. Prioritäten sind schließlich wichtig!

(300 Wörter)

 
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Verfasst von - 1. September 2014 in Medizin, Weiterbildung

 

Schief is beautiful

Die Japaner sind ja, man kann es aus der Distanz nicht anders sagen, ein komisches Völkchen. (Und ich bin sicher, sie sagen genau dasselbe über das eine oder andere europäische Volk – wie kann man nur verschimmelten Käse essen! –, und bestimmt ebenso zu Recht.) Als ich in Japan war, wurde mir mal gesagt, die Japaner hätten vor allem zwei Schwächen: alles, was kawaii (niedlich), und alles, was kawaisô (bedauernswert, arm dran) ist.

Bei „niedlich“ fallen einem natürlich zuerst die kulleräugigen Manga-Mädchen ein oder Hello Kitty. Nun sind aber die Japaner, wie eingangs schon bemerkt, ein komisches Völkchen und finden noch ganz andere Dinge niedlich. Zum Beispiel schiefe Zähne.

Weil vor allem Japanerinnen einen schmalen Oberkiefer haben, finden oft nicht alle Zähne nebeneinander Platz und wachsen dann an den falschen Stellen aus dem Kiefer. Besonders betroffen sind die Eckzähne, die dann zum Beispiel ein Stück weiter oben ansetzen oder sonstwie schief stehen.

In der westlichen Welt ein klarer Fall für den Kieferorthopäden, aber nicht in Japan. Im Gegenteil, wenn die Zähne allzu gerade stehen, lassen sich modebewusste junge Frauen sogar künstliche Eckzähne aufkleben, damit sie hervorstehen. Yaeba nennen sie solche Zähne, ganz wörtlich übersetzt „Achtfach-Zahn“, und sie finden das niedlich. Warum? Weil der Anblick an ein Kind im Zahnwechsel erinnert, wenn die Zähne noch zu groß für den Kiefer sind und kreuz und quer stehen. So ein yaeba verleihe den Frauen eine „koboldhafte Niedlichkeit“, sagt ein Zahnarzt in diesem Artikel. Es wird gerade als neuer Trend verkauft, aber schon als ich vor 20 Jahren in Japan war, fielen mir die vielen schiefen Gebisse gerade von jungen Frauen auf. Endlich weiß ich, was es damit auf sich hat.

Ich finde das eigentlich ganz sympathisch. Perfektion ist doch auch langweilig! Schließlich gibt es ja  hierzulande ebenso Menschen, die Madonnas Zahnlücke sexy finden.

(299 Wörter)

 
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Verfasst von - 17. April 2013 in Alltag, Japanisch, Medizin

 

Auf die Ohren: Deutsche Podcasts II

Ich weiß, ich weiß, in den letzten 11 Wochen (uiuiui) habt ihr alle schlecht geschlafen, weil ihr die Spannung nicht ertragen konntet. Deshalb will ich mich auch gar nicht lange für die Sendepause entschuldigen, sondern endlich die zweite Runde meiner kleinen Podcast-Serie zum krönenden Abschluss bringen: Hier also die besten deutschen Wissenschafts-Podcasts, die seit dem ersten Artikel neu dazugekommen sind.

Im Podcast der Deutschen medizinischen Wochenschrift (DMW) wird jede Woche ein anderes medizinisches Thema behandelt. Dabei geht es ziemlich ans Eingemachte, da sich das Angebot eher an Fachleute richtet. Trotzdem nicht trocken, sondern sehr interessant und gut gemacht.

Noch mehr tolle Podcasts vom Deutschlandradio: Wissen – Natur mit kleinen Info-Häppchen aus den Naturwissenschaften und Forschung aktuell mit noch kürzeren Highlights aus Forschung und Wissenschaft. Kleine Wissens-Snacks für zwischendurch, sozusagen.

Die Podcasts der Helmholtz-Gemeinschaft berichten ähnlich wie die Fraunhofer-Podcasts von aktuellen Forschungen aus den Helmholtz-Zentren. Passend dazu die Reihe Schon gewusst?: Erstaunliche Fakten in 3 Minuten.

Nicht nur der WDR hat mit „Leonardo“ eine hörenswerte Wissenschaftssendung, sondern natürlich auch andere Sender, zum Beispiel der Bayrische Rundfunk mit IQ und der SWR mit Campus, beides sehr lohnenswert und unterhaltsam.

Ein schönes Angebot ist auch der Podcast der Medizinischen Hochschule Hannover, der sich naturgemäß mit medizinischen Themen beschäftigt. Anspruchsvoll, interessant und abwechslungsreich. Erscheint nur alle paar Monate, aber das Archiv ist umfangreich genug, um zwischendurch nicht darben zu müssen.

Was ich allerdings vom Deutschen Medizinradio halten soll, weiß ich immer noch nicht so recht. Die Themen sind zwar interessant, aber die etwas drögen Reportagetexte werden auch noch reichlich uninspiriert vorgelesen (auch das ist eine Kunst – richtige Radioleute beherrschen das besser) und vor allem immer wieder von offenbar willkürlich ausgewählten Musikstücken unterbrochen. Mir hat sich jedenfalls noch nicht erschlossen, was Gitarrenrock mit Osteologie oder Irish Folk mit dem Gesundheitssystem zu tun hat.

(298 Wörter)

 
 

Auf die Ohren: Englische Podcasts II

Huch, inzwischen haben wir 2013 und seit dem letzten richtigen Blogpost sind 6 Wochen ins Land gezogen. Höchste Zeit, die Podcast-Reihe weiterzuführen! Heute: meine liebsten neu entdeckten englischen Podcasts. Einige davon hat mir Tanja nach meinem ersten Posting empfohlen, vielen Dank!

Inside Health (ehemals „Medical Matters“) reiht sich in die Vielzahl großartiger BBC-Podcasts ein. In der halbstündigen Sendung geht es ausschließlich um Medizin, wobei auch psychologische Themen nicht zu kurz kommen. Der Moderator ist selbst Arzt, die Interviews bewegen sich daher auf angenehm hohem Niveau.

Material World, ebenfalls von der BBC, wartet mit einem besonders quirligen Moderator auf und beschäftigt sich mit allerlei wissenschaftlichen Themen. Sehr unterhaltsam und abwechslungsreich.

Best of Natural History Radio nimmt die geneigte Hörerin mit auf Exkursionen in die urige Wildnis Großbritanniens. Mal geht es um Mückenlarven in winterlichen Seen, mal um Vögel – faszinierend ist jedes Mal vor allem die hörbare Begeisterung, mit der sich der Reporter oder die Reporterin auf das entsprechende Thema einlässt. Ganz entzückend!

Sehr empfehlen kann ich auch Radiolab. Das kommt ausnahmsweise nicht von der BBC, sondern ist ein privater amerikanischer Podcast, der in einer Stunde ein wissenschaftliches Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Dabei ist das aber so interessant aufgemacht und unkonventionell produziert, dass es niemals langweilig wird. (Wie stellt man akustisch einen Regenbogen dar? Die können das!) Außerdem graben sie immer wieder die verrücktesten Geschichten aus wie die von dem Mann, der erst in Hiroshima und dann in Nagasaki von der Atombombe erwischt wurde – und überlebte.

Zum Schluss noch zwei Podcasts, die nichts mit Medizin und Naturwissenschaften zu tun haben, die ich aber trotzdem gern höre: Im australischen Podcast Lingua Franca geht es um Sprachen, in Small Business Big Marketing um – na klar – Marketingstrategien für Kleinunternehmer. Allein schon wegen des australischen Englischs lohnt es sich, in beide reinzuhören!

(299 Wörter)

 
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Verfasst von - 21. Januar 2013 in Biologie, Medizin, Weiterbildung

 

Auf die Ohren: Französische Podcasts II

Wie versprochen, hier meine liebsten Neuzugänge in meiner Playlist französischer Podcasts aus der Welt der Medizin und der Wissenschaft:

Avec ou sans rendez vous ist ein einstündiger Podcast des Radiosenders France Culture zu medizinischen Themen, die im Gespräch mit einem Experten ausführlich erörtert werden. Interessant und anspruchsvoll, im Moment wird dort allerdings offenbar eine Sendepause eingelegt. Bis es weitergeht, kann man sich ja durch die Archive hören.

Der Podcast Info Sciences liefert knapp 5-minütige Informationshäppchen zu aktuellen Wissenschaftsthemen. Schön abwechslungsreich!

La recherche à l’ULB berichtet in rund 10 Minuten jeweils von aktuellen Forschungen an der Université Libre de Bruxelles, dabei kommen die jeweiligen Forscher im Interview selbst zu Wort. Danke an Françoise Bodénez für diesen Hinweis!

La tête au carré ist ein knapp einstündiger Podcast von Radio France Inter, in dem wissenschaftliche Themen im Gespräch mit verschiedenen Experten behandelt werden. Alle paar Wochen werden auch in einer Gesprächsrunde verschiedene aktuelle Themen gemeinsam und teilweise recht kontrovers erörtert. Höre ich sehr gern, da es häufig um Biologie geht.

Auch Révolutions médicales ist ein Podcast von France Culture, in dem eine Stunde lang ein Experte zu einem aktuellen medizinischen Thema zu Wort kommt.

Bei Radio France International habe ich ebenfalls noch zwei Lieblings-Podcasts gefunden: Die Chroniques Sciences sind 2,5-minütige Features zu aktuellen Wissenschaftsthemen, bei Priorité Santé geht es in halbstündigen Beiträgen um verschiedene Gesundheitsthemen. Das Besondere an dieser Sendung sind die Anrufer aus der gesamten französischsprachigen Welt, überwiegend aus Afrika. Meist kommt auch ein entsprechender Experte aus einem afrikanischen Land zu Wort, sehr interessant. Wo sonst erfährt man schon etwas über den Tabakkonsum in Burkina Faso oder die Lage der Psychiatrie im Senegal?

Wer weder Japanisch noch Französisch kann, darf sich auf die nächsten beiden Artikel freuen, in denen ich meine englischen und deutschen Podcast-Neuentdeckungen vorstellen werde.

(294 Wörter)

 

Auf die Ohren: Japanische Podcasts II

Vor einigen Monaten habe ich hier ja meine liebsten japanischen, französischen, englischen und deutschen Podcasts vorgestellt, die geneigte Leserschaft erinnert sich vielleicht noch.

Inzwischen sind in allen Sprachen noch welche dazugekommen, andere habe ich aussortiert – kurzum: Zeit für eine Ergänzungsliste! Hier also meine neusten Fundstücke aus dem Reich der japanischen Podcasts zu den Themen Wissenschaft und Medizin:

JapanesePod101.com fällt da gleich mal etwas aus dem Raster, denn hier findet man eigentlich Podcasts zum Japanischlernen. Man kann sich auf der Website kostenlos registrieren (und bekommt fortan natürlich regelmäßig Werbung für die Bezahlprogramme der Seite, das ist eben der Preis für „kostenlos“) und kann dann verschiedene Podcasts oder Audioblogs abonnieren, wie sie das nennen. Schön geordnet nach Schwierigkeitsgrad. Sehr aufbauend, wenn man in der halsbrecherisch durcheinander redenden Talkrunde zum Wissenschaftsthema in einem der anderen Podcasts mal wieder nur Bahnhof verstanden hat.

Nâsu Yuko no Night Hospital (Schwester Yukos Nachtkrankenhaus) Schnell, reichlich überdreht, aber auch unterhaltsam und lehrreich. Schwester Yuko albert mit dem jeweiligen Gast herum (offenbar meist Freunde) und klärt nebenbei medizinische Zuhörerfragen. Wenn man sich an den Turbogang gewöhnt hat, richtig charmant. (Der Link scheint leider im Moment nicht zu funktionieren.)

Seishun arudehido (Jugend-Aldehyd) gewinnt eindeutig den Preis für den abgedrehtesten Namen. Zwei Moderatoren plaudern eine runde halbe Stunde über mehr oder weniger aktuelle Themen aus Wissenschaft und Medizin, mal mit, mal ohne Gäste. Besondere Herausforderung: Die Herren stammen offenbar aus Osaka und sprechen dementsprechend auch kein „Hochjapanisch“, sondern (gemäßigten) Kansai-Dialekt. Ohrenzucker!

Im nächsten Beitrag verrate ich meine französischen Neuentdeckungen.

(250 Wörter)

 
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Verfasst von - 21. November 2012 in Japanisch, Medizin, Weiterbildung

 

Zu viel Kultur ist auch nicht gut

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“, sagte ja schon Matthias Claudius vor 200 Jahren. Fremde Länder, fremde Städte, fremde Völker – fantastisch!

Manche vertragen das Reisen aber auch nicht ganz so gut. Ich meine nicht die bedauernswerten Reisekranken oder die armen Opfer von Montezumas Rache. Nein, es gibt auch mentale Unverträglichkeiten, besonders heftige Ausprägungen des Kulturschocks. Beispiele gefällig?

  • Das Paris-Syndrom wurde erstmals 1991 vom japanischen Psychiater Hiroaki Ota beschrieben und befällt vornehmlich japanische Touristen in – genau – Paris. Es äußert sich durch psychische Symptome wie Wahnzustände, Halluzinationen, Derealisation und Depersonalisation, aber auch durch körperliche Anzeichen wie Schwindel, Herzrasen und starkes Schwitzen. Folgende Faktoren gelten als Ursache: 1. Sprachbarriere (ha! Fremdsprachenkenntnisse erhalten die geistige Gesundheit, sag ich doch), 2. kulturelle Unterschiede, 3. Unvereinbarkeit des idealisierten Paris-Bildes der Japaner mit der Wirklichkeit und 4. Erschöpfung. In leichten Fällen hilft Bettruhe und viel trinken, in schweren Fällen nur noch die Heimreise.
  • Das Stendhal-Syndrom ist nach dem französischen Schriftsteller Stendhal benannt, der bei seiner Reise nach Florenz in geradezu wahnhafte Verzückung geriet. Es befällt kunstbegeisterte Touristen jeder Nationalität und zeigt sich in ähnlichen Symptomen wie das Paris-Syndrom. Erstmals beschrieben 1979 von der italienischen Psychologin Graziella Magherini.
  • Das Jerusalem-Syndrom macht auch hierzulande regelmäßig Schlagzeilen, wenn zu hohen Feiertagen gläubige Christen und Juden aus aller Welt die historische Stadt besuchen. Einige beeindruckt ihr Aufenthalt so sehr, dass sie sich mit einer biblischen Figur identifizieren, sich in Bettlaken hüllen und auf der Straße zu predigen beginnen. Der israelische Arzt Yair Bar El beschrieb diese psychische Störung erstmals Anfang der 1980er-Jahre.
  • Zu erwähnen wäre auch noch das Venedig-Syndrom. Die Stadt im Wasser zieht nämlich offenbar Selbstmörder an wie die Fliegen, wie die Psychologin Diana Stainer 2000 in einer Studie belegte. Zumindest in keiner anderen italienischen Stadt nehmen sich so viele Touristen das Leben, geplant oder auch spontan.

Gute Reise!

(298 Wörter)

 
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Verfasst von - 2. November 2012 in Alltag, Medizin